Freitagspredigt, 12.06.2026

Hidschra als Neuanfang, Zeitbewusstsein und Muharram

Die Freitagspredigt der Muslime behandelt sowohl religiöse, als auch gesellschaftliche Themen. Jede Woche liefert IslamiQ einen Überblick.

12
06
2026
0
Freitagspredigt
Symbolbild: Minbar, Freitagspredigt, Hutba

Die Freitagspredigt der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) und des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) widmet sich in dieser Woche dem Beginn des neuen islamischen Jahres 1448 nach der Hidschra. Im Mittelpunkt stehen die spirituelle Bedeutung der Hidschra, Selbstreflexion sowie der Aufruf zu Erneuerung und Rechtschaffenheit.

Die Hidschra als innere und äußere Erneuerung

Die Freitagspredigt der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş) thematisiert die Hidschra als eines der größten Beispiele für Opferbereitschaft, Geschwisterlichkeit und Vertrauen auf Allah. Die Auswanderung des Propheten Muhammad (s) und seiner Gefährten von Mekka nach Medina sei nicht nur ein historisches Ereignis, sondern ein lebendiges Vorbild für muslimisches Handeln bis heute. Die Muhādschirūn hätten ihre Heimat verlassen, um ihren Glauben frei leben zu können, während die Ansār in Medina sie aufnahmen, unterstützten und mit ihnen teilten.

Die Predigt betont, dass Hidschra weit über einen bloßen Ortswechsel hinausgehe. Ihre tiefere Bedeutung liege darin, sich von allem abzuwenden, was Allah missfällt. Wahre Auswanderung bedeute, sich von Sünden, egoistischen Neigungen und dem Einfluss des Teufels zu distanzieren und sich Allahs Wohlgefallen zuzuwenden.

Zugleich ruft die Predigt zur ehrlichen Selbstprüfung auf. Der Beginn eines neuen Hidschra-Jahres sei Anlass, das vergangene Jahr zu reflektieren: Wurden religiöse Pflichten erfüllt? Wurde aufrichtige Reue gezeigt? Muslime werden dazu ermutigt, sich selbst zur Rechenschaft zu ziehen, bevor sie vor Allah Rechenschaft ablegen müssen.

Das islamische Neujahr als Zeit der Selbstreflexion

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) widmet ihre Freitagspredigt ebenfalls der Hidschra und ihrer bleibenden Bedeutung. Die Auswanderung von Mekka nach Medina wird als Wendepunkt beschrieben, an dem aus Unterdrückung Hoffnung, Sicherheit und eine neue gesellschaftliche Ordnung entstanden. Der islamische Kalender, eingeführt unter Kalif Umar ibn al-Khattab, erinnere bis heute an diesen bedeutsamen Neuanfang.

Die Predigt hebt hervor, dass Hidschra ein zeitloses Bewusstsein sei. Sie bedeute auch heute, sich von Sünden, schlechten Gewohnheiten und Handlungen zu lösen, die Allah und Seinem Gesandten missfallen. Stattdessen solle der Mensch sich dem Guten, der Rechtschaffenheit und der spirituellen Entwicklung zuwenden.

Besonderes Gewicht legt die Predigt auf den bewussten Umgang mit Zeit. Gesundheit und freie Zeit seien große Gaben Allahs, die häufig unterschätzt würden. Das neue Jahr wird daher als Gelegenheit verstanden, Prioritäten neu zu ordnen, nutzlose Beschäftigungen hinter sich zu lassen und die eigene Verbindung zu Allah zu stärken. Muslime werden dazu aufgerufen, ihre Lebenszeit sinnvoll zu nutzen, familiäre Beziehungen zu pflegen und das neue Jahr mit einem bewussten „Bismillah“ zu beginnen.

Muharram als Monat der Besinnung und Gottesnähe

In der Freitagspredigt des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (Verband der Islamischen Kulturzentren) steht der Monat Muharram im Mittelpunkt. Mit dem Beginn des neuen Hidschra-Jahres erinnere dieser Monat an die Auswanderung des Propheten (s) und markiere zugleich den Beginn eines neuen spirituellen Abschnitts.

Die Predigt beschreibt die Hidschra als eine Zeitenwende: als Übergang von Unterdrückung zur Gerechtigkeit, von Finsternis zum Licht und als Beginn einer neuen Zivilisation. Für Muslime sei sie Sinnbild dafür, sich bewusst für Wahrheit, Gerechtigkeit und Glauben zu entscheiden.

Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung des Monats Muharram als einer der vier heiligen Monate im Islam. In dieser Zeit komme guten Taten besondere Bedeutung zu, zugleich wiege Fehlverhalten schwerer. Die Gläubigen werden dazu aufgerufen, die Heiligkeit dieses Monats zu achten, Sünden zu meiden und ihre religiösen Pflichten gewissenhaft zu erfüllen.

Jeden Freitag blickt die IslamiQ-Redaktion auf die Freitagspredigten der muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland und gibt einen Überblick.