Die Anzeige nach dem Weltrechtsprinzip wurde nur zwei Tage nach General Min Aung Hlaings Wahl zum Präsidenten von Myanmar gestellt. Bereits im Februar klagte Osttimor gegen die Regierung des südostasiatischen Landes.

Vertreter der Volksgruppe der Rohingya und Menschenrechtler haben in Indonesien Strafanzeige gegen Myanmars neuen Präsidenten General Min Aung Hlaing gestellt. Sie werfen dem ehemaligen Oberkommandierenden der Armee Völkermord an den muslimischen Rohingya vor.
Die Anzeige sei unter anderen von der Rohingya Yasmin Ullah, dem ehemaligen indonesischen Generalstaatsanwalt Marzuki Darusman und Haedar Nashir, Vorsitzender der islamischen Muhammadiyah, gestellt worden, berichteten indonesische Medien am Montag. Sie ist mit rund 30 Millionen Mitgliedern eine der größten muslimischen Massenorganisationen Indonesiens.
Die Staatsanwaltschaft habe die Anzeige auf Basis des Weltrechtsprinzips angenommen, hieß es. Unter dem damaligen Oberkommandierenden Min Aung Hlaing vertrieben Myanmars Streitkräfte 2017 gewaltsam mehr als 700.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch.
Nach dem Weltrechtsprinzip ist nationales Strafrecht auch auf Delikte anwendbar, die nach dem Völkerrecht strafbar sind. Das Land, in dem die Klage erhoben wird, muss keinen spezifischen Bezug zu dem Land haben, in dem die mutmaßliche Straftat begangen wurde. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt und eines der Zielländer für Bootsflüchtlinge der Rohingya aus Myanmar.
Im Februar 2026 hatte das katholische Osttimor nach dem Weltrechtsprinzip ein Gerichtsverfahren gegen die Militärjunta Myanmars und General Min Aung Hlaing wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet. Den Strafantrag hatte die „Chin Human Rights Organisation“ in Dili eingereicht. Die Chin sind das einzige mehrheitlich christliche Volk Myanmars.
Im Januar 2026 begann vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag der Prozess wegen Völkermords an den Rohingya gegen Myanmar. Als Kläger tritt der von der Organisation für Islamische Zusammenarbeit unterstützte afrikanische islamische Staat Gambia auf. (KNA/iQ)