In einem neuen Bericht beschreibt die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem fünf miteinander verbundene Mechanismen zur Kontrolle und Verdrängung der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland. Sie fordert ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem wirft Israel vor, mit einer systematischen Politik die palästinensische Bevölkerung im besetzten Westjordanland zu verdrängen und die Kontrolle über das Gebiet dauerhaft auszubauen.
In einem neuen, rund 200 Seiten umfassenden Bericht beschreibt die Organisation fünf miteinander verbundene Mechanismen, darunter Gewalt, Vertreibung, Bewegungsbeschränkungen und wirtschaftlichen Druck.
Die Untersuchung mit dem Titel „The Elimination Project“ stützt sich nach Angaben von B’Tselem auf die Auswertung von rund 2.000 Zeugenaussagen von Palästinensern sowie weitere Recherchen. Die Organisation sieht seit Ende 2022, insbesondere aber seit dem 7. Oktober 2023, eine deutliche Verschärfung langjähriger israelischer Praktiken.
Zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 31. August 2026 seien im Westjordanland 1.107 Palästinenser, darunter 245 Kinder, durch Israel getötet worden, heißt es in dem Bericht. Zudem seien 75 palästinensische Gemeinden gewaltsam vertrieben worden. Rund 33.000 Menschen hätten ihre Wohnorte in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland verlassen müssen.
Als weitere Instrumente nennt B’Tselem Kontrollpunkte und Straßensperren, wirtschaftliche Abhängigkeit sowie die Einschränkung politischer und zivilgesellschaftlicher Aktivitäten. Nach Angaben der UN dokumentierte das UN-Nothilfebüro OCHA Ende 2025 insgesamt 925 Hindernisse für die Bewegungsfreiheit im Westjordanland.
B’Tselem-Direktorin Yuli Novak erklärte, die Maßnahmen seien keine voneinander unabhängigen Vorfälle, sondern Teil eines zusammenhängenden politischen Projekts. Die Organisation fordert Regierungen und internationale Institutionen auf, Israel stärker zur Verantwortung zu ziehen und die Rechte der Palästinenser zu schützen.