New York

Amtseid auf dem Koran: Zohran Mamdani tritt Bürgermeisteramt an

Zohran Mamdani hat sein Amt als Bürgermeister von New York angetreten. Der 34-jährige Demokrat legte seinen Eid auf einen Koran ab und steht für mehrere Premieren.

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2026

Mit einer symbolträchtigen Zeremonie hat Zohran Mamdani das Amt des Bürgermeisters von New York City übernommen. Kurz nach Mitternacht wurde der linksliberale Demokrat in der stillgelegten Old City Hall Station unter dem Rathaus vereidigt. Den Amtseid nahm die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates New York, Letitia James, ab. Mamdani legte dabei seine Hand auf einen Koran – erstmals in der Geschichte der Stadt nutzte ein Bürgermeister das heilige Buch des Islam für die Vereidigung.

Der 34-Jährige ist zugleich der erste muslimische, der erste südasiatische und der erste in Afrika geborene Bürgermeister New Yorks. Beobachter sehen darin ein Zeichen für die religiöse und kulturelle Vielfalt der bevölkerungsreichsten Stadt der USA. Zwar wurden die meisten seiner Vorgänger traditionell auf eine Bibel vereidigt, rechtlich vorgeschrieben ist die Verwendung eines religiösen Textes jedoch nicht.

Für die nächtliche Zeremonie nutzte Mamdani nach Angaben aus seinem Umfeld einen historischen Koran sowie ein Exemplar aus Familienbesitz. Die Wahl der Old City Hall Station sollte seine Nähe zur arbeitenden Bevölkerung unterstreichen. Die Haltestelle wurde 1945 geschlossen und ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. In einer kurzen Ansprache sprach Mamdani von einer einmaligen Ehre und kündigte erste personelle Entscheidungen an, darunter die Ernennung eines neuen Verkehrsbeauftragten.

Am Neujahrstag soll eine weitere, öffentliche Vereidigung auf den Stufen des Rathauses folgen. Den Eid will US-Senator Bernie Sanders abnehmen, ein politisches Vorbild Mamdanis. Als Redner werden unter anderem die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez erwartet. Im Anschluss ist ein großes Straßenfest rund um das Rathaus und entlang des Broadways geplant.

Mamdani beginnt seine vierjährige Amtszeit als jüngster Bürgermeister der Stadt seit rund 100 Jahren. Geboren 1991 in Uganda als Sohn indischstämmiger Eltern, wuchs er seit seiner Kindheit in New York auf und wurde 2018 US-Staatsbürger. Politisch profilierte er sich zunächst als Aktivist, bevor er 2021 für einen Wahlkreis in Queens ins Parlament des Bundesstaates New York einzog, wo er dem linken Flügel der Demokraten zugerechnet wird.

Leserkommentare

Marco Polo sagt:
Als erstes kam mir hier beim Lesen der Überschrift "Amtseid auf dem Koran" folgender Gedanke in den Sinn: Das islamische Verhängnis nimmt seinen Lauf. Ein Demokrat - so ist hier ja zu lesen - will in New York das Bürgermeisteramt antreten und sich dabei gleichzeitig dem Koran hingeben und unterwerfen. Kann das wirklich funktionieren? Erlaubt überhaupt der sich absolut gebende Islam ein aufrichtig demokratisches Verhalten im politischen Kontext? Oder ist hier nach dem Koran auch ein wendiges Täuschungsmanöver erlaubt in Richtung islamische Umgestaltung der Gesellschaft? Und da starten wir erst einmal symbolträchtig in New York? Akzeptiert der Islam überhaupt liberale Weltbilder? Ich glaube das nicht. Und klatschen bei dieser Bürgermeister-Premiere auch queere Menschen freudigst Beifall, weil sie jetzt einen echten Freund und Unterstützer bei ihren Belangen haben? Oder aber sympathisiert Zohran Mamdani lieber mit dem sich immer mehr autokratisch und queer-feindlich gebenden Trump? Zumal Mamdanis Islam sowieso exzessiv ein heteronormatives Weltbild vertritt und durch Scharia-Gesetze rigoros zu etablieren versucht.
01.01.26
17:21
Cumali Mol sagt:
Möge der قرآن nicht nur Mamdani, sondern auch dem Rest der Welt den Weg erhellen - auf dass die Dunkelheit, in dem sich die Menschheit mehrheitlich befindet, nach und nach verschwindet. Das Recht des Stärkeren muss ein Ende nehmen. Der Völkermord an den Palästinensern mahnt uns zur Veränderung der Weltordnung zum Positiven, damit nicht nur Trump sein erklärtes Ziel - das Paradies - erreicht, sondern auch wir. Stillstand ist Verlust.
05.01.26
12:22
A.K. sagt:
Also, mir wurde auch übel. Denn nirgendwo ist in den USA vorgeschrieben, dass es ein Religionsbuch sein muss. Er hätte die Verfassung nehmen können. Das wär korrekt gewesen. Ich frage mich auch, wie er Queer und Koran zusammenbringen will. Bisher trat er absolut pro queer auf. Mal sehen, was sich da alles tut. Erdogan in der Türkei war ja auch zu Beginn sehr LGBTIQ offen. Das war der Trick um Zustimmung zu bekommen. Ich denke, die Queers, die ihn wählten in New York werden noch aufklatschen und sehen, dass man jemand, der provokativ und medienwirksam auf den Koran schwört, anstatt neutral auf die Verfassung, muss sich dann auch bald im Sinne des Koran verhalten. Sonst werden die Muslime sehr enttäuscht sein.
05.01.26
22:36
grege sagt:
hier werden nebensächlichkeiten in den vordergrund gestellt.new york hat dringendere Probleme als die eher symbolische frage, auf welcher grundlage der amtseid geschworen wird, ob auf Bibel, Thora, Koran oder Kackhaufen, mir richtig wurscht
08.01.26
11:29