Demokratie-Monitor

Knapp jeder Fünfte in Deutschland hat ein rechtspopulistisches Weltbild

Die Uni Hohenheim in Stuttgart hat ihren neuen „Demokratie-Monitor“ herausgegeben. Demzufolge finden Verschwörungserzählungen bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung Zustimmung.

04
09
2026
Symbolbild Deutschland Studie © shutterstock, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Deutschland © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Fast ein Fünftel der Deutschen hat ein rechtspopulistisches Weltbild. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für den jährlichen „Demokratie-Monitor“ der Universität Hohenheim in Stuttgart, wie die Hochschule mitteilte. Hierfür wurden im August dieses Jahr 4.059 Bundesbürger ab 16 Jahren befragt.

„Rechtspopulisten verwenden immer wieder die gleichen Erzähl-Elemente“, sagte der für den „Demokratie-Monitor“ verantwortliche Kommunikations- und Politikwissenschaftler Frank Brettschneider. „1. Es gibt einen einheitlichen ‚Volkswillen‘. 2. Dieser wird von inneren und äußeren Mächten unterdrückt. 3. Zu den inneren Mächten zählen die politischen Eliten und die Massenmedien. 4. Zu den äußeren Mächten zählen die EU, die Globalisierung und der Islam.“ Oft würden auch Verschwörungserzählungen eingebaut.

17 Prozent der Deutschen haben Brettschneider zufolge ein rechtspopulistisches Weltbild. „Bei acht Prozent der Befragten findet sich ein sehr starker Grad an Populismus, bei neun Prozent ein starker Grad.“ Damit liege der Anteil auf dem Niveau der Jahre 2025 und 2024. Gewachsen sei der Anteil derer, die an der Schwelle zu einem populistischen Weltbild stünden.

Um das Ausmaß zu bestimmen, mit dem ein rechtspopulistisches Weltbild in der Bevölkerung verbreitet ist, wurden den Befragten 18 Aussagen vorgelegt, wie es hieß. „Einige davon enthielten Verschwörungserzählungen. Die Befragten sollten angeben, wie stark sie diesen Aussagen zustimmen oder wie stark sie sie ablehnen.“

Populistisches Weltbild im Osten stärker verbreitet

Verschwörungserzählungen finden laut Uni bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung Zustimmung. Etwa ein Viertel der Befragten glaube etwa, dass Politik in Deutschland von „geheimen Mächten“ gesteuert werde. Sie stimmten der folgenden Aussage zu: „Es gibt geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.“ Deutlich zugenommen hätten Aussagen, die die politische Elite negativ sehen. So seien 31 Prozent der Befragten der Meinung, die Regierenden „betrügen das Volk“ (2025: 24 Prozent).

Ein populistisches Weltbild ist in Ostdeutschland stärker verbreitet als im Westen, wie es weiter hieß. Je höher zudem die formale Bildung der Befragten, desto geringer sei der Anteil jener mit solchen Ansichten. Am höchsten sei der Anteil bei den 45- bis 59-jährigen Männern (25 Prozent), am niedrigsten bei den 16- bis 29-jährigen Frauen (8 Prozent). (KNA, iQ)

Leserkommentare

grege sagt:
Mit Interesse habe ich den Beitrag „Knapp jeder Fünfte in Deutschland hat ein rechtspopulistisches Weltbild“ gelesen. Bemerkenswert ist dabei die völlige Selbstverständlichkeit, mit der über problematische Einstellungen in Teilen der deutschen Bevölkerung berichtet wird. Niemand empfindet dies als Generalverdacht gegen alle Deutschen oder alle Ostdeutschen. Niemand fordert, in jedem zweiten Absatz darauf hinzuweisen, dass die große Mehrheit demokratisch eingestellt ist. Zu Recht gilt: Gesellschaftliche Probleme dürfen benannt werden, ohne jeden Einzelnen dafür verantwortlich zu machen. Genau dieser Maßstab scheint jedoch nicht für alle zu gelten. Sobald islamistischer Extremismus, Antisemitismus oder andere problematische Einstellungen in Teilen muslimischer Milieus thematisiert werden, ist schnell von Stigmatisierung, Vorurteilen und verzerrten Bildern die Rede. Die Möglichkeit, dass negative Berichterstattung auch eine Folge real existierender Probleme sein könnte, wird oft erstaunlich wenig reflektiert. Besonders bemerkenswert ist dies bei IslamiQ selbst. Das Portal bewegt sich erkennbar im Umfeld islamischer Verbände und berichtet regelmäßig über die IGMG und deren Aktivitäten. Damit ist es nicht nur Beobachter, sondern auch Akteur in dieser Debatte. Gerade deshalb stellt sich die Frage nach den eigenen Maßstäben. Die IGMG geht historisch auf die von Necmettin Erbakan geprägte Millî-Görüş-Bewegung zurück. Erbakan verbreitete antisemitische Verschwörungserzählungen und behauptete unter anderem, Juden würden seit Jahrtausenden die Welt beherrschen. Wäre eine solche Aussage von einem deutschen Politiker gefallen, würde sie völlig zu Recht als antisemitische Hetze verurteilt. Bis heute ist eine wirklich schonungslose öffentliche Aufarbeitung dieses ideologischen Erbes kaum erkennbar. Stattdessen wird mit großer Regelmäßigkeit auf die vermeintlichen Vorurteile und demokratischen Defizite der deutschen Mehrheitsgesellschaft verwiesen. Wer andere permanent kritisiert, muss sich jedoch denselben kritischen Fragen stellen lassen. Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch. Während über Rechtspopulismus in Deutschland intensiv berichtet wird, fällt die Kritik an autoritären Entwicklungen in der Türkei häufig deutlich zurückhaltender aus. Die AKP regiert seit Jahren gemeinsam mit der ultranationalistischen MHP. Präsident Erdoğan steht für einen zunehmend autoritären Regierungsstil mit erheblichen Einschränkungen von Pressefreiheit und politischer Opposition. Wer politische Moral und demokratische Maßstäbe einfordert, sollte diese nicht nur in Deutschland anwenden, sondern auch gegenüber den politischen Bezugspunkten im eigenen Umfeld. Deutschland hat Millionen Muslime aufgenommen. Viele Menschen aus mehrheitlich muslimischen Staaten wollen dauerhaft hier leben und nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Das spricht nicht für ein Land, das im Kern von Islamfeindlichkeit geprägt ist. Natürlich existieren Rassismus und Diskriminierung, und darüber muss berichtet werden. Wer Deutschland jedoch überwiegend durch die Brille von Rechtspopulismus, Islamfeindlichkeit und Ausgrenzung betrachtet, riskiert selbst ein verzerrtes Bild der Realität. Eine glaubwürdige Debatte braucht gleiche Maßstäbe für alle. Probleme dürfen bei Deutschen, Muslimen, Christen, Zuwanderern oder Ostdeutschen gleichermaßen benannt werden. Wer diesen Grundsatz nur dann verteidigt, wenn es um die Fehler anderer geht, verliert an Überzeugungskraft.
04.09.26
19:14
Timotheus sagt:
Besonders wichtig und aufschlußreich wären konkrete Erkenntisse zu Menschen in Deutschland mit einem islampopulistischen Weltbild. Hierzu sollten und müssen recht bald detaillierte Umfragen und Forschungen durchgeführt werden. Da gibt es noch viel zu tun.
05.09.26
1:56