Eine aktuelle Umfrage belegt, dass immer mehr Schüler in Schleswig-Holstein Kontakt zu Rechtsextremismus haben. Auch abwertende Einstellungen gegenüber Minderheiten nehmen zu.

Unter Jugendlichen in Schleswig-Holstein steigt die Zustimmung zu rechtsautoritären Diktaturvorstellungen. Gleichzeitig nimmt der Kontakt zu rechtsextremen Szenen und Inhalten spürbar zu. Das sind Kernaussagen einer Studie zum Rechtsextremismus, die das Landesdemokratiezentrum gemeinsam mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in Kiel vorgestellt hat.
Grundlage der Untersuchung ist eine breit angelegte Befragung von mehr als 4.600 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 7 und 9 an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in Schleswig-Holstein von November 2024 bis zum Januar 2026. Die übergeordnete Fragestellung lautete: Wie blicken Jugendliche in Schleswig-Holstein auf Demokratie, Vielfalt und das gesellschaftliche Miteinander?
Bei einer Befragung im Jahr 2018 habe der Kontakt von Jugendlichen zu rechtsextremen Szenen und Inhalten noch bei 36,1 Prozent gelegen. Im Jahr 2025 berichteten bereits 57,6 Prozent der Jugendlichen von entsprechenden Erfahrungen. Ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild unter Jugendlichen hätten 3,5 Prozent der Befragten – dieser Wert habe sich seit 2018 nicht verändert.
Die Schülerinnen und Schüler sollten unter anderem einer ganzen Reihe von bestimmten Aussagen zustimmen oder diese ablehnen. Ein Beispiel: „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die das deutsche Volk insgesamt verkörpert.“ Dieser Aussage hätten 35,5 Prozent der Befragten zugestimmt, so die Studie.
Abwertende Einstellungen gegenüber arbeitslosen, obdachlosen und homosexuellen Menschen sowie gegenüber Menschen mit Behinderung hätten zugenommen, so die Verfasser der Studie. Auffällig sei die Zunahme von diskriminierenden Verhaltensweisen. 23,1 Prozent der Jugendlichen geben demnach an, selbst bereits andere beleidigt, Sachen beschädigt oder körperlich angegriffen zu haben. 2018 lag dieser Wert bei 14,3 Prozent.
Gleichzeitig berichten mehr Jugendliche auch von eigenen Diskriminierungserfahrungen. Mehr als zehn Prozent der Befragten geben an, aufgrund von Nationalität, Herkunft, Sprache oder Hautfarbe benachteiligt worden zu sein.
Insgesamt erklären 25,4 Prozent, mindestens eine Form gruppenbezogener Diskriminierung erlebt zu haben. Das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber 2018, damals waren es 12,6 Prozent. Dabei räumen die Verfasser der Studie ein, dass ein Teil der Anstiege durch eine höhere Sensibilität für die Thematik erklärt werden könne.
„Die aktuellen Ergebnisse sind alarmierend. Sie zeigen deutlich, dass sich etwas in unserer Gesellschaft verschiebt“, sagt Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU). „Wir müssen frühzeitig hinschauen, zuhören und gezielt gegensteuern, wo sich menschenfeindliche Haltungen verfestigen.“ Die Studie liefere dafür eine belastbare Grundlage und helfe, Maßnahmen gegen Rechtsextremismus gezielt weiterzuentwickeln.
Präventionsarbeit spiele dabei eine zentrale Rolle. Trotzdem sei es eine Aufgabe, die nur alle gemeinsam bewältigen können. „Mit politischer Bildung, Unterstützung von Schulen und Lehrkräften und der Förderung einer aktiven Zivilgesellschaft können und müssen wir den Entwicklungen entgegenwirken“, erklärt die Ministerin. Und je früher man ansetze, desto besser könne man demokratische Werte stärken und Ausgrenzung wirksam entgegenwirken. (dpa, iQ)