Moscheeangriffe

Islamische Religionsgemeinschaften fordern mehr Schutz für Moscheen

Moscheen sind immer wieder Ziel von Angriffen. Vor allem nach dem rassistischen Anschlag in Hanau forderten islamische Religionsgemeinschaften, Moscheen besser zu schützen.

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10
2021
Islamische Religionsgemeinschaften: Mehr Schutz für Moscheen © Shutterstock, bearbeitet by iQ
Islamische Religionsgemeinschaften: Mehr Schutz für Moscheen © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau forderten islamische Religionsgemeinschaften, Moscheen besser zu schützen. Einige Bundesländer haben daraufhin den Austausch zwischen islamischen Gemeinden und den Sicherheitsbehörden gestärkt. Geld für Sicherheitsmaßnahmen in den Moscheegebäuden wie Überwachungskameras gab es laut den Gemeinden nicht.

Auf die Anfrage des „Mediendienst Integration“ zum Thema Schutz von Moscheen äußerten sich die Landesverbände des Zentralrats der Muslime in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Hamburg, sowie die Schura Hamburg, der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), die Türkisch-Islamische Union für Religion e.V. (DITIB) und die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg e.V. (IGWB) auf eine Anfrage des Mediendienstes.

Religionsgemeinschaften fordern Schutzmaßnahmen

Von den befragten Religionsgemeinschaften haben laut dem MEDIENDIENST fast alle in diesem und letzten Jahr Angriffe auf ihre Gemeinden erlebt. Besonders verunsichernd seien die Bombendrohungen im Februar 2020 in mehreren Moscheen in NRW gewesen, hieß es von der Türkisch-Islamischen Union für Religion (DITIB). Der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) berichtet von eingeschlagenen Fenstern einer Moschee. Auch habe jemand telefonisch damit gedroht, eine Bombe zu zünden. In Hamburg und Rheinland-Pfalz habe es keine Angriffe auf ihre Moscheen gegeben, so die jeweiligen Landesverbände des Zentralrats für Muslime in Deutschland (ZMD).

„Nach den Anschlägen auf die zwei Moscheen in Neuseeland, dann Halle und Hanau fühlten sich die Muslime in ihren Moscheen gar nicht sicher“, sagt Mohamed Abu El-Qomsan, Vorsitzender des ZMD-Landesverband Bayern. 

Feste Ansprechpartner für Moscheegemeinden

Andere Gemeinden, etwa aus Rheinland-Pfalz, Hamburg oder Baden-Württemberg, berichten von einem guten Austausch mit den Sicherheitsbehörden. Die rheinland-pfälzische Landesregierung habe nach dem Anschlag in Hanau zum Beispiel Polizeischutz für Moscheen während der Freitagsgebets und anderer Veranstaltungen zugesagt, hieß es vom dortigen ZMD-Landesverband. Die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) bietet, teilweise zusammen mit Sicherheitsbehörden, Seminare dazu an, wie sich Gemeindemitglieder bei Angriffen verhalten sollten. Zudem gebe es jetzt in den örtlichen Polzeipräsidien feste Ansprechpartner für Moscheegemeinden, so die IGBW.

Um ihre Gemeinde besser zu schützen, treffen Moscheen eigene Vorkehrungen. Viele installieren Videokameras, um die Gebäude besser zu schützen, teilte die IGBW mit. Es gebe auch Gemeinden, bei denen ehrenamtliche Mitarbeiter vor der Tür stehen und Wache halten, berichten der VIKZ und ZMD-Landesverband Hamburg. Generell müssen Politik und Sicherheitsbehörden die Gefahr der Angriffe auf Moscheen ernster nehmen, so Verbandsvertreter.

103 Moscheeangriffe vergangenes Jahr

2020 erfasste das Bundesinnenministerium (BMI) bundesweit 1.026 islamfeindliche Straftaten. 103 Angriffe richteten sich gegen Moscheen, darunter vor allem Sachbeschädigungen und Volksverhetzungen. Für eine bundesweit einheitliche Erfassung der Angriffe nutzen die Behörden seit 2019 einen Angriffszielkatalog.

Schmierereien, HassbotschaftenBrandstiftungen oder das Hinterlassen von Tierkadavern. Die Initiative gegen Moscheeangriffe – #brandeilig hat 2020, 122 Angriffe auf Moscheen und muslimische Einrichtungen registriert. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die Dunkelziffer für 2020 höher liege. Zwischen den Jahren 2014-2019 wurden insgesamt 612 Moscheeangriffe erfasst. „Der antimuslimische Rassismus stellt eine Gefahr, nicht nur für Muslime, sondern auch für die Gesamtgesellschaft dar“, erklärt #brandeilig. Am häufigsten seien Moscheen in Nordrhein-Westfalen (149), Baden-Württemberg (79), Niedersachsen (74) und Bayern (63) betroffen.

Als besonders besorgniserregend bezeichnen die Verantwortlichen des Projekts, die immer noch „mangelnde Sensibilisierung für den antimuslimischen Rassismus, sowohl in den Behörden, als auch aus der Mitte der Gesellschaft heraus“. Denn zum einen fehlen effektive und vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen und zum anderen seien die Gemeinden nach einem Angriff zumeist auf sich allein gestellt.

Leserkommentare

IslamFrei sagt:
Liebe Leser, Eine Moschee zu betreiben oder eine andere gefährliche Tätigkeit z.B. Flüssiggas Lager, Raffinaderie,- - - verursacht Kosten für die Versicherung, Einfriedung, ÜberwachungsKameras usw. Das Verursacherprinzip verlangt, dass die Betreiber der Gefahrenquelle, hier die Moscheebetreiber, ebenfalls für diese Kosten aufkommt. Gruss, IslamFrei
03.11.21
23:21
IslamFrei sagt:
Mehr Schutz für Moscheen? Ganz einfach: Unnütze Kosten umschichten: Ärgerliche Minaretten und Lautsprecher einsparen. Das Gesparte in Sicherheits-Technik investieren. Gruss, IslamFrei
28.11.21
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