31 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica werden in Potočari zehn weitere Opfer beigesetzt. Tausende Menschen nehmen an den Gedenkveranstaltungen teil, darunter auch hunderte Jugendliche aus Deutschland und Europa.

Am 11. Juli jährt sich der Völkermord von Srebrenica zum 31. Mal. Tausende Menschen werden an der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Memorialfriedhof in Potočari erwartet. Dort werden zehn weitere Opfer beigesetzt.
Die jüngste der nun identifizierten Personen wurde 1975 geboren und war zum Zeitpunkt ihrer Ermordung 20 Jahre alt. Das älteste Opfer wurde 1939 geboren und im Alter von 56 Jahren getötet.
Bis heute wurden tausende Opfer des Genozids identifiziert und auf dem Gedenkfriedhof in Potočari beigesetzt. Dennoch gelten weiterhin zahlreiche Menschen als vermisst. Viele sterbliche Überreste befinden sich noch immer in bislang unentdeckten oder nur teilweise untersuchten Massengräbern.
Die Identifizierung gestaltet sich schwierig, weil die Täter die Leichen nach dem Massaker mehrfach umbetteten und auf verschiedene Massengräber verteilten, um ihre Verbrechen zu verschleiern.
An den diesjährigen Gedenkveranstaltungen nahm auch die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) mit hunderten Jugendlichen aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern sowie der Türkei teil. Sie beteiligten sich am Friedensmarsch „Marš Mira“ und an der Gedenkfeier in Potočari.
Melike aus Frankfurt betonte die Verantwortung der in Europa lebenden Muslime, die Erinnerung an Srebrenica weiterzutragen. „Srebrenica nur aus Büchern zu kennen, reicht nicht aus. Hier zu sein, die Familien der Märtyrer zu sehen und ihren Schmerz mitzuerleben, berührt einen auf ganz andere Weise. Als Pädagogin sehe ich es als meine Aufgabe, diese Erinnerung an Kinder und Jugendliche weiterzugeben“, sagte sie. Geschichte dürfe nicht vergessen werden, denn nur wer aus ihr lerne, könne verhindern, dass sich ähnliche Verbrechen wiederholten.
Auch Tuğra Bayansar aus Belgien zeigte sich tief bewegt während der Gedenkveranstaltung. „Die Gräber von Kindern, Frauen und älteren Menschen zu sehen, erschüttert einen zutiefst. Wir sind hierhergekommen, um unseren bosnischen Geschwistern zu zeigen, dass sie nicht allein sind“, sagte er. Für den Teilnehmer Enes war die Teilnahme am Friedensmarsch eine prägende Erfahrung. „Wir sind nur 35 Kilometer gelaufen. Doch die Menschen mussten diesen Weg mit ihrer gesamten Habe, unter Todesangst und auf der Flucht zurücklegen. Das können wir niemals vollständig nachempfinden. Aber wir stehen als Muslime an ihrer Seite. Wir werden nicht vergessen und nicht vergessen lassen“, erklärte er.
Der Völkermord von Srebrenica gilt als das schwerste Kriegsverbrechen auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Juli 1995 eroberten bosnisch-serbische Truppen die damalige UN-Schutzzone Srebrenica. In den darauffolgenden Tagen wurden mehr als 8.000 muslimische Bosniaken – überwiegend Männer und Jungen – systematisch ermordet. Internationale Gerichte, darunter der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und der Internationale Gerichtshof, stuften die Verbrechen als Völkermord ein.