Nürnberg

Rechtsextremist wegen Verdacht auf Anschlag vor Gericht

Ein 23-Jähriger soll Waffenteile und Informationen für einen Anschlag aus Chatforen zusammengetragen haben. Nun steht er dafür vor Gericht.

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2020
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Symbolbild: EuGH, Urteil© shutterstock, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Urteil© shutterstock, bearbeitet by iQ.

Unter seinesgleichen nannte er sich „Heydrich“ oder „Reinhard“ – nach dem brutalen Organisator des Holocaust unter Adolf Hitler, Reinhard Heydrich. In Wahrheit heißt der 23-Jährige Fabian, wohnte bisher bei seinen Eltern in einem Dörfchen in der Oberpfalz, nahe der Stadt Cham und arbeitete Schicht als Elektriker.

Inzwischen sitzt der junge Mann in Untersuchungshaft. Die Generalstaatsanwaltschaft München, wo die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus angesiedelt ist, wirft dem mutmaßlich Rechtsradikalen die Vorbereitung eines Terroraktes vor.

Der Oberpfälzer sympathisiert mit der international vernetzten Gruppe „Feuerkrieg Division“, die sich Anschläge gegen Juden und Muslime zum Ziel setzt, und bewegt sich in deren Chatforen, wie das Landgericht Nürnberg-Fürth mitteilte. Nach Medienberichten gilt er sogar als Kopf der etwa eine Handvoll deutschen Mitglieder. Rechte Terrorattentäter werden in der Gruppe als „Heilige“ bezeichnet.

Im Internet über mögliche Ziele für Anschlag informiert

„Heydrich“ soll sich in den Chatforen auch über mögliche Anschlagsziele erkundigt haben. So habe er etwa nach einem „Ort der Andacht“ gesucht, heißt es in der Mitteilung des Gerichts. Dahinter könnte sich nach Auffassung von Polizei und Staatsanwaltschaft eine Moschee oder eine Synagoge verbergen.

Zudem soll sich der 23-Jährige im Archiv der Gruppe über die rechtsextremistisch motivierten Anschläge in Christchurch (Neuseeland) und Halle (Sachsen-Anhalt) informiert haben. Zudem habe er Waffenteile im Internet besorgt – unter anderem eine Replika eines „Kalaschnikow“-Sturmgewehrs, die er mit echten und funktionstüchtigen Teilen versehen haben soll.

Gericht prüft Anschlagspläne auf Echtheit

Der Angeklagte wollte – der Generalstaatsanwaltschaft zufolge – ein solcher „Heiliger“ werden. Dazu trainierte er im Garten der Eltern und machte Schussübungen. Die im Netz bestellten Waffenteile ließ sich der Mann, der als kontaktscheu und labil bezeichnet wird – konspirativ an die Adresse seiner Oma liefern.

Eine Aufgabe der Nürnberger Richter wird es sein, zu klären, wie ernst der junge Oberpfälzer und seine im Netz geteilten rechten Phantasien zu beurteilen sind. Ob er jemals eine wirklich funktionstüchtige Waffe hatte, soll ein Waffenexperte als Sachverständiger während des Prozesses klären. (dpa, iQ)