Rassistische Beleidigungen gegen zwei Frauen mit Kopftuch sorgen in Bestwig für Entsetzen. Der Staatsschutz ermittelt.

Ein Video von einem Streit am Bahnhof in Bestwig im Hochsauerlandkreis sorgt derzeit bundesweit für Empörung. Darauf sind schwere rassistische und menschenverachtende Beleidigungen gegen zwei junge Frauen mit Kopftuch zu hören. Besonders eine Äußerung sorgt für Entsetzen: Eine ältere Frau wünscht einer der Frauen, sie möge „ständig vergewaltigt“ werden. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, der Staatsschutz prüft den Fall.
„Dass so etwas hier bei uns passiert, macht uns betroffen und fassungslos“, sagt Benedikt Teutenberg, Sprecher der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis. Auch bei der Polizei ist das Video bekannt, das sich auf Instagram rasant verbreitet. Es wurde inzwischen tausendfach geteilt und kommentiert.
Die Aufnahme entstand am Donnerstag, 20. August, am Bahnhof in Bestwig. Zu sehen sind keine Gesichter. Das Video setzt mitten in einem bereits eskalierten Streit zwischen zwei jungen Frauen und einem offenbar älteren Ehepaar ein.
„Geht’s eigentlich noch?“, fragt eine der jungen Frauen. Der ältere Mann reagiert mit den Worten: „Sie sind viel zu dumm.“ Seine Begleiterin fordert anschließend, die junge Frau solle „mit dem ersten Flieger“ in ihre Heimat gebracht werden. Wenig später folgt die besonders drastische Äußerung: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie ständig vergewaltigt werden.“
Die junge Frau reagiert lediglich mit einem knappen „Danke“. Kurz darauf trifft der Zug ein und die Aufnahme endet.
Veröffentlicht wurde das Video von Osman Yusuf, der nach eigenen Angaben ein Cousin der betroffenen Frauen ist. Seine 22-jährige Cousine Maside P. schildert gegenüber unserer Redaktion, wie es aus ihrer Sicht zu dem Streit kam.
Sie sei gemeinsam mit ihrer 13-jährigen Schwester am 20. August zum Bahnhof Bestwig gekommen, um den Zug nach Dortmund zu nehmen. Ihr Vater habe die beiden zuvor zum Bahnhof gebracht und noch ein Foto von seinen Töchtern gemacht. Maside P. habe dabei nach eigenen Angaben bemerkt, dass das ältere Ehepaar die beiden Frauen beobachtete und sich über die Fotos unterhielt.
„Als Person mit Kopftuch kann man nach 22 Jahren Blicke ganz gut deuten“, sagt sie. Sie habe das Paar daraufhin angesprochen und erklärt, dass ihr Vater lediglich seine beiden Töchter fotografiert habe.
Aus dem Gespräch sei schließlich ein Streit geworden. Maside P. nahm ihr Handy und begann zu filmen. Die Kamera habe sie bewusst nach unten gehalten, damit keine Personen zu erkennen sind. „Ich wusste nicht, ob man das darf“, erklärt sie.
Als die ältere Frau schließlich den Wunsch äußerte, Maside und ihrer Schwester mögen „ständig vergewaltigt“ werden, sei für sie eine Grenze überschritten gewesen. Eine Anzeige bei der Polizei habe sie zunächst nicht erstattet, weil kurz darauf ihr Zug gekommen sei. Später entschied sie sich jedoch, den Vorfall online anzuzeigen.
Ihr Cousin Osman Yusuf veröffentlichte das Video anschließend auf Instagram. Der Beitrag verbreitete sich innerhalb kurzer Zeit weit über den ursprünglichen Kreis hinaus.
Yusuf, der nach eigenen Angaben in Meschede geboren und aufgewachsen ist, zeigt sich besonders betroffen. „Ich selbst bin im Sauerland, in Meschede, geboren und aufgewachsen“, sagt er. Dass seine 22-jährige Cousine und deren 13-jährige Schwester ausgerechnet dort derart beschimpft worden seien, habe ihn getroffen.
Besonders die Wortwahl der älteren Frau habe ihn erschüttert. Gleichzeitig sei die Reaktion auf das Video überwiegend solidarisch gewesen. Neben zahlreichen unterstützenden Kommentaren gab es allerdings auch Stimmen, die auf die fehlende Vorgeschichte im Video verwiesen.
Yusuf hält diesen Einwand für unerheblich. Die Frage, was zuvor passiert sein könnte, könne eine solche Äußerung nicht rechtfertigen: „Welche Vorgeschichte würde es akzeptabel machen, zwei jungen Frauen, darunter einer 13-Jährigen, zu wünschen, ständig vergewaltigt zu werden?“
Auch die Polizei bewertet die Äußerungen als möglichen Straftatbestand. „Natürlich ist das strafbar“, sagt Polizeisprecher Teutenberg. Zuständig für die weiteren Ermittlungen könnte allerdings nicht die Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis sein. Da sich der Vorfall an einem Bahnhof ereignet hat, kommt zunächst die Bundespolizei infrage. Wahrscheinlicher sei jedoch eine Übernahme durch den Staatsschutz der Polizei Dortmund. Hintergrund ist der mögliche Verdacht auf eine ausländerfeindliche beziehungsweise politisch motivierte Tat.
Für Maside P. kommt der öffentliche Trubel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Sie befindet sich nach eigenen Angaben gerade in der Klausurenphase ihres Studiums. Dennoch wollte sie den Vorfall nicht einfach hinnehmen.
„Da fragt man sich, warum man sich in diesem Alter so krass mit so etwas beschäftigen muss?“, sagt sie. Ihre Antwort darauf gibt sie sich selbst: „Es ist offenbar nötig, sich mit so etwas auseinanderzusetzen.“
Maside P. und ihre 13-jährige Schwester sind in Deutschland geboren und in Ostwig aufgewachsen. Ihre Familie lebt nach eigenen Angaben bereits in dritter Generation in Deutschland. Ihr Großvater war einst aus der Türkei nach Deutschland gekommen.
Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen.