Paderborn

Wissenschaftler untersuchen islamische Prophetie

Propheten spielen im Islam eine zentrale Rolle. Nun will eine Forschungsgruppe der Uni Paderborn die islamische Prophetie untersuchen. Ziel sei es, die Grundlagenforschung zu erweitern.

16
07
2020
koran
Der Koran © IslamiQ

Wissenschaftler der Universität Paderborn untersuchen die Rolle der Prophetie im Islam. Sie wollen das Thema für den islamischen Religionsunterricht und für Lehramtsstudiengänge aufbereiten, wie die Uni am Mittwoch mitteilte. Das im März gestartete Forschungsprojekt sei Teil des im Aufbau befindlichen Instituts für Islamische Theologie und werde vom Bundesforschungsministerium mit rund einer Million Euro gefördert.

Propheten und Gesandte spielten im Islam eine zentrale Rolle, hieß es. Der Koran berichte ausführlich von 25 Gottesboten. An ihrer Spitze stehe Muhammad, der weltweit von Millionen Muslimen verehrte Religionsstifter. Auf seiner Person liege ein Schwerpunkt der Forschungen.

Daneben untersuche das fünfköpfige Team unter der Leitung des Theologen Zishan Ghaffar, wie im Koran eine Theologie der Prophetie entfaltet wird. „Im Islam haben die Propheten und Gesandten insbesondere die Funktion, die göttliche Botschaft für die Menschen zu vermitteln. Dazu treten sie als Warner, Verkünder froher Botschaft und Vermittler des wahren Glaubens auf“, erklärt Ghaffar.

Neben dem religionspädagogischen Ziel streben die Forscher nach Uni-Angaben auch eine Stärkung des innermuslimischen Dialogs an. Die Gruppe bestehe aus Sunniten und Schiiten. Auch eine Christin sei mit im Team.

Das Institut für islamische Theologie an der Universität Paderborn ist im März 2019 offiziell gestartet und seither im Aufbau. Es ist eines von derzeit sieben Islam-Instituten an deutschen Hochschulen. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Vera von Praunheim sagt:
Es gibt interessanterweise auch Religionswissenschaftler, die meinen, daß betrügerische Scharlatane oftmals weniger unheilvoll sind als prophetisch auftretende Menschen, die von ihren Vorstellungen voll überzeugt sind. Mir selber sind noch hanebüchene Prophetie-Erzählungen aus dem bibelkonformen Religionsunterricht meiner frömmlerischen Schulzeit in Erinnerung. Und heute soll das durch islamisch Erleuchtete - mit wissenschaftlicher Begleitung - anders laufen?
16.07.20
18:43
charley sagt:
Spannende Fragestellung! Zunächst sind es ja reine Worthülsen, mit denen da hantiert wird. (Im Islam haben die Propheten und Gesandten insbesondere die Funktion, die göttliche Botschaft für die Menschen zu vermitteln. Dazu treten sie als Warner, Verkünder froher Botschaft und Vermittler des wahren Glaubens auf.) Floskeln über Floskeln. "Ich bin ein Prophet, ein Prophet ist genau wie ich!" Wie definiert der islam einen Propheten? Welche Summe von Qualitäten muss er in sich vereinigen, um diesen "Titel" tragen zu dürfen? Es geht meiner Meinung nach sehr um die esoterisch-spirituelle Qualifikation. Dazu braucht es Begriffe für dieses esoterisch-spirituelle Sein. - So ist Mohammeds "Himmelfahrt" ja wohl nichts anderes als eine "out-of-body"-experience, wobei es da auch unterschiedliche Ebenen des Wachseins und damit des spirituellen Werts der Erfahrung gibt (wenn man sich in die Beschreibungen solcher Erfahrungen einliest.) Ich möchte dabei betonen, dass ich die Islamische Welt dabei stets unglaublich arrogant erlebt habe, denn dieses "Mohammed-über-alles-Stellen" zeugt vor allem von einer unglaublichen Unwissenheit und Blindheit für diejenigen Geistesgrößen, die außerhalb der Islamischen Welt auch nach Mohammed aufgetreten sind und Mohammed vielleicht an esoterisch-spiritueller Reife um einiges überragt haben. Insofern wäre es tatsächlich interessant zu sehen, welche Begriffe die o.g. Wissenschaftler für ihre Forschung, Beurteilung usw. finden, anerkennen, zulassen, anwenden... und wie weit sie von vorn herein bereit sind anzuerkennen, dass es vielleicht auch nach Mohammed große spirituelle Lehrer gegeben hat. Etwas absurd ist es, wenn heraus käme: "Weil Mohammed das gesagt hat, was er gesagt hat, ist er der größte und weil niemand etwas anderes sagen kann, was besser ist als Mohammeds Rede kann auch kein Größerer nachfolgen." Ich mein, wie wenig Ahnung von den Wirklichkeiten muss man haben, um da von Größe zu reden. Was mich wirklich mal interessieren würde wäre: "In Wem hat sich derjenige, der in Mohammed verkörpert war, wiederverköper?" Hier berührt man die Ebene, auf der Menschheitslehrer arbeiten.
18.07.20
19:18
charley sagt:
Anders gefragt: War Mohammed in seiner folgenden Inkarnation noch Muslim? Für Muslime ist das natürlich eine absurde Frage, da Mohammed - ähnlich wie Buddha - alles Weltliche überwunden hat. Wenn man anschaut, wie weltlich er noch war, hätte ich da meine Zweifel! Er hat auch viel Karma erzeugt und das zwingt in eine Folgeinkarnation. Und es gibt noch die freiwillige Inkarnation die nicht zu Karma bedingt ist... DAS sind die großen Geister der Menschheit. So gibt es eben den "Eid des Bodhisattva" (interessanter Weise historisch aufkommend mit dem Christentum). Ich möchte damit nur andeuten, wie groß diese Frage werden kann, wenn man sich wirklich mal darauf einlässt.- Gilt Johannes der Evangelist im Islam als Prophet? In der Offenbarung hat er ja gewaltige prophetische Schauungen mitgeteilt? Und wieso sollte das "minderwertiger" sein als Mohammeds Mitteilungen? Nun, bin gespannt, was da also heraus kommt.Das scheint mir ein Drahtseilakt zu werden zwischen Mohammed-und-den-Islam-nicht-in-Frage-stellen (was Muslimen nie passiert, weil sie sich nicht von außen anschauen können, haben sie doch schon die "absolute, perfekte, ultimative Religion".) und wissenschaftlich unvoreingenommen eine Fragestellung entwickeln. Wer an Worte glaubt, hat von Religion und religiöser Erfahrung noch nicht viel begriffen! (Ach, ich vegaß, im Himmel sprechen sie ja alle Arabisch, vor allem Allah! - Wer verbreitet so etwas? Der hat noch nicht ein einziges Gespräch mit einem unkörperlichen Wesen geführt.)
18.07.20
19:31