Rund ein Drittel der jungen Wählerinnen und Wähler entschied sich bei der Landtagswahl für AfD oder Linke. Besonders auffällig ist der starke Zuwachs beider Parteien unter den 18- bis 24-Jährigen im Vergleich zu 2021.

Die Ergebnisse der Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigen eine auffällige Entwicklung bei jungen Wählerinnen und Wählern. Besonders in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen zeichnet sich eine deutliche Verschiebung hin zu Parteien am politischen Rand ab. Nahezu jede dritte junge Person entschied sich bei dieser Wahl für eine der beiden Parteien AfD oder Linke. Insgesamt gab etwa ein Drittel der Jungwählerinnen und Jungwähler seine Stimme entweder der AfD oder der Linken.
Im Vergleich zur gesamten Wählerschaft zeigt sich damit ein deutlich anderes Wahlverhalten. Während die CDU im Gesamtergebnis eine zentrale Rolle spielt, entschieden sich unter jungen Menschen deutlich weniger Wählerinnen und Wähler für sie. Gleichzeitig erhielt die Linke in dieser Altersgruppe deutlich mehr Unterstützung als im Durchschnitt der Wählerschaft. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass sich politische Präferenzen zwischen jüngeren und älteren Generationen zunehmend auseinanderentwickeln.
Erstmals konnten bei dieser Wahl auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Die Absenkung des Wahlalters erweitert den Kreis der Erstwählerinnen und Erstwähler und verändert damit auch die Zusammensetzung der jungen Wählerschaft. Politikwissenschaftlerinnen und Wahlforscher beobachten solche Veränderungen besonders aufmerksam, weil sie Hinweise darauf geben können, wie sich politische Einstellungen langfristig entwickeln.
Ein Vergleich mit der Landtagswahl 2021 macht deutlich, wie stark sich das Wahlverhalten junger Menschen innerhalb weniger Jahre verschoben hat. Damals entschieden sich laut Infratest dimap lediglich 6 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für die AfD. Inzwischen hat sich dieser Anteil in dieser Altersgruppe nahezu verdreifacht.
Auch die Linke konnte bei jungen Wählerinnen und Wählern deutlich zulegen: Während sie 2021 lediglich 8 Prozent der Stimmen aus dieser Altersgruppe erhielt, liegt ihre Zustimmung inzwischen deutlich höher. Andere Parteien, die in der Vergangenheit unter jungen Menschen besonders stark waren, verloren hingegen an Unterstützung. So erreichte die FDP bei der Landtagswahl 2021 noch rund 15 Prozent der Stimmen unter den 18- bis 24-Jährigen. Auch die Grünen, die damals mit rund 31 Prozent stärkste Kraft unter jungen Wählerinnen und Wählern waren, sowie die CDU mit 16 Prozent und die SPD mit 9 Prozent verzeichnen in dieser Altersgruppe Rückgänge.
Diese Entwicklung zeigt, dass sich politische Bindungen bei jungen Menschen derzeit stark verändern. Während Parteien der politischen Mitte an Unterstützung verlieren, gewinnen sowohl linke als auch rechte Oppositionsparteien an Zuspruch. Wahlforscher interpretieren dies häufig als Ausdruck von Unzufriedenheit mit etablierten Parteien, aber auch als Zeichen dafür, dass junge Menschen stärker nach politischen Alternativen suchen.
Parallel zu diesen Entwicklungen erzielte die AfD bei der Landtagswahl insgesamt ein historisch starkes Ergebnis. Mit 18,8 Prozent der Zweitstimmen erreichte sie ihr bislang bestes Resultat bei einer Landtagswahl in Westdeutschland. Trotz dieses Erfolgs gilt es jedoch als wahrscheinlich, dass die Partei weiterhin in der Opposition bleiben wird, da andere Parteien eine Zusammenarbeit weiterhin ausschließen.