Minderheiten

Bericht beklagt zunehmende Einschränkung der Religionsfreiheit

In vielen Ländern steht es nicht gut um die Religionsfreiheit. Insbesondere Muslime werden oftmals bedrängt und verfolgt – Tendenz steigend.

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10
2020
Uigurische Mutter mit ihrem Kind in China © Facebook, bearbeitet by iQ.
Uigurische Mutter mit ihrem Kind in China © Facebook, bearbeitet by iQ.

Die Vertreibung der Rohingya in Myanmar, die Unterdrückung der Uiguren in China, die mögliche Todesstrafe für Konvertiten in manchen Staaten oder mehr judenfeindliche Straftaten in Deutschland und Europa: Das Menschenrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit wird weltweit seit Jahren zunehmend eingeschränkt. Zu diesem Ergebnis kommt der zweite Bericht der Bundesregierung zum Thema, den der Beauftragte für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, am Mittwoch in Berlin vorstellte.

„Religionsfreiheit ist ein fundamentales Menschenrecht“, erklärte Grübel. Mehr als 80 Prozent der Menschen sagten von sich, sie seien religiös. Drei von vier Menschen lebten jedoch in einem Land, in dem ihre Religions- und Weltanschauungsfreiheit eingeschränkt werde. Sie würden verfolgt, diskriminiert oder erlitten Gewalt.

Beispielhaft nannte Grübel die massiven staatlichen Repressionen gegenüber muslimischen Uiguren in China. „Für China fordere ich eine unabhängige Berichterstattung zur Lage der Uiguren durch die Vereinten Nationen und einen entschlossenen Dialog der Europäischen Union mit China zu Fragen der Religions- und Weltanschauungsfreiheit“, erklärte er. Auch im Irak sei die Lage religiöser Minderheiten immer noch prekär, da Zehntausende Christen und Jesiden weiterhin in Flüchtlingslagern lebten.

Religionsfreiheit auf dem Prüfstand

Die Rolle von Religionsfreiheit unterstrichen viele weitere Stimmen aus Politik, Gesellschaft und Kirche: Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, etwa erklärte, die Einschränkung der Religionsfreiheit gehe oft mit der anderer Menschenrechte wie Meinungsfreiheit oder Gleichberechtigung von Frauen einher.

Während Grübels eigener Ansatz vor allem auf Dialog – zwischen und auch innerhalb der Religionsgemeinschaften – basiert, forderte die Gesellschaft für bedrohte Völker mehr Einsatz der Bundesregierung. „Das Engagement für Religionsfreiheit darf kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern muss konkrete Taten folgen lassen“, sagte Direktor Ulrich Delius. Bislang werde das Potenzial nicht ausgeschöpft.

Der religionspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hermann Gröhe (CDU), mahnte, es bleibe dringend geboten, die Religions- und Weltanschauungsfreiheit in anderen Staaten immer wieder einzufordern. Auch in Deutschland und Europa bleibe indes eine Menge zu tun, sagte der religionspolitische Sprecher der FDP, Benjamin Strasser. Antisemitische, christenfeindliche und  islamfeindliche Taten nähmen zu. „Diesen Trend müssen wir endlich brechen und uns zur Wehr setzen.“ (KNA, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Dieser Artikel beflügelt wieder einmal selbstmitleidige muslimische Opferbefindlichkeiten, verzerrt aber die Realität gröblichst. Mir fällt kein einziges Land der Erde mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit ein, von dem man behaupten könnte, dass dort die Religionsfreiheit vorbildlich gewahrt wird. Massivste Repressalien gegen Andersdenkende gibt es gerade in den zahlreichen islamischen Religionsdiktaturen. In Saudi Arabien wurde Raif Badawi am 17.Juni 2012 verhaftet und gegen ihn ein Verfahren wegen Apostasie eingeleitet. Ein islamisches Rechtsgutachten erklärte ihn im März 2013 zu einem „Ungläubigen“. Das Gericht warf ihm vor, er habe Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet, was gegen ein im Jahr 2014 in Kraft getretenes Anti-Terror-Gesetz verstoße. Dieses Gesetz sieht im Artikel 1 jede Infragestellung des Islam als terroristische Handlung an und stellt in Artikel 4 die Verbreitung von solch kritischen „Inhalten, Slogans, Symbolen, Botschaften über Audio-, visuelle, Print- und sämtliche soziale Medien“ unter Strafe, bis zur Todesstrafe. Am 28. Juli 2013 wurde bekannt, dass er zu sieben Jahren Haft und viermal 150 Peitschenhieben verurteilt worden war. Im Mai 2014 wurde das Urteil geändert; wegen „Beleidigung des Islam“ verurteilte ihn ein Gericht zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben sowie einer Geldstrafe von etwa 194.000 €.[
28.10.20
16:51
Vera Praunheim sagt:
Und insbesonders in muslimisch geführten Staaten werden viele Andersgläubige oder Nichtgläubige oftmals bedrängt und verfolgt. Dort steht es leider gar nicht gut um Religionsfreiheit. Diese selbstkritische Erkenntnis hier unbedingt mit anzuführen darf keinesfalls vergessen oder gar absichtlich weggelassen werden. Sonst hätte man nur einen einseitigen und schiefen Blickwinkel auf unsere Welt mit ihrem großen Jahrmarkt der Religionen, Sekten & Erlösungskulte. Andererseits garantiert die Religionsfreiheit auch Narrenfreiheit, denn jeder (m/w/d) darf glauben, was er mag oder ihm eingetrichtert bzw. empfohlen wurde. Die Weltanschauungsfreiheit muß immer wieder neu eingefordert werden, somit auch die Karikaturenfreiheit überall. Es darf absolut nicht zugelassen werden, daß religiöse Eiferer & Verblendete das banale Zeichnen von Karikaturen als abscheulicher anprangern wie das bestialische Ermorden mit Enthauptung von friedlichen Lehrkräften, die lediglich Karikaturen herzeigen. Karikaturen herzeigen empört viele Islamhänger - das Köpfen von Lehrkräften aber nicht viele. Und das soll gerecht und religiös in Ordnung sein? In Europa garantiert nicht.
28.10.20
20:12
B.A.Maier sagt:
Wer die Pauschalkeule rausholt: Religion jeglicher Art, geht geht nicht mit den Menschenrechten konform, muss sich den Vorwurf machen lassen: Eine völlig verwahrloste Gesellschaft, dazu mit Anschlägen jeder Art, Toten, seltsamen Bewegungen wie Reichsbürger, eine Partei, überwacht vom Verfassungsschutz rechts außen, Massendemos und 1 Woche später Lockdown, Verfassungsfeinde jeglicher Art und viele Menschen in wirtschaftlicher Not... hat offensichtlich irgendwas nicht im Griff und zudem auch keine Wertegerüst und von Lebenswandel gar nicht sprechen. Woran liegt das wohl?
28.10.20
22:31
B.A.Maier sagt:
Wer die Pauschalkeule rausholt: Religion jeglicher Art, geht geht nicht mit den Menschenrechten konform, muss sich den Vorwurf machen lassen: Eine völlig verwahrloste Gesellschaft, dazu mit Anschlägen jeder Art, Toten, seltsamen Bewegungen wie Reichsbürger, eine Partei, überwacht vom Verfassungsschutz rechts außen, Massendemos und 1 Woche später Lockdown, Verfassungsfeinde jeglicher Art und viele Menschen in wirtschaftlicher Not... hat offensichtlich irgendwas nicht im Griff und zudem auch keine Wertegerüst und von Lebenswandel gar nicht sprechen. Woran liegt das wohl?
28.10.20
22:31
Johannes Disch sagt:
"In vielen Ländern steht es nicht gut um die Religionsfreiheit", so der Artikel. Das trifft vor allem auf die islamischen Länder zu, wo es religiöse Minderheiten verdammt schwer haben. In Europa hingegen können Muslime ihre Religion aber weitestgehend ungehindert leben. Was ihnen aber nicht genügt. Sie versuchen dann auch noch Sonderrechte durchzusetzen, die nicht immer etwas mit Religionsfreiheit zu tun haben, beispielsweise das pauschale Tragen eines Kopftuchs. Ein sich selbst bemitleidender Artikel, der mit der Realität wenig gemein hat.
30.10.20
18:32
grege sagt:
@ Herr Disch, die Primärquelle selber ist durchaus umfassend und objektiv. Die zwischen Überschrift und Haupttext eingefügte Textstelle ".... insbesondere Muslime werden oftmals bedrängt " trägt mit der typischen Portion Lamoryanz die Handschrift von islamiq.de.
01.11.20
11:16