Rassismus im Gesundheitswesen

Wenn Herkunft über Behandlung entscheidet

Eine neue Studie zeigt: Rassismus im deutschen Gesundheitswesen ist kein Randphänomen. Für Betroffene kann er schwerwiegende Folgen haben – bis hin zu Fehldiagnosen und wachsendem Misstrauen gegenüber Ärzten.

08
04
2026
Muslimische Frau im Krankenzimmer © shutterstock, bearbeitet by iQ.
Muslimische Frau im Krankenzimmer © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Rassistische Erfahrungen im deutschen Gesundheitswesen sind verbreiteter als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Witten/Herdecke, die erstmals systematisch ausgewertet hat, wie Betroffene Diskriminierung in der medizinischen Versorgung erleben.

Die Forschenden analysierten rund 800 Online-Berichte auf Plattformen wie jameda, klinikbewertungen.de sowie in sozialen Medien. Das Ergebnis ist eindeutig: Rassismus ist kein Einzelfall. Viele Patientinnen und Patienten berichten, dass ihre Beschwerden nicht ernst genommen oder falsch eingeschätzt wurden. Besonders häufig nennen sie Benachteiligungen aufgrund von Sprache und Herkunft.

Verständigungsprobleme hätten in einigen Fällen dazu geführt, dass Symptome missinterpretiert wurden – mit direkten Folgen für Diagnose und Therapie. Zudem schildern Betroffene, dass stereotype Annahmen ärztliche Entscheidungen beeinflusst hätten. Auch fehlende kulturelle Sensibilität im Umgang mit Patienten wird wiederholt kritisiert.

Auffällig ist die emotionale Intensität der Berichte. Obwohl das Thema insgesamt seltener diskutiert werde als etwa Krebs oder Pandemien, seien die einzelnen Schilderungen oft besonders detailliert, heißt es in der Studie. „Die Menschen berichten so ausführlich, weil sie sonst kaum Gehör finden“, sagt die Mitautorin Tuğba Aksakal. Zugleich zeigten die Erfahrungen, wie stark Diskriminierung das Vertrauen in das Gesundheitssystem erschüttern könne.

Die Untersuchung verweist zudem auf strukturelle Defizite. Fehlende Dolmetschangebote, ausschließlich deutschsprachige Formulare und geringe Diversität im Personal könnten Benachteiligungen verstärken. Die Forschenden fordern daher verpflichtende Trainings zu interkultureller Kompetenz, klare Antidiskriminierungsrichtlinien und mehr Vielfalt in Führungspositionen. Nur so lasse sich langfristig eine gerechtere Gesundheitsversorgung gewährleisten.

Leserkommentare

Marco Polo sagt:
Mehr Vielfalt in Führungspositionen wird hier gefordert. Sollen etwa auch Muslimas in Burkas in den Führungspositionen tätig werden, damit sich erzkonservative Islamanhänger besser repräsentiert fühlen können? Sollen Formulare in hundert Fremdsprachen ausgedruckt und zur Verfügung gestellt werden? Und sollen dann in Kliniken für jede Fremdsprache kostspielige Dolmetscher (m/w/d) ständig zur Verfügung stehen? Sollen auch immer weibliche Mediziner & Ärzte ausgewählt werden können, weil muslimisch Gläubige es ablehnen, dass Frauen von männlichen Ärzten untersucht und behandelt werden, auch wenn gerade sonst niemand für Notfallbehandlungen schnell erreichbar ist? Wenn Personen aus fremden Kulturkreisen und Ländern in Deutschland aufgenommen werden und diese sich nicht in deutscher Sprache verständigen können, dann gibt es natürlich Probleme, wenn diese Personen in Arztpraxen oder Kliniken vorstellig werden. Wertgeschätzt werden sollte aber schon das Angebot des deutschen Gesundheitswesens. Großzügig und nicht selbstverständlich finde ich es, wenn z.B. ein Familienvater aus Nairobi oder Mekka hier einen Nebenjob hat und dafür 600,- € im Monat als Bruttogehalt bekommt...und dass gleichzeitig auch seine Ehefrau und fünf Kinder krankenversichert sind. Das Foto oben zeigt ein Krankenzimmer mit einer Islamgläubigen in muslimischer Kopf-Hals-Verhüllung im Bett liegend - ganz in Schwarz. Könnte man zur besseren und stimmigeren Farbgestaltung nicht auch die Bettwäsche und das Bettgestell schwarz anbieten?
09.04.26
0:49