Bestattung

Japan prüft Erdbestattungen wegen wachsender muslimischer Bevölkerung

Japans Regierung reagiert auf die wachsende muslimische Bevölkerung und prüft erstmals landesweit die Praxis von Erdbestattungen. Zwischen religiösen Bedürfnissen, knappen Flächen und lokalem Widerstand entsteht eine neue gesellschaftliche Debatte.

05
05
2026
0
Symbolbild: Islamische Bestattungen
Symbolbild: Islamische Bestattungen © Shutterstock, bearbeitet by IslamiQ

Angesichts der steigenden Zahl muslimischer Einwohner hat die japanische Regierung eine landesweite Untersuchung zur Praxis von Erdbestattungen eingeleitet. Ziel ist es, den wachsenden Bedarf zu erfassen und bestehende Konflikte rund um die Einrichtung entsprechender Friedhöfe besser zu verstehen und politisch einzuordnen.

Hintergrund ist ein deutlicher demografischer Wandel: Die Zahl der in Japan lebenden Muslime ist nach Regierungsangaben von rund 230.000 im Jahr 2019 auf etwa 420.000 Ende 2024 gestiegen. Gleichzeitig bleibt die Feuerbestattung mit einem Anteil von über 99 Prozent die mit Abstand dominierende Bestattungsform im Land. Für Muslime stellt jedoch die Erdbestattung eine religiöse Verpflichtung dar, wodurch der Bedarf an entsprechenden Begräbnisstätten zunehmend wächst.

Landesweite Erhebung unter Kommunen

Seit Januar führt die Regierung eine umfassende Befragung unter 129 Verwaltungseinheiten durch, darunter Präfekturen, Großstädte und größere Mittelstädte. Erfasst werden dabei sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen für Friedhöfe als auch die tatsächliche Praxis unterschiedlicher Bestattungsformen vor Ort.

Im Fokus der Untersuchung steht insbesondere die Frage, in welchen Regionen Erdbestattungen bereits möglich sind, wo entsprechende Angebote geplant werden und welche rechtlichen oder praktischen Hürden bestehen. Die Ergebnisse sollen bis Ende des Fiskaljahres 2026 ausgewertet und anschließend den Kommunen als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung gestellt werden.

Rechtlicher Rahmen und praktische Herausforderungen

Grundsätzlich sind sowohl Feuer- als auch Erdbestattungen durch ein nationales Gesetz erlaubt. Die konkrete Umsetzung liegt jedoch in der Verantwortung der Kommunen, was zu erheblichen regionalen Unterschieden führt.

Neben rechtlichen Fragen spielen auch praktische Aspekte eine zentrale Rolle. Viele Kommunen verweisen auf begrenzte Flächen, Anforderungen an den Grundwasserschutz sowie hygienische Vorgaben als Hindernisse für die Einrichtung neuer Friedhöfe. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass Erdbestattungen bislang nur an wenigen Standorten möglich sind.

Widerstand gegen neue Friedhöfe

Die Planung neuer Friedhöfe für Erdbestattungen stößt immer wieder auf lokalen Widerstand. In mehreren Regionen kam es zu Spannungen zwischen Befürwortern und Anwohnern. Ein Beispiel ist die Stadt Hiji in der Präfektur Oita, wo ein entsprechendes Projekt nach Protesten aus der Bevölkerung gestoppt wurde.

Die Bedenken der Anwohner beziehen sich häufig auf mögliche Umweltfolgen, Veränderungen des Ortsbildes oder fehlende Informationen über die geplanten Anlagen. In einigen Fällen führen diese Konflikte dazu, dass Projekte verzögert oder ganz aufgegeben werden.

Migration als zentraler Faktor

Die wachsende muslimische Bevölkerung steht im engen Zusammenhang mit der zunehmenden Arbeitsmigration und der steigenden Zahl internationaler Studierender, insbesondere aus Ländern wie Indonesien, Pakistan und Bangladesch. Viele von ihnen bleiben langfristig im Land, wodurch Fragen der Bestattung zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die Regierung betrachtet das Thema daher als Teil einer umfassenderen Ausländerpolitik. Die laufende Untersuchung soll dazu beitragen, strukturelle Lösungen zu entwickeln und Kommunen im Umgang mit religiösen Anforderungen sowie gesellschaftlichen Spannungen zu unterstützen.