Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen mutmaßlichen Rechtsextremisten, der Jugendliche online zu schweren Straftaten angestiftet haben soll.

Er soll über Chats einen minderjährigen Jungen in Russland dazu gebracht haben, an einer Schule ein Kind mit einem Messer zu töten. Jugendliche in den USA und Schweden soll er zu Brandstiftungen bewegt haben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen 19-Jährigen aus dem Raum Trier, der bereits als Jugendlicher und Heranwachsender Mitglied einer terroristischen und einer kriminellen Vereinigung gewesen sein soll.
Nach Angaben der Karlsruher Behörde soll der Beschuldigte jeweils als mutmaßlicher Rädelsführer Menschen zu Straftaten angestiftet haben. Er wurde am 17. März festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz übernommen.
Die Vorwürfe gegen den jungen Mann sind umfangreich. Spätestens Ende März 2024 soll er eine Vereinigung gegründet haben, die von einer rechtsextremen Ideologie geprägt gewesen sei. Ziel sei es gewesen, besonders schwere Straftaten wie Mord und Totschlag zu begehen oder dazu aufzurufen, um einen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung herbeizuführen.
Bild- und Videomaterial von Gewalttaten soll dabei gezielt in Chatgruppen verbreitet worden sein, um für die Vereinigung und mögliche künftige Anschläge zu werben.
Die Bundesanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Anstiftung zum Mord, mehrfacher Brandstiftung, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs eines Kindes, der bandenmäßigen Verbreitung kinderpornografischer Inhalte, öffentlicher Aufforderung zu Straftaten, Billigung von Straftaten und Gewaltdarstellungen.
Konkret nennt die Behörde Fälle in Russland, den USA und der Schweiz. Außerdem soll der Beschuldigte in einer Chatgruppe zur Tötung eines US-Bürgers aufgerufen haben.
Die Bundesanwaltschaft sieht die mutmaßlichen Gruppierungen in Verbindung mit der sogenannten COM-Szene, die sich in den vergangenen Jahren vor allem im Internet entwickelt habe. Mitglieder dieser Szene sollen gezielt soziale Medien und Gaming-Plattformen nutzen, um sehr junge, häufig weibliche Personen zu finden und sie durch Manipulation und Zwang zu erniedrigenden Handlungen, Selbstverletzungen oder sogar zum Suizid zu drängen.
Im aktuellen Fall besteht zudem der Verdacht, dass der Beschuldigte über das Internet mit einem Kind im europäischen Ausland Kontakt aufgenommen und dieses zu sexuellen Handlungen mit einem Messer an sich selbst gebracht haben soll. Das Kind soll dabei schwere Verletzungen erlitten haben. Von einigen Taten soll der Beschuldigte Videozusammenschnitte im Internet verbreitet haben.
Der Fall erinnert an ein Verfahren, das derzeit vor dem Landgericht Hamburg verhandelt wird. Dort steht ein unter dem Namen „White Tiger“ bekannter mutmaßlicher Pädokrimineller vor Gericht. Laut Anklage soll er mehr als 200 Straftaten über das Internet begangen haben und Kopf des internationalen Sadisten-Netzwerks „764“ gewesen sein.
Auch dort soll es darum gegangen sein, gezielt psychisch vulnerable Kinder und Jugendliche im Internet zu suchen, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie anschließend zu missbrauchen und zu schweren Handlungen zu drängen. (dpa/iQ)