Kleve

Streit um das Fasten an Gesamtschule sorgt für Diskussionen

An einer Gesamtschule in Kleve geraten muslimische und nichtmuslimische Kinder wegen des Ramadans in Streit. Auch die Schulleitung steht in der Kritik. Muslime warnen vor Pauschalurteilen.

12
03
2026
Kopftuchverbot, Schulen
Eine leere Klasse © shutterstock, bearbeitet by iQ

Ein Konflikt über das Fasten im muslimischen Monat Ramadan an der Joseph-Beuys-Gesamtschule sorgt derzeit für bundesweite Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt steht der Umgang von muslimischen und nichtmuslimischen Schülerinnen und Schülern.

Auslöser der Debatte sind Berichte über Auseinandersetzungen während der Pausen. Unter Berufung auf Gruppenchats zwischen Eltern und Lehrern berichtete die Bild, dass fastende Schülerinnen und Schüler von anderen Kindern teilweise provoziert worden seien. Gleichzeitig sollen einige fastende Schüler ihre Mitschüler aufgefordert haben, ihr Pausenbrot wegzuwerfen.

Eine Lehrerin habe darauf reagiert, indem sie beide Gruppen aufforderte, sich jeweils wegzudrehen, damit weder die fastenden noch die essenden Kinder durch die jeweils andere Gruppe gestört würden. Nach Angaben von Rheinische Post war das Thema bereits zuvor im Klassenrat besprochen worden. Dort sei vereinbart worden, dass einige Kinder fasten, andere jedoch selbstverständlich frühstücken dürfen.

Zwei Mütter schilderten dennoch, ihre Töchter seien beim Essen von fastenden Mitschülern unter Druck gesetzt ebenfalls zu fasten und ihr Pausenbrot wegzuwerfen. Die beiden Frauen machten den Konflikt anschließend öffentlich.

Ministerium will Vorfall aufklären

Die Schule reagierte mit einer Stellungnahme in sozialen Netzwerken. Darin betont die Schulleitung, dass ein respektvoller Umgang ein zentraler Wert des Schullebens sei. Mobbing habe keinen Platz an der Schule. Nach interner Prüfung gebe es bislang keine Hinweise auf ein strukturelles Problem. Gleichzeitig kündigte die Schule an, die Hintergründe weiter aufzuarbeiten, um Unruhe in der Schulgemeinschaft zu vermeiden.

Inzwischen befassen sich auch Behörden mit dem Vorfall. Das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen erklärte, man nehme die geschilderten Vorwürfe ernst. Ein respektvolles Miteinander sei Grundlage des Schullebens. Auch die Bezirksregierung Düsseldorf kündigte an, den Sachverhalt zu prüfen.

Probleme nicht pauschalisieren

Eine differenzierte Einordnung fordert Ali Mete, Sprecher des Koordinationsrat der Muslime. Er betont, dass Druck oder Ausgrenzung wegen des Essens, Trinkens oder Fastens nicht hinnehmbar seien. „Der Ramadan ist eine Zeit der Besinnung, der Selbstdisziplin und der Rücksichtnahme“, erklärt Mete. Fasten sei eine persönliche religiöse Praxis und dürfe nicht dazu genutzt werden, andere unter Druck zu setzen. Wer Mitschüler wegen ihres Essens ausgrenze oder beschäme, handle gerade nicht im Sinne dieses Monats, so Mete.

Zugleich warnt er vor vorschnellen Verallgemeinerungen. Wo es konkrete Konflikte gebe, müssten diese klar benannt werden. Schulen sollten sollten solche Fälle als Anlass nehmen, das respektvolle Miteinander an der Schule, im Sinne Ihres pädagogischen Auftrags, zu diskutieren und einzuüben. „Pädagogische Zurückhaltung darf nicht dazu führen, dass Betroffene mit dem Problem allein gelassen werden“, erklärt Mete weiter. Pauschale Urteile über muslimische Schülerinnen und Schüler oder Schulen mit vielen muslimischen Kindern lehnt der KRM-Sprecher jedoch ab. Entscheidend sei, dass Schule, Elternhaus und Gemeinschaft gemeinsam vermitteln: Respekt und Verantwortung gehören zum Glauben ebenso wie zum Zusammenleben.

Leserkommentare

Marco Polo sagt:
Der muslimische Koordinationsrat-Sprecher will natürlich die gesamte Problematik weichspülen und herunterspielen. Er sollte sich lieber - wie viele andere auch - über eine neue Islamismus-Studie entsetzen, die der FDP-Vize Wolfgang Kubicki ganz aktuell wörtlich "eine gesellschaftliche Zeitbombe" bezeichnete. Die Bild-Redaktion berichtete gestern: "Religiöser Extremismus für fast jeden 2. jungen Muslim in Deutschland attraktiv...Das heißt: Sie fühlen sich zum Islamismus hingezogen, wollen Scharia statt Grundgesetz und haben antisemitische Vorurteile." Kubicki fordert ein Kopftuch-Verbot im Staatsdienst sowie an Schulen für Kinder unter 14 Jahren. Sachsens Innenminister Armin Schuster erklärte: "Unser Grundgesetz und unser Strafrecht kennen keine Scharia." Mein Fazit: 'Welcome Islam' wäre somit vor diesem Hintergrund ein völlig falsches Signal. Einem Ramadan-Zoff an Schulen müssen die Schulbehörden entschieden und robust eine klare Abfuhr erteilen.
13.03.26
3:34
grege sagt:
der Vorfall an der Joseph‑Beuys‑Gesamtschule in Kleve ist keine Ausnahme, sondern steht exemplarisch für ein Problem, das wir zu oft sprachlich entschärfen, statt es klar zu benennen. Nach übereinstimmenden Berichten kam es dort während des Ramadan zu sozialem Druck auf nicht fastende Kinder bis hin zur Aufforderung, Pausenbrote zu entsorgen; die pädagogische Reaktion („wegdrehen“) setzte faktisch den falschen Anreiz – nicht für Freiheit, sondern für Normdurchsetzung durch Druck. Schulaufsicht und Ministerium mussten einschreiten und betonen, dass niemand an Schulen religiösen Vorschriften zu folgen hat. Das ist richtig – und leider bezeichnend. [bpb.de], [aktuell.un...elefeld.de] Wer hier von einem „Einzelfall“ spricht, ignoriert die aktuelle Datenlage. Der MOTRA‑Monitor (Forschungsverbund um die BKA‑Forschungsstelle) weist für Muslime unter 40 Jahren aus: 11,5 % zeigen manifeste islamistische Einstellungen, weitere 33,6 % sind latent islamismusaffin – zusammen 45,1 %. Diese Offenheit für islamistische Positionen ist seit 2021 deutlich gestiegen und wird von der Forschung als ernstes Risiko für Integration und Sicherheit bewertet. Das Problem ist damit empirisch nachgewiesen – und es reicht bis in den Alltag. [motra.info], [rundumdeutschland.de] Umso irritierender ist, dass Teile der organisierten Vertretungen, etwa in Stellungnahmen wie der von Ali Mete, zwar das konkrete Fehlverhalten verurteilen, im selben Atemzug aber vor „Pauschalurteilen“ warnen. Das klingt versöhnlich, verlagert aber die Debatte von der Sachebene (religiöser Zwang ist unzulässig) auf eine Sprach‑ und Sensibilitätsebene – und schwächt so die dringend nötige Grenzziehung im Schulalltag. Gerade hier braucht es Klartext: Keine religiöse Norm darf im öffentlichen Raum – erst recht nicht gegenüber Kindern – verbindlich durchgesetzt werden. [fes.de] Der übliche Verweis, man solle „nicht pauschalisieren“, wirkt in dieser Konstellation wie ein Ablenkungsmanöver. Nach rechtsextremen Vorfällen fordert auch niemand ernsthaft, „nicht alle Biodeutschen über einen Kamm zu scheren“ – weil die Strukturanalyse einer Problemlage keine Kollektivschuld behauptet. Genauso muss man heute sagen dürfen: Islamistische Einstellungen sind in bestimmten Milieus statistisch signifikant verbreitet – ohne damit alle Muslime zu diskreditieren. Wer das nicht aushält, erschwert Prävention und entlastet Extremisten. [motra.info] Mein Fazit: Klarheit statt Wegdrehen: Schulen brauchen null Toleranz für religiösen Zwang und eine konsequente Durchsetzung der Freiheit auch der Nicht‑Fastenden. [aktuell.un...elefeld.de] Daten statt Beschwichtigung: Die MOTRA‑Ergebnisse müssen zur Grundlage von Prävention, Fortbildung und Elternkommunikation werden. [motra.info] Verantwortung der Verbände: Distanzierungen sind gut – Relativierungen helfen niemandem. Es braucht klare Worte gegen jede Form islamistischer Normdurchsetzung im Alltag. [fes.de] Wer Kinder schützt, schützt die offene Gesellschaft – durch Klarheit, nicht durch sprachliche Watte.
13.03.26
16:12
Beate sagt:
Ein friedliches Miteinander kann gelingen, wenn man aufeinander zugeht und Verständnis füreinander entwickelt. Ich bin selbst Lehrerin an einer Schule, an der viele Kinder zur Zeit fasten. Ich habe das Thema Ramadan zu Beginn der Fastenzeit im Unterricht aufgegriffen. Die Kinder haben sich in Paaren oder Gruppen zusammen gefunden und Interviews mit jeweils einem fastenden Kind geführt. Dabei ging es sowohl um die eigenen Strategien, um das Fasten gut durchzuhalten als auch um die persönlichen Erlebnisse mit der Familie und die religiöse Erfahrung. Die Stunde ist gut angekommen und ich habe den Eindruck, dass das Verständnis für die fastenden Kinder gewachsen ist. Ich habe selbst keine Anfeindungen wegen des Themas erlebt. Wir haben sogar zwei orthodoxe Kinder, die mitfasten, nach anderen Regeln.
16.03.26
16:29