Rostock

Uniklinik feuert Oberarzt nach rassistischen Aussagen

Ein Arzt der Unimedizin Rostock wird nach rassistischen Online-Posts freigestellt. Die Klinik prüft weitere Schritte und hat Strafanzeige gestellt.

30
08
2026
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Praxis
Symbolbild: Arztpraxis © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Gegen einen Oberarzt der Universitätsmedizin Rostock sind nach öffentlich gewordenen rassistischen und gewaltverherrlichenden Äußerungen mehrere Strafanzeigen eingegangen. Die Staatsanwaltschaft Rostock bestätigte dem NDR, dass unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt wird. Der Fall wurde inzwischen an die Polizei übergeben.

Die Universitätsmedizin Rostock reagierte nach eigenen Angaben unmittelbar auf die Vorwürfe. Der betroffene Arzt wurde mit sofortiger Wirkung von seiner Tätigkeit freigestellt. Nach Angaben der Klinik bestätigte er gegenüber dem Vorstand mündlich, Urheber der fraglichen Beiträge zu sein. Die UMR prüft weitere arbeits- und strafrechtliche Konsequenzen.

Rassistische und gewaltverherrlichende Aussagen

Öffentlich gemacht wurden die Vorwürfe durch die Initiative „Hogesatzbau“ („Hooligans gegen Satzbau“). Die Initiative veröffentlichte Beiträge, die dem Oberarzt zugeschrieben werden. Darin soll unter anderem über Migranten geschrieben worden sein, man wolle sie „remigrieren oder kremieren“. In einem weiteren Beitrag sollen Menschen als „Heizmasse“ bezeichnet und in „Lager“ gewünscht worden sein.

Die Universitätsmedizin selbst nennt in ihrer Stellungnahme keine konkreten Zitate. Nach Angaben der Initiative ließ sich das betreffende Social-Media-Profil dem Mediziner eindeutig zuordnen. Unter anderem seien dort Bilder des Arztes sowie ein persönlich an ihn gerichteter Brief veröffentlicht worden.

Scharfe Kritik aus Politik und Medizin

Der Migrantenrat Rostock verurteilt die bekannt gewordenen Äußerungen scharf. Rassismus und Menschenfeindlichkeit dürften weder relativiert noch als bloße Provokation abgetan werden. Gerade im Gesundheitswesen müsse gewährleistet sein, dass Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Staatsangehörigkeit respektvoll behandelt werden.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) bezeichnete die Äußerungen als „zutiefst menschenverachtend und absolut inakzeptabel“. Sie forderte Konsequenzen und eine Prüfung strafrechtlicher Schritte.

Die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern erklärte ebenfalls, rassistische und menschenverachtende Aussagen seien mit der ärztlichen Ethik und dem ärztlichen Selbstverständnis unvereinbar. Nach Angaben der Kammer hat der Mediziner die Vorwürfe bestätigt. Sie prüft mögliche berufsrechtliche Konsequenzen.

Klinik betont Schutz der Patienten

Die Universitätsmedizin Rostock stellt klar, dass Gewaltbilligung und menschenfeindliche Äußerungen nicht mit den Grundsätzen der Klinik vereinbar seien. Alle Patientinnen und Patienten müssten unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Identität oder Weltanschauung dieselbe Behandlung und Zuwendung erhalten.

Zugleich weist die UMR darauf hin, dass der Oberarzt bereits seit mehreren Jahren keinen medizinischen Kontakt mehr zu Patientinnen und Patienten gehabt habe. Beschäftigte und Patienten, die sich durch die Äußerungen betroffen fühlen oder im Zusammenhang mit dem Mediziner Diskriminierung erlebt oder beobachtet haben, können sich vertraulich an die Klinik wenden.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung dauern an. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt für den Beschuldigten die Unschuldsvermutung.