Seit mehr als 20 Jahren gibt es Modellversuche zum islamischen Religionsunterricht. Der Islamrat fordert zum Schulstart in allen Ländern verlässliche und gleichberechtigte Strukturen.

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland fordert verlässliche und flächendeckende Strukturen für den islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen. „Seit Jahrzehnten wartet Deutschland beim islamischen Religionsunterricht auf Normalität“, erklärte der Vorsitzende Burhan Kesici zum Beginn des Schuljahres in Baden-Württemberg und Bayern.
Es brauche ein Ende von Modellversuchen, Sonderwegen und Provisorien sowie eine „echte Gleichbehandlung muslimischer Schülerinnen und Schüler“.
Die ersten Modellversuche für islamischen Religionsunterricht liegen nach Angaben des Islamrats mehr als 20 Jahre zurück. Dennoch gebe es in fünf Bundesländern bis heute kein entsprechendes Angebot. In anderen Ländern werde der Unterricht über Modellversuche, Übergangsregelungen oder besondere Organisationsformen angeboten. Auch staatliche Islamkunde könne einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht nicht ersetzen, so der Islamrat.
Die bundesweit vergleichsweise niedrigen Teilnehmerzahlen seien vor diesem Hintergrund nicht allein mit einem geringen Interesse muslimischer Familien zu erklären. Rund 84.000 Schülerinnen und Schüler besuchten derzeit islamischen Religionsunterricht oder Islamkunde. Im Saarland erreiche das Angebot nach Angaben des Islamrats rund zwei Prozent der muslimischen Schülerschaft, in Niedersachsen knapp vier und in Nordrhein-Westfalen sieben Prozent.
„Religionsunterricht ist kein Entgegenkommen und keine freiwillige Zugabe“, sagte Kesici. Der Staat müsse dafür sorgen, dass muslimische Kinder nicht dauerhaft mit Provisorien abgespeist würden. Fragen der Repräsentanz muslimischer Religionsgemeinschaften und der verfassungsrechtlichen Voraussetzungen müssten zwar sorgfältig geklärt werden. Nach mehr als zwei Jahrzehnten dürften diese Schwierigkeiten jedoch nicht zum Dauerzustand werden.
Der Islamrat verweist zugleich auf die Bedeutung des Unterrichts für die religiöse Bildung. Die Schule erreiche aufgrund der Schulpflicht auch Kinder und Jugendliche, die nicht regelmäßig eine Moschee besuchten. Dort könnten sie ihre Religion fachlich kennenlernen, unterschiedliche Auslegungen einordnen und zwischen religiösen Inhalten, Ideologien und extremistischen Verzerrungen unterscheiden.
„Musliminnen und Muslime erwarten keine Sonderbehandlung. Sie erwarten Normalität, weil sie selbstverständlich zu diesem Land, zu seinen Schulen und zu seiner Gesellschaft gehören“, erklärte Kesici abschließend.