Bildung

Studie: „Wir brauchen mehr Lehrer mit Migrationshintergrund“

Eine aktuelle Studie des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat nun ergeben, dass Lehrer mit Migrationshintergrund die Sprachfähigkeiten und Lesefertigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler positiv beeinflussen.

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2020
Symbolbild: Schulen Migrationshintergrund © Perspektif, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Schulen Migrationshintergrund © Perspektif, bearbeitet by iQ.

Eine aktuelle Studie des RWI — Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat nun ergeben, dass Lehrer mit Migrationshintergrund die Sprachfähigkeiten und Lesefertigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler positiv beeinflussen. Unter der Leitung der Studienautorin Lisa Sofie Höckel haben die Forscher aus Essen Daten der Sekundarstufe I (Klasse 5-9) des Nationalen Bildungspanels analysiert.

Dabei habe sich gezeigt, dass der Leistungszuwachs der Sprach- und Lesefertigkeiten bei Schulkindern mit Migrationshintergrund größer sei, wenn der Lehrende selbst aus einem Haushalt mit Migrationsgeschichte komme. Ein möglicher Grund dafür sei die Vorbildfunktion, so die Wissenschaftler.

Mehr Lehrer mit Migrationshintergrund

Die Mehrsprachigkeit schiene beim Lehren von Sprache von Vorteil zu sein, schlussfolgern die Essener Forscher. „Besonders für Kinder mit Migrationshintergrund sind gute Sprachfähigkeiten für die berufliche Zukunft entscheidend“, sagte Lisa Sofie Höckel. „Die Studie zeigt, dass sich Lehrkräfte mit Migrationshintergrund positiv auf die Leseleistungen der Schüler auswirken.“

„Der erste schwarze Lehrer in Hamburg“

Philip Spenner (41), erster schwarzer Lehrer an Hamburgs Schulen, wünscht sich mehr Lehrer mit Migrationshintergrund. „Wir brauchen Lehrer, die die Lebenswelten ihrer Schüler verstehen“, sagte Spenner. Die meisten Lehrer kämen nach wie vor aus der Mittelschicht, da sei die Berührung mit dem Alltag vieler Schüler sehr gering. Er selbst sieht es als großen Vorteil an, dass er sich in die Probleme der Schüler hineinversetzen kann.

Auch, dass er Suaheli spreche, das mit dem Arabischen verwandt ist, sei oft ein großer Vorteil. „Viele Menschen mit Migrationshintergrund werden häufig situationsbedingt dazu gebracht, sich in der Opferrolle zu sehen“, sagt Spenner, der als Waisenkind in Kenia aufwuchs und mit 20 Jahren nach Deutschland kam. „Mit einem Lehrer mit Migrationshintergrund funktioniert das aber eher selten.“

Seit 2009 arbeitet Spenner an der Stadtteilschule Am Heidberg in Hamburg-Langenhorn. „Ich war eine Rarität: Der erste schwarze Lehrer in Hamburg“, erzählt er. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Mehr Lehrer (m/w) mit Migrationshintergrund würden auch die Lebenswirklichkeit in Deutschland besser wiederspiegeln. Viele Lehrer aus der sogenannten Mittelschicht kennen nicht die Lebenswirklichkeit ihrer Schüler (m/w) und brauchen nachträglich einen Pflichtkurs für interkulturelle Kompetenz.
21.12.20
13:40
Bettina Aliya Maier sagt:
Bin Erziehungswissenschaftlerin, in Deutschland geboren, Muslima und ganz klar und dafür keine Studien nötig: bei Lehrern und Sozialpadagogen und Zugang zum Adressaten gehts nach Gesicht und Taktgefühl. Dafür sollte man in allem Vorbild sein! 🙏👍
21.12.20
23:19
Vera Praunheim sagt:
Wir wollen aber schwer hoffen, daß diese Studie nicht extra dafür benutzt oder zweckentfremdet wird, daß gewisse Kreise sich nun dazu ermächtigt fühlen könnten, laufend immer mehr Lehrer mit Islamisierungshintergrund zu fordern. Das würde sich nämlich eher kontraproduktiv und risikobehaftet hinsichtlich einer friedlichen Koexistenz innerhalb der Schülerschaft auswirken. Das sollte unbedingt im Auge behalten werden - ohne jede Blauäugigkeit und Arglosigkeit. Grundsätzlich kann es auch nicht sein, daß in einem Land auf einmal Migrationsstandards das Zepter übernehmen und überall dominieren sollen. Migranten integrieren sich; das ist ganz natürlich. Aber sie übernehmen nicht das Regiment.
22.12.20
3:37
Ethiker sagt:
Vera Praunheim, von anderen Menschen etwas behaupten aber überall auf der Welt das eigene "Zepter übernehmen" billigen. Die Zepter wurden von deutschen Mirganten übernommen in Brasilien, Uruguay, Chile, nur um einige Länder zu nennen. Schreiben sie sich das mal hinter die Ohren! Am schwerwiegensten ist es aber mit der deutschen Migrantenwelle in den USA. Das hat letztendlich zum Finanzkapitalismus und der weltweiten Finanzwirtschaft geführt. Lesen sie mal hierzu die Koch- Brothers oder Geschichte von Herr Donald Trump. Menschen mit Migrationshintergrund wollen in Deutschland nicht alleine das "Zepter übernehmen", sondern politische und gesellschaftliche Teilhabe, wie ein jedes andere Mitglied der Gesellschaft. Das wird auch immer gepredigt, eingehalten selten bis nie. Die Aussage, dass Migranten das "Zepter übernehmen wollen", ist ein typischer paranoider Angstsatz und soll legtime Teilhabe als "angebliche fremde Übernahme" verbrämen. Das ist eine Verschwörungstheorie, zu mal die wirkliche Machtübernahme wie in den USA, Brasilien und ganz Lateinamerika seitens deutscher Migranten munter verschwiegen wird.
22.12.20
17:06
grege sagt:
Amerikaner mit deutschen Vorfahren haben größtenteils im Laufe und im Anschluss nach dem 1. Weltkrieg ihre Herkunftsidentität abgelegt und die Wurzeln zu dem Abstammungsland gekappt. Zudem domiert in den USA immer noch das angelsächsische Establishment, wie diverse Dynastien belegen. Die Aussagen meines Vorredners offenbare pure Ahnungslosigkeit und bestätigen manche Bildungsdefizite bestimmter Migrantengruppen hierzulande. Anstatt nur zu meckern und klagen, sollten manche Migratengruppen auch mal das hiesige Bildungsangebot nutzen, welches dem ihrer Herkunftsländer um ein Vielfaches überlegen ist. Das kann man sich getrost mal hinter die Ohren schreiben.
23.12.20
21:14