Eine aktuelle Befragung zeigt, dass Rassismus in Deutschland von einer großen Mehrheit wahrgenommen wird. Bei konkreten Fragen zu Behörden und gesellschaftlichen Strukturen gehen die Einschätzungen jedoch auseinander.

Rassismus gehört für eine große Mehrheit der Bevölkerung zur gesellschaftlichen Realität in Deutschland. 72,3 Prozent stimmen der Aussage zu, dass es Rassismus im Land gibt. Lediglich 6,1 Prozent widersprechen. Das geht aus einer neuen Untersuchung des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hervor.
Für die Untersuchung wurden zwischen Oktober und Dezember 2025 insgesamt 8171 Menschen repräsentativ befragt. Dabei zeigt sich, dass die grundsätzliche Anerkennung von Rassismus weitgehend unabhängig davon ist, ob Befragte selbst aufgrund gesellschaftlicher Zuschreibungen potenziell davon betroffen sind. Auch Alter, Bildung und Geschlecht beeinflussen die Zustimmung nur geringfügig.
Anders fällt das Bild aus, wenn es um konkrete gesellschaftliche und institutionelle Zusammenhänge geht. Dass es rassistische Diskriminierung in deutschen Behörden gibt, meinen 40,8 Prozent der Befragten. 38 Prozent stimmen der Aussage zu, Deutschland sei eine rassistische Gesellschaft. In beiden Fällen antwortet etwa ein Drittel mit „teils/teils“.
Besonders deutlich sind die Unterschiede bei der Einschätzung staatlicher Institutionen. Unter den rassistisch markierten Befragten sehen 50,1 Prozent rassistische Diskriminierung in Behörden. Bei den nicht rassistisch markierten Befragten sind es 37,7 Prozent. Auch das Alter spielt eine Rolle: Unter den 18- bis 24-Jährigen stimmen 58,9 Prozent der Aussage zu, bei den über 65-Jährigen dagegen nur 30,1 Prozent.
Ein weiteres Ergebnis betrifft die Frage nach der Absicht. Knapp zwei Drittel der Befragten (62,8 Prozent) sind der Ansicht, dass Menschen sich auch ohne rassistische Überzeugungen oder bewusste Absicht rassistisch verhalten können. Nur 10,6 Prozent widersprechen dieser Einschätzung.
Der Leiter des Rassismusmonitors, Cihan Sinanoğlu, sieht in der breiten Anerkennung von Rassismus einen wichtigen Ausgangspunkt für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. Zugleich zeigten die Ergebnisse, dass das Bewusstsein für Rassismus nicht automatisch mit einer klaren Vorstellung seiner institutionellen und gesellschaftlichen Wirkungsweisen einhergehe. Die Forschung müsse deshalb genauer untersuchen, wie Menschen unterschiedliche Formen von Rassismus wahrnehmen.