Migration

AfD verschärft Kurs: Einbürgerung nur bei „Nützlichkeit“

Einbürgerung nur für „Nützliche“: Mit neuen Forderungen macht die AfD deutlich, dass sie Zugehörigkeit als Auslese versteht – nicht als demokratisches Recht.

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2026
Symbolbild: Einbürgerung © shutterstock, bearbeitet by iQ
Symbolbild: Einbürgerung © shutterstock, bearbeitet by iQ

Die AfD treibt ihre migrations- und gesellschaftspolitische Radikalisierung weiter voran. Sechs Wochen vor der Kommunalwahl präsentiert die bayerische Landtagsfraktion Positionen, die nicht nur sozial selektiv, sondern auch demokratisch hochproblematisch sind.

Auf einer Fraktionsklausur in Oberbayern erklärte AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner, Einbürgerungen sollten künftig an die „Nützlichkeit“ für Staat und Volkswirtschaft geknüpft werden. Der deutsche Pass solle nur noch an Menschen vergeben werden, die aus Sicht der AfD einen wirtschaftlich messbaren Mehrwert liefern. Integration wird damit nicht als gesellschaftlicher Prozess verstanden, sondern auf ökonomische Verwertbarkeit reduziert.

Besonders deutlich wird diese Logik in Ebner-Steiners Abwertung ganzer Berufsgruppen. Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, sieht sie explizit nicht als ausreichend für eine Einbürgerung an. Stattdessen fordert sie, künftige Staatsbürger müssten „einen großen Beitrag zum wirtschaftlichen Fortbestehen unseres Landes“ leisten, idealerweise Kapital mitbringen und investieren. Damit stellt die AfD das im Grundgesetz verankerte Verständnis von Gleichwertigkeit von Menschen offen infrage und ersetzt es durch ein Klassenmodell der Staatsbürgerschaft.

Dabei verschweigt die AfD, dass das geltende Einbürgerungsrecht bereits klare Anforderungen stellt: Wer eingebürgert werden will, muss seinen Lebensunterhalt sichern, die Rechtsordnung anerkennen und weitere Voraussetzungen erfüllen. Die Forderungen der AfD gehen darüber hinaus und zielen auf eine soziale Auslese, die mit dem Gleichheitsgrundsatz kaum vereinbar ist.

Grundrechtseinschränkungen für Asylsuchende

Parallel dazu fordert die Partei massive Grundrechtseinschränkungen für Asylsuchende. Die bayerische AfD verlangt eine abendliche Ausgangssperre für Asylbewerber und die konsequente Durchsetzung der Residenzpflicht. Begründet wird dies pauschal mit einer angeblichen Steigerung der öffentlichen Sicherheit – ohne belastbare Belege, aber mit dem bekannten Muster der kollektiven Verdächtigung einer ohnehin vulnerablen Gruppe.

Auch in der Abschiebepolitik setzt die AfD auf Eskalation. Ebner-Steiner spricht von „Remigration“ und fordert die Überprüfung sämtlicher Aufenthaltstitel und Einbürgerungen. Abschiebungen sollen künftig sogar von privaten Unternehmen durchgeführt werden. Zusätzlich will die AfD eine spezielle „Asylfahndungs- und Abschiebegruppe“ bei der bayerischen Polizei einrichten – ausdrücklich mit Anlehnung an die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE. Kritiker sehen darin eine weitere Militarisierung der Migrationspolitik und eine gefährliche Verschiebung staatlicher Gewaltbefugnisse.

Bemerkenswert ist zudem, dass die AfD trotz ihrer Forderung nach massiven Einschnitten im Staatsapparat keinerlei belastbare Konzepte vorlegt. Drei Ministerien – Wissenschaft und Kunst, Digitales sowie Umwelt und Verbraucherschutz – sollen abgeschafft werden. Welche Institutionen deren Aufgaben künftig übernehmen sollen, ließ Ebner-Steiner offen. Die angekündigten Einsparungen sollen über Steuersenkungen an Bürger und Unternehmen weitergegeben werden – ein klassisches Umverteilungsversprechen ohne erkennbare Finanzierungsgrundlage.

AfD fordert Zugang zu Regelschulen nur nach Sprachprüfung

Auch in der Bildungspolitik setzt die AfD auf Ausgrenzung. Kinder mit Migrationshintergrund sollen Regelschulen erst nach Bestehen einer Deutschprüfung besuchen dürfen. Für alle anderen ist ein separater „Übergangsschulzweig“ vorgesehen. Kritiker warnen, dass dies faktisch zu einer institutionellen Segregation führen würde und Bildungschancen entlang von Herkunftslinien zementiert.

Die bayerische AfD, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, präsentiert damit ein Programm, das nicht auf Integration, Teilhabe oder soziale Gerechtigkeit zielt, sondern auf Selektion, Kontrolle und Ausgrenzung. Der Begriff der Demokratie wird dabei zunehmend durch ein autoritäres Staats- und Gesellschaftsbild ersetzt, in dem Rechte nicht mehr universell gelten, sondern verdient werden müssen. (dpa/iQ)

Leserkommentare

grege sagt:
IslamiQ verurteilt , dass Einbürgerung an ökonomische „Nützlichkeit“ geknüpft werden soll, dass Ausgangssperren für Asylsuchende gefordert werden, dass eine „Asylfahndungs- und Abschiebegruppe“ eingerichtet werden solle und dass pauschal verdächtigt wird – solche Konzepte beschädigen Grundrechte und Gleichheitsprinzip. [zitatsuchm...-berlin.de] Wenn IslamiQ jedoch den Anspruch erhebt, Freiheit und Menschenwürde zu verteidigen, müssen dieselben Maßstäbe auch im eigenen Umfeld gelten: IslamiQ wird laut Impressum von der PLURAL Publications GmbH verantwortet; der hauseigene Plural‑Shop benennt selbst den IGMG‑Bezug seines Umfelds. Die IGMG wiederum pflegt bis heute das Gedenken an ihren Gründer Necmettin Erbakan, dessen Werk nach Einschätzung des Verfassungsschutzes Baden‑Württemberg von antisemitischen Narrativen und antiwestlichen, antipluralistischen Elementen durchzogen ist; eine eindeutige Distanzierung der IGMG‑Führung hiervon „ist bis heute nicht erfolgt“. [welt.de], [islaminstitut.de] [pluralshop.eu] Erbakan‑Positionen: Ein Interview Erbakans in der WELT (07.11.2010) zeigt seine Fixierung auf eine „zionistische Weltordnung“ und eine angeblich „zionistische Wirtschaftsordnung“ – klassische Motive antisemitischer Verschwörungsrhetorik. Weitere Dokumentationen fassen seine Weltverschwörungserzählung zusammen (u. a. die vielfach zitierte Aussage, „seit 5700 Jahren regieren Juden die Welt“). Wer in Deutschland – zu Recht – AfD‑Rhetorik kritisiert, muss gleichzeitig die eigene Traditionslinie kritisch aufarbeiten und sich klar von solchen Positionen lösen. [welt.de] [heute.at], [swissinfo.ch] Während IslamiQ die AfD wegen Forderungen nach restriktiver Asyl‑ und Abschiebepolitik angreift, bleibt es gegenüber Ankaras Praxis auffallend leise. Präsident Erdoğan bewirbt seit Jahren die Rückführung von bis zu einer Million Syrer*innen in türkisch kontrollierte „Schutzzonen“ und verweist auf Hunderttausende Rückkehrende. Zugleich dokumentieren internationale Recherchen Zwangsabschiebungen, Misshandlungen und verweigerte medizinische Versorgung in türkischen Abschiebeeinrichtungen – teils mit EU‑mitfinanzierter Infrastruktur. Wer hierzulande gegen AfD‑Härte auftritt, sollte ebenso deutlich diese Zustände verurteilen. [religionsf...nbremen.de] [verfassung...hutz-bw.de] Fazit: IslamiQ fordert im genannten Artikel menschenwürdige, rechtsstaatliche Maßstäbe – zu Recht. Glaubwürdig ist das aber nur, wenn man a) das antisemitische Erbe des IGMG‑Gründers Erbakan klar benennt und sich unmissverständlich davon distanziert, und b) Ankaras Rückführungs‑/Abschiebepolitik mit derselben Deutlichkeit kritisiert wie AfD‑Forderungen. Gleiche Rechte, gleiche Maßstäbe – sonst bleibt es Doppelmoral.
01.02.26
19:56
Timotheus sagt:
Gelten denn in islamischen Ländern und Republiken universelle Rechte? Garantiert nicht. Existieren denn dort demokratische Rechte und soziale Gerechtigkeit? Sind nicht gerade solche Länder primär autoritäre Staats- und Gesellschaftsgebilde mit angelernter Untertanenmentalität und einer großen Gehorsamsbereitschaft gegenüber selbsternannten Autoritäten? Sicherlich ist eine AfD-Radikalisierung keine gute Sache. Einer Radikalisierung im Namen des Islam kann ich aber ebenso nichts Gutes abgewinnen und halte diese für höchst gefährlich und wahnhaft.
01.02.26
22:32