Frauenrechte

4000 Teilnehmer bei #MuslimBanAustria-Demo

Unter dem Motto „Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“ nahmen am Wochenende fast 4000 Teiönehmer an der #MuslimBanAustria-Demo teil. Organisatoren waren u.a. das Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft und die Dokustelle Muslime.

06
02
2017
Veranstaltungsflyer #MuslimBanAustria-Demo © twitter by NetzwerkMZ

Am Wochenende nahmen schätzungsweise fast 4000 Menschen an der #MuslimBanAustria-Demo in Wien teil. Die Demo stand unter dem Motto „Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“ und wurde u.a von dem Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft und der Dokustelle Muslime initiiert.

Mit Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Freiheit raubt“ und „Hey minister, hands off my sister“ demonstrierten die Teilnehmer gegen das geplante Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und gegen das Integrationspaket des Integrationsministers Sebastian Kurz.

„Das ist kein Integrationspaket, das ist ein Diskriminierungspaket,“ so die Politikwissenschaftlerin, Autorin und Frauenrechtsaktivistin Dr. Ishraga Mustafa gegenüber dem Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft.

Die Frauenreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Amina Baghajati appellierte in ihrer Rede vor allem an junge Frauen sich nicht entmutigen zu lassen. „Ihr habt das Potenzial, alles zu werden. Österreich kann gar nicht ohne euch! Wir stehen heute für die Neutralität und für die Pluralität“, so Baghajati.

Die Vertreterin der Dokustelle Muslime Elif Öztürk erinnerte in ihrer Rede daran, wie hart sich Frauen ihre Rechte Jahrzehnte lang erkämpfen mussten. „Es gab Zeiten, in denen Frauen die Fähigkeit, rational handeln zu können, abgesprochen wurde. Es musste lange gekämpft werden, bis Frauen an ihrer Professionalität und Qualität gemessen wurden. Es ist ein Rückschritt, wenn wir ähnliche Debatten nochmal führen“, so Öztürk.

„Heute hat eine Gruppe von muslimischen Frauen in Österreich erstmalig einen solchen Protest unabhängig von den großen Verbandsstrukturen initiiert und durchgeführt. Wir freuen uns, dass sich uns so viele muslimische wie nicht-muslimische Verbände und Organisationen angeschlossen haben. Wir danken für die Solidarität,“ so Gözde Taskaya vom Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft.

„Ganz besonders gefreut hat uns, dass die Führung der Frauen in der Community so gut akzeptiert wurde und die Männer sich mit uns solidarisch gezeigt haben, uns in unseren Anliegen zu unterstützen. Wir haben uns heute nicht nur für muslimische Frauen eingesetzt, sondern für alle Frauen und dafür, dass sie ihr Leben selbst bestimmen dürfen,“ zeigt sich Deniz Eroglu-Koc vom Jugendrat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich erfreut über die rege Teilnahme an der Demonstration.

Die Veranstalter bezeichnen die Demonstration als vollen Erfolg. In einer Stellungnahme schreibt das Netzwerk für Muslimische Zivilgesellschaft: „Damit haben wir ein Zeichen gegen die geplante gesetzliche Diskriminierung von sichtbaren Musliminnen und für die Gleichbehandlung aller Menschen gesetzt. Die muslimische Frau darf nicht zu einem Objekt ohne Mitspracherecht degradiert werden, sie ist fähig, ihre Anliegen selbst zu vertreten“.

Leserkommentare

Manuel sagt:
Wenn Erdogan und seine treuen AKP-Islamisten mal wieder ein paar einsperren oder die Pressefreiheit mit Füßen tritt oder das Land in Richtung islamischen Gottesstaat führt, dann gibt es nie Proteste von denen für die Freiheit und die Demokratie, schon irgendwie komisch. Außerdem geht es um ein Burka-Verbot und das ist richtig und notwendig, da sich der extremistische Islamismus immer mehr in Europa breit macht, leider schläft hier Deutschland weiter und macht ganz fest die Augen so, weil man darf ja nicht nie irgendwie etws Kritisches zum Islam sagen. Und ein Kopftuchverbot ist nur bei der Polizei und in der Justiz vorgesehen und da sist auch wichtig und richtig in Zeiten wie diesen.
06.02.17
13:01
Ute Fabel sagt:
Die österreichische Regierung wird ein Gesetz erlassen, dass Richter, Staatsanwälte und Polizisten zu einem religiös und weltanschaulich neutralen Erscheinungsbild verpflichtet. Das diskriminiert niemanden und verlangt von allen dasselbe ab. Betroffen sind ALLE sichtbaren Zeichen des Glaubens und Unglaubens sowie politische Abzeichen. Die österreichische Richtervereinigung fordert in Reaktion darauf ausdrücklich die konsequente Entfernung der noch verbliebenen christlichen - aus einem Kreuz und zwei Kerzenhaltern- bestehenden Schwurvorrichtugen aus den staatlichen Gerichtssälen. Ich wäre sogar noch um einen Schritt weiter gegangen, und hätte dasselbe Neutraliätsgebot auch für das komplette öffentliche Bildungssystem festgelegt. Wahre Religion trägt man im Herzen und nicht als Uniform! Außerdem wird ein öffentliches Vermummungsverbot - ebenfalls religions- und weltanschauungsneutral - angestrebt. Öffentliche Nacktheit-ebenfalls religions- und weltanschauungsneutral - ist in Österreich bereits untersagt. Nacktheit- um in den sündenfreien paradiesischen Zustand von Adam und Eva zu kommen - ließe sich nach meiner Überzeugung religiös weit überzeugender begründen als die Vermummung von Frauen.
06.02.17
13:18
Andreas sagt:
Den Islamophoben sei gesagt, dass man Islamisten ganz sicher nicht mit Burkaverboten stoppen kann. Glauben die Islamgegner wirklich, dass die Islamisten nach einem Burkaverbot ihre Koffer packen und Europa verlassen? Wenn die den finsteren Plan verfolgen, Europa zu islamisieren, dann stellt ein Burkaverbot kein Hindernis dar. Ganz im Gegenteil. Damit unterstützt man die Islamisten sogar noch. Würden Islamisten an Menschen, die sie unterstütze, Preise vergeben, wären die meisten Preisträger wohl Islamgegner.
06.02.17
17:36
Ute Fabel sagt:
@Andreas: Nevile Chamberlain hat die Nationalsozialisten mit seiner Beschwichtungspolitik nicht kleingekriegt, Winston Churchill mit seinem kompromisslosen Konfrontationskurs sehr wohl. Daraus sollten wir im Umgang mit Islamisten und religiös motivierterter Geschlechterapartheid lernen. Ja zum öffentlichen Vermummungsverbot für alle! Ich bekenne micht dazu islamophob zu sein. Ich habe auch eine Phobie gegen die AfD, FPÖ und den Front National. Außerdem bin ich noch christianophob, kommunismphov, mormonophob, hinduphob und maoismophob. Das ist das Wesen der Meinungspluralität. Allerdings kommt es häufig vor, dass ich Menschen persönlich nett finde, die Religionen und Weltanschauungen anhängen, die ich ablehne.
08.02.17
14:25
Manuel sagt:
@Andreas: Gut, verstehe, Ihrer Logik nach müssten wir dann auch wieder faschistische und nazistische Symbole erlauben.
08.02.17
15:07
Andreas sagt:
@Ute Fabel: Meinungsvielfalt ist etwas Gutes. Hetze hingegen nicht. Muslime unter einen Generalverdacht zu stellen ist Hetze. Unstrittig ist, dass man gegen Islamisten vorgehen muss. Fragwürdig ist hingegen, allen Muslimen erst einmal zu unterstellen, dass sie Islamisten sind.
08.02.17
17:29
Rerun sagt:
„Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“ ist ein wunderbares Motto. Solange man aber genau dieses Jungen verweigert, indem man sie beschneidet und damit in deren Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung eingreift, kann ich das ganze nicht wirklich ernst nehmen. Bevor Musliminnen das Recht auf ein Kopftuch gewährt wird, sollte doch zuallererst einmal Muslime das Recht auf einen unversehrten Körper haben, ein Recht das sie nämlich haben und das sie für sich ohne Abstriche einfordern würden. Bei der Beschneidung ist Selbstbestimmung aber auf einmal gar nicht mehr so wichtig.
08.02.17
20:09
Ute Fabel sagt:
@Rerun: Wie recht Sie doch haben! Das ganze Gerede von der Selbstbestimmung es durch nur Heuchelei. Leute, die absurden Bekleidungsdogmen anhängen, wollen nicht akzeptieren, dass ihre geschlechtsdifferenzierenden Religionsuniformen nicht überall erwünscht sind und setzen sich damit über die Meinungs-, Weltanschauungs- und negative Religionsfreihet anderer hinweg. Warum eigentlich Kopftücher tragen und nicht stattdessen oder zusätzlich getönte Brillen? Von den Augen gehen weit mehr erotische Signale aus als von den Haaren? Warum bedecken nicht aus Männer ihr Haupthaar? Muss man Frauen nicht auch von männlichen erotischen Signalen schützen?. Kopftuch und gleichzeitig viel Make-Up und Lippenstift, wie man es oft sieht, passt das überhaupt zum behaupteten Zweck? Natürlich, diese Fragen darf man nicht stellen, die Religionsfreiheit verlangt jedenfalls tiefsten Respekt. In Wahrheit ist das Kopftuch ein zwanghafter Fetisch, mit dem krampfhaft die Gruppenzugehörigkeit zur Schau gestellt wird.
09.02.17
12:41