Der Tod der 81-jährigen Ayten Heck entwickelt sich zu einem brisanten Fall für Behörden und Kliniken. Obwohl die Verstorbene islamisch bestattet werden wollte, wurde ihr Leichnam kremiert. Muslimische Vertreter sprechen von einem Skandal.
Der Fall der in Würzburg verstorbenen Ayten Heck sorgt in der muslimischen Gemeinschaft für Empörung. Die 1945 geborene Frau, die seit fast drei Jahrzehnten Mitglied des Bestattungsfonds der ATİB (Avrupa Türk-İslam Birliği) war, wurde nach ihrem Tod kremiert – obwohl die Feuerbestattung im Islam strikt abgelehnt wird.
Nach Informationen des Magazins Perspektif hatte Heck seit 1997 regelmäßig Beiträge an den muslimischen Bestattungsfonds gezahlt, um eine islamische Beerdigung sicherzustellen. Dennoch wurde ihr Leichnam nach ihrem Tod im April 2026 eingeäschert. Erst Wochen später erfuhren Muslime aus ihrem Umfeld von dem Vorgang. Ihre Asche wurde inzwischen auf dem Würzburger Waldfriedhof beigesetzt.
Heck hatte zuletzt in einem Pflegeheim gelebt und war nach einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands in das Universitätsklinikum Würzburg eingeliefert worden, wo sie verstarb. Nach Darstellung der Stadt Würzburg habe sich niemand um die Bestattung gekümmert. Man habe versucht, Informationen über frühere Betreuer sowie über ihre in den USA lebende Tochter zu erhalten, jedoch ohne Erfolg. Zudem habe es keine amtlichen Hinweise auf eine religiöse Zugehörigkeit gegeben.
Die Stadt begründete die Einäscherung auch damit, dass keine Informationen über mögliche Vorsorgeverträge oder Bestattungsfonds vorgelegen hätten. Auf die Frage, weshalb muslimische Gemeinden nicht kontaktiert wurden, verwies die Stadtverwaltung auf datenschutzrechtliche Bedenken.
Vertreter der muslimischen Gemeinschaft weisen diese Darstellung entschieden zurück. Ahmet Baştürk, Sprecher der Würzburger Moscheevereine, spricht von einem „großen Versäumnis“. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und muslimischen Gemeinden sei eng, Ansprechpartner seien bekannt. „Ein muslimischer Leichnam darf nicht wegen Kommunikationsproblemen verbrannt werden“, sagte Baştürk.
Auch Kamuran Dönmez, Vorsitzender des ATİB-Bestattungsfonds, spricht von einer „inakzeptablen Kette von Nachlässigkeiten“. Selbst wenn keine Angehörigen erreichbar seien, könnten Behörden muslimische Gemeinden kontaktieren. Dass unmittelbar eine Feuerbestattung veranlasst worden sei, sei nicht nachvollziehbar.
Besonders belastend wirkt der Fall für die Tochter der Verstorbenen. Sabriye Morse, die in den Vereinigten Staaten lebt, erfuhr nach eigenen Angaben erst einen Monat später vom Tod ihrer Mutter – durch Nachbarn aus Würzburg. Ihre Mutter habe stets betont, in der Türkei begraben werden zu wollen. „Sie hätte niemals gewollt, eingeäschert zu werden“, sagte Morse.