Die Freitagspredigt der Muslime behandelt sowohl religiöse, als auch gesellschaftliche Themen. Jede Woche liefert IslamiQ einen Überblick.

Die Freitagspredigt der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) behandelt die Höflichkeit als wesentlichen Bestandteil des Glaubens. Der Iman präge nicht nur das Herz, sondern auch Worte und Verhalten, sodass Gläubige durch ihre Art den Glauben nach außen sichtbar machten. Ein Gläubiger solle daher nicht verletzen, sondern Vertrauen schaffen und mit seiner Sprache heilen.
Es werde betont, dass Höflichkeit keine Schwäche sei, sondern eine bewusste Haltung. Selbst beim Verkünden der Wahrheit solle der Gläubige freundlich, respektvoll und bedacht sprechen. Der Koran zeige am Beispiel der Propheten, dass Menschen durch Barmherzigkeit und Weisheit erreicht würden, nicht durch Härte.
Zudem werde dazu aufgerufen, achtsam mit Worten umzugehen, niemanden zu kränken und Fehler anderer nicht bloßzustellen. Höflichkeit bedeute, die Wahrheit in guter Weise zu vermitteln, zu helfen statt zu verletzen und so zum Zusammenhalt der Gemeinschaft beizutragen.
Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) widmet sich in ihrer Freitagspredigt um das Gleichgewicht zwischen Gottesfurcht und Hoffnung im Leben eines Gläubigen. Beide würden als zentrale Elemente des Glaubens beschrieben, die – wie zwei Flügel – notwendig seien, um das Ziel des Menschen zu erreichen.
Gottesfurcht werde nicht als bloße Angst verstanden, sondern als innere Sorge, die Nähe und das Wohlgefallen Allahs nicht zu verlieren. Hoffnung hingegen gebe dem Gläubigen Kraft und halte ihn davon ab, an der Barmherzigkeit Allahs zu verzweifeln.
Zugleich werde betont, dass Hoffnung nicht zu Nachlässigkeit führen dürfe. Ein leichtfertiger Umgang mit Sünden im Vertrauen auf Vergebung sei eine Täuschung. Vielmehr bedeute wahre Hoffnung, sich trotz Fehlern immer wieder Allah zuzuwenden und rechtschaffene Taten anzustreben.
So werde der Gläubige als Mensch beschrieben, der in diesem Gleichgewicht lebt und sein Handeln bewusst nach den Maßstäben des Korans ausrichte.
In der Freitagspredigt des Verbands Islamischer Kulturzentren (VIKZ) geht es um die gegenseitige Unterstützung in Güte und Frömmigkeit. Der Mensch sei trotz seiner Fähigkeiten auf andere angewiesen und könne nur durch Zusammenarbeit ein friedliches Leben führen. Diese Unterstützung müsse jedoch auf das Gute ausgerichtet sein.
Als Maßstab für Gut und Böse werde die göttliche Offenbarung genannt, da individuelle Vorstellungen zu Unordnung führen könnten. Der Koran rufe dazu auf, einander in Güte und Gottesfurcht zu helfen und sich nicht an Sünde zu beteiligen. Güte umfasse dabei sowohl den Glauben als auch konkrete Taten wie Gebet, Zakat, Geduld und Fürsorge gegenüber anderen.
Zugleich werde betont, dass wahre Hilfe nicht nur materiell sei, sondern auch darin bestehe, Menschen den rechten Weg zu zeigen. Taqwā werde als mehrstufiges Bewusstsein beschrieben, das vom Glauben über das Meiden von Sünden bis hin zur vollständigen Hinwendung zu Allah reiche.
Jeden Freitag blickt die IslamiQ-Redaktion auf die Freitagspredigten der muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland und gibt einen Überblick.