WM-Testspiel

„Wer sich weigert zu springen, ist ein Muslim“

Antimuslimische Parolen im Spiel, Pfiffe bei der Hymne: Beim Fußball-Testspiel zwischen Spanien und Ägypten löst das Verhalten einiger Fans scharfe Kritik aus. Spaniens Trainer wählt deutliche Worte.

01
04
2026
Spanische Fussballfans
Symbolbild: Spanische Fussballfans © shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.

Antimuslimische Parolen und Gesänge auf den Rängen beim WM-Testspiel zwischen den Fußball-Nationalteams von Spanien und Ägypten (0:0) in Barcelona haben Empörung ausgelöst. Der spanische Nationaltrainer Luis de la Fuente verurteilte die Vorfälle im Stadion des RCD Espanyol mit deutlichen Worten und sprach von „totaler und absoluter Abscheu“.

Auch die Kommentatoren verschiedener TV- und Radiosender sowie die spanischen Blätter kritisierten das Verhalten einiger der gut 35.000 Fans in aller Schärfe. Die Zeitung „AS“ titelte zum Beispiel am Mittwoch groß auf Seite eins: „Weltweite Schande“.

Pfiffe während ägyptischer Nationalhymne

Was war passiert? Etwa ab der 20. Spielminute skandierten Teile der Fans – insbesondere aus einem Bereich hinter einem Tor – wiederholt rassistische, antimuslimische Parolen wie „Wer sich weigert zu springen, ist ein Muslim“. Zudem war bereits vor dem Anpfiff die ägyptische Nationalhymne von Teilen des Publikums ausgebuht worden. Auch Beleidigungen gegen den spanischen Ministerpräsidenten, den linksgerichteten Politiker Pedro Sánchez, waren vereinzelt zu hören.

Der Präsident des spanischen Verbandes (RFEF), Rafael Louzán, sagte nach dem Abpfiff: „Wir verurteilen solche Situationen, die punktuell und vereinzelt auftreten.“ Louzán verwies darauf, dass verurteilende Worte des Verbandes während der Begegnung auch auf den Videoleinwänden im Stadion zu sehen gewesen seien.

Dort war groß zu lesen: „Es wird daran erinnert, dass die Gesetzgebung zur Prävention von Gewalt im Sport die aktive Beteiligung an gewalttätigen, fremdenfeindlichen, homophoben oder rassistischen Handlungen verbietet und sanktioniert.“

Trainer: Fußball wird von Störern „als Bühne“ missbraucht

Spaniens Trainer De la Fuente betonte, „jede Form von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Respektlosigkeit“ sei nicht hinnehmbar. Gleichzeitig hob er hervor, dass die große Mehrheit der Zuschauer im Stadion die Vorfälle missbilligt und die Störer ausgepfiffen habe. „Der Fußball ist nicht gewalttätig – gewalttätige Menschen nutzen ihn als Bühne“, sagte der Trainer und forderte, solche Personen zu identifizieren und konsequent auszuschließen.

Ägyptens Nationaltrainer Hossam Hassan erklärte, er habe die Zwischenfälle nicht wahrgenommen und sich auf das Spiel konzentriert. (dpa, iQ)

Leserkommentare

grege sagt:
Sie berichten am 01.04.2026 über antimuslimische Gesänge im Stadion („Wer sich weigert zu springen, ist ein Muslim“) und zitieren empörte Reaktionen bis hin zur Forderung, die Störer zu identifizieren und auszuschließen. Am 02.04.2026 stellen Sie zudem heraus, dass in NRW 2025 bei registrierten islamfeindlichen Straftaten nur ein vergleichsweise kleiner Teil in Verurteilungen mündete – bei gleichzeitig vielen Einstellungen. [islamiq.de] [islamiq.de] Beides kann man berichten – und beides ist grundsätzlich legitim. Was jedoch zunehmend unerquicklich wirkt, ist das Muster dahinter: IslamiQ schafft es, Diskriminierung in Spanien auf die Titelseite zu heben, während die Debatte über Diskriminierung und Hasskriminalität in Deutschland häufig nur dann mit ähnlicher Vehemenz geführt wird, wenn sie in ein bestimmtes Deutungsraster passt. 1) Verurteilungsquoten – Schlagzeile ersetzt Kontext Ihr Beitrag zur NRW‑Statistik arbeitet stark mit der Gegenüberstellung „viele Taten – wenige Verurteilungen“ (u. a. 330 registrierte Straftaten, 55 Verurteilungen; zahlreiche Einstellungen). Was dabei praktisch unter den Tisch fällt: Genau diese Lücke ist der Normalfall eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens. Strafrecht ist kein Gesinnungsstrafrecht. Es braucht Tatnachweis und individuelle Schuld; ansonsten endet das Verfahren – zu Recht – in Einstellung oder Freispruch. Ihre Zuspitzung taugt als Empörungsimpuls, aber sie taugt nicht als seriöse Einordnung dessen, wie Justiz funktioniert. [islamiq.de] 2) „Fernes Spanien“ – moralische Klarheit, die zuhause selektiv wird Beim Stadionvorfall in Barcelona schreiben Sie selbst, dass die Verurteilung der Parolen in Spanien deutlich und öffentlich ausfiel (Trainer, Medien, Verband, Hinweise auf den Stadionleinwänden). Das ist gut so. Aber genau hier beginnt die eigentliche Frage an IslamiQ: Warum wirkt Ihre moralische Entschiedenheit so oft exportiert – und so selten konsequent im Inland angewendet? [islamiq.de] Denn wer glaubwürdig gegen Diskriminierung eintreten will, muss ein schlichtes Prinzip akzeptieren: Gleiche Maßstäbe, unabhängig davon, wer Opfer ist und wer Täter ist. Diskriminierung ist kein Einbahnstraßen‑Thema und kein exklusives Eigentum einer Gruppe. Sie tritt in unterschiedlichen Milieus auf, richtet sich gegen unterschiedliche Minderheiten – und sie verdient überall den gleichen publizistischen Ernst. 3) Antisemitismus in Deutschland: kein Randthema, sondern Höchststand Während IslamiQ den Blick gern nach außen richtet, ist die Lage im Inland in zentralen Bereichen alarmierend. Das BKA weist für 2024 bei der Hasskriminalität einen erneuten Anstieg antisemitischer Straftaten aus – 6.236 Fälle, neuer Höchststand. Auch die zuständigen Bundesstellen betonen ausdrücklich, dass diese Dimension nicht hinnehmbar ist. [bka.de], [bmi.bund.de] [bmi.bund.de], [antisemiti...tragter.de] Wenn ein Magazin ständig Diskriminierung beklagt, dann aber bei einem der massivsten aktuellen Hassphänomene im eigenen Land nicht mit vergleichbarer Konsequenz hinschaut, ist das nicht „Schwerpunktsetzung“. Es ist selektive Empörung. 4) Der entlarvende Punkt: Wer dauernd Diskriminierung anklagt, darf sie nicht selbst praktizieren Und damit zum Kern: Ihr publizistischer Ansatz wirkt zunehmend doppelmoralisch. IslamiQ verlangt – oft zu Recht – Sensibilität, Aufmerksamkeit und Konsequenz gegenüber Diskriminierung. Gleichzeitig entsteht durch die Auswahl und Rahmung Ihrer Themen der Eindruck, dass Diskriminierung nur dann groß gemacht wird, wenn sie das eigene Opfernarrativ bedient – während andere Opfergruppen oder unangenehme Täterkonstellationen medial eher ausgespart werden. Das ist nicht nur ein journalistisches Problem. Es ist – im Ergebnis – selbst diskriminierend, weil es Aufmerksamkeit und Empathie ungleich verteilt: Manche Betroffene sind bei Ihnen dauerhaft sichtbar, andere bleiben Randnotiz oder Leerstelle. Wer so arbeitet, sollte sich mit moralischen Appellen an „die Gesellschaft“ merklich zurückhalten. 5) Forderung an IslamiQ: Ein Maßstab, nicht zwei Wenn IslamiQ ernsthaft eine Stimme gegen Diskriminierung sein will, dann wäre ein erster Schritt schlicht: Diskriminierung und Hass immer benennen – auch wenn es unbequem ist, auch wenn es nicht ins Narrativ passt. Statistiken nicht als Empörungsmunition, sondern mit rechtsstaatlichem Kontext darstellen. Und vor allem: den gleichen moralischen Ernst bei Vorfällen „vor der eigenen Haustür“ zeigen wie bei einem Stadion in Barcelona. Dann wäre IslamiQ Teil der Lösung – nicht Teil der Polarisierung.
03.04.26
18:10