Marwa El-Sherbini

Muslime fordern mehr Einsatz gegen antimuslimischen Rassismus

Zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli erinnern Muslime an den Mord an Marwa El-Sherbini und sehen den Staat in der Pflicht, konsequenter gegen Islamfeindlichkeit vorzugehen.

01
07
2026
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Gedenkkultur an Marwa El-Sherbini kritisch hinterfragen
Symbolbild: Antimuslimischer Rassismus Kopie

Anlässlich des Tags gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli haben islamische Verbände in Deutschland einen besseren Schutz für Musliminnen und Muslime gefordert. Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) und die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) sehen angesichts steigender Fallzahlen politischen Handlungsbedarf.

Der Gedenktag erinnert an die Ermordung der ägyptischen Pharmazeutin Marwa El-Sherbini, die am 1. Juli 2009 im Dresdner Landgericht aus islamfeindlichen Motiven erstochen wurde.

Die Vorsitzende der IGMG-Frauenorganisation, Aynur Handan Yazıcı, bezeichnete den Mord als „Zäsur“. Er habe auf erschütternde Weise gezeigt, „wohin Hass führen kann, wenn Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihrer sichtbaren muslimischen Identität entmenschlicht werden“. Das Gedenken dürfe deshalb nicht folgenlos bleiben.

Nach Angaben der islamischen Religionsgemeinschaften dokumentierte die CLAIM-Allianz im vergangenen Jahr bundesweit 4.096 antimuslimische Vorfälle. Hinter diesen Zahlen stünden Menschen, die im Alltag beleidigt, bedroht oder angegriffen würden, erklärte die IGMG. Die Vorsitzende der Frauen-Jugendorganisation der IGMG, Zehra Karataş, betonte, antimuslimischer Rassismus betreffe nicht allein Musliminnen und Muslime. „Er richtet sich gegen die Grundwerte einer freien und demokratischen Gesellschaft“, sagte sie.
Deshalb seien Politik, Medien und Zivilgesellschaft gleichermaßen gefordert, jeder Form von Diskriminierung entgegenzutreten.

1. Juli nicht nur ein Gedenktag für Muslime

Auch der DITIB-Bundesverband sieht erheblichen Handlungsbedarf. In einer Stellungnahme erklärte die DITIB, die Bekämpfung antimuslimischen Rassismus erfahre trotz rechtsextremistischer Gewalttaten der vergangenen Jahre noch immer nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Die Politik müsse muslimfeindliche Übergriffe als ernsthafte gesellschaftliche Herausforderung anerkennen und die Empfehlungen des Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit konsequent umsetzen.

Beide islamische Religionsgemeinschaften fordern unter anderem bessere Schutzkonzepte für Moscheen sowie nachhaltige Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus. Der 1. Juli sei nicht nur ein Gedenktag für Muslime, sondern ein Maßstab dafür, wie entschlossen der demokratische Rechtsstaat Menschen vor Hass und Diskriminierung schütze.