Karikaturen

Wissenschaftler wollen Karikaturen im Unterricht thematisieren

In einer Petition fordern Wissenschaftler die Karikaturen über den Propheten Muhammad (s) zum Pflichtthema im Unterricht zu machen. Voraussetzung sei ein religionssensibler Umgang.

04
12
2020
Karikaturen
Symbolbild: Unterricht, Schule © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Eine auf der Plattform change.org gestartete Petition will die Auseinandersetzung mit den Karikaturen über den Propheten Muhammad zu einem „Pflichtthema an deutschen Schulen“ machen. Voraussetzung sei ein religionssensibler Umgang mit den umstrittenen Zeichnungen, heißt es in der von Tarek Badawia und Markus Tiedemann gestarteten Petition. Badawia ist Professor für Islam, Religionspädagogik und Religionslehre an der Uni Erlangen-Nürnberg, Tiedemann ist Professor für Didaktik der Philosophie und Ethik an der Technischen Universität Dresden.

Die bislang (Stand: Donnerstagmittag) 163 Unterzeichner zeigen sich besorgt um „die wechselseitige Achtung von Meinungs- und Religionsfreiheit“. In einem „subjekt- und lebensweltorientierten Unterricht“ müsse thematisiert werden können, was in der Gesellschaft umstritten sei. „Methodisch bedeutet dies unter anderem, dass die Betrachtung der Karikaturen optional, der gewaltfreie Diskurs im Zeichen der Anerkennung hingegen obligatorisch ist.“

Einschüchterung, Bedrohung oder Diffamierung von Lehrern dürfe in keiner Weise geduldet werden. „Um mögliche Überforderung der Lehrkräfte zu vermeiden, wäre die Thematisierung des Dilemmas der Karikaturen in einem interdisziplinären oder interreligiösen Lernumfeld empfehlenswert.“ Die Petition, so heißt es weiter, verstehe sich als Denkanstoß und solle „einen Rahmen für nachfolgende Debatten umreißen“.

Widerspruch: Huber kritisiert die Forderung

Der evangelische Theologe Wolfgang Huber kritisierte die Forderungen in einem Gastbeitrag für die „Zeit“ (Donnerstag) als unausgegoren. Das in der Petition geschilderte Dilemma zwischen Meinungs- und Religionsfreiheit sehe er hierzulande nicht, schreibt der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. „In keinem der Länder, in denen die Karikaturen über den Propheten veröffentlicht wurden, wird die Religionsfreiheit eingeschränkt. Deren Verletzung ist vielmehr genau in solchen Ländern zu beklagen, in denen zu gewaltsamen Reaktionen auf die Karikaturen aufgerufen wurde.“

Insofern tauge das in der Petition beschriebene Dilemma nicht als Pflichtthema an deutschen Schulen, so Huber. „Das Verhältnis von Religion und Gewalt dagegen sehr.“

“Schule ist kein Ort für ideologische Diskussionen”

Für Duran Terzi, IRU-Lehrer in Düsseldorf, sei es wichtig, die Reaktionen muslimischer Schüler richtig zu deuten. Nicht jede Reaktion sei „religiös“. „Für einen Schüler, der sich in der Gesellschaft als gedemütigt sieht, sind diese Karikaturen nur eine Ausrede. Das Gefühl der Herabsetzung eigener Überzeugungen kann Erinnerungen an diskriminierende Vorfälle wie bei einer Wohnungssuche oder auf dem Arbeitsmarkt wecken“, sagte Terzi IslamiQ-Interview.

Terzi ist der Meinung, dass der Schulunterricht kein geeigneter Ort für ideologische Diskussionen ist. Das gelte z. B. für das Thema Evolution im Biologieunterricht oder für die politischen Entwicklungen in der Türkei. In jedem Fall profitieren die Lehrer von solchen Spannungen, weil sie das Sagen im Unterricht haben. Ein Lehrer, der dem Schüler keine Gelegenheit gibt, sich auszudrücken, und dessen Meinung nicht respektiert, kann den Schüler im Klassenzimmer als ‚rückständig‘ darstellen.“ (KNA, iQ)

Leserkommentare

grege sagt:
Es gibt in diesem Land, insbesondere im Schulbereich, Gesetze, Regeln und Verordnungen, an die sich alle beteiligten wie Lehrer, Schüler oder Eltern zu halten haben. Wenn muslimische Schüler oder gegen diese Spielregeln verstoßen, müssen strafrechtliche Konsequenzen folgen. Von daher sind die Aussagen von Herrn Terzi ziemlicher Kappes und nicht weiter einlassungfähig. Eigentlich gehört Herr Terzi nicht vor die Klasse sondern hinter die Schulbank, da ihm offenbar der staatliche Bildungsauftrag in diesem Land nicht bewußt. Anders kann man den Unsinn nicht deuten, dass Evolution oder das autorkatische System in der Türkei ideologiebehaftete Themen sind.
04.12.20
17:33
Maier Bettina Aliya sagt:
Ich bin eher dafür dass Schulen einen erheblichen Teil ihres Budgets an die Firma spenden, die diesen vermeintlichen Karikaturist finanziert. 👍🏻💴💴💴💴💴💴 Ansonsten wundere ich mich immer wieder, wer sich Wissenschaftler nennen darf und ob irgendwie GERADE zu Coronazeiten nicht Zusammenhalt und Frieden gefragt ist.
04.12.20
18:32
Vera Praunheim sagt:
Schulen sind auf jeden Fall ein Ort für differenzierte Aufklärung über Ideologien und religiöse Weltbilder. Ein tabuisierender, schönfärberischer Unterrichts-Kuschelkurs wäre definitiv falsch. Islamische Eltern-Koran-Hardliner oder träumerische Evangelikale & Bibel-Fundamentalisten dürfen nicht die Oberhoheit über Lehrinhalte bekommen. Sie müssen natürlich ganz entschieden in ihre Schranken verwiesen werden.
04.12.20
23:34
Dilaver Çelik sagt:
Das nennt man Absurdität im Namen der Wissenschaft. Die Verletzung religiöser Gefühle lasse ich mal außen vor: Die Karikaturen verstoßen gegen jeglichen gesunden Menschenverstand, Anstand sowie gegen die Menschenwürde und sind asozial. Sie spiegeln lediglich die Geisteskrankheit der Karikaturisten wieder. Mehr auch nicht. Genauso ist es krank, derartige Karikaturen zu verteidigen und sich dabei auf Gesetze zu berufen. Die im Sachverhalt geschilderte Absurdität zeugt davon, wie weit Unvernunft, moralische Verkommenheit, Asozialität und Anstandslosigkeit schon fortgeschritten sind. Dies jetzt auch noch mit Wissenschaftlichkeit zu schmücken ist der Gipfel dieser Verkommenheit und zeugt von Respektlosigkeit gegenüber der Wissenschaft. Gerade in der Wissenschaft ist es wichtig, verantwortungsbewusst zu arbeiten und zu handeln. Derartige Forderungen wie im Sachverhalt sind unverantwortlich, weil sie den Schulfrieden gefährden würden. Nicht umsonst heißt es: Wer lernen will, ein Wissenschaftler zu sein, der muss zuerst Anstand lernen. Von Anstand sind die im Sachverhalt geschilderten Forderungen weit entfernt. Und ja, Schule ist kein Ort für ideologische Diskussionen. Ideologische Diskussionen sind sinnlose Zeit- und Energieverschwendung. Stattdessen müssen Lehrer (m/w) den Schülern (m/w) Anstand und respektvollen Umgang miteinander beibringen. Und das wird in den Schulen schon seit Jahren vernachlässigt. Mit Abmahnungen und Schulverweisen werden lediglich Symptome jahrelanger Vernachlässigung unterdrückt statt behandelt. Und das ist traurig.
05.12.20
11:48
grege sagt:
Unvernunft, moralische Verkommenheit, Asozialität und Anstandslosigkeit sind gerade im Islam des Hier und Jetzt verbreitet, der Anderdenkende und Homosexuelle bedroht, attackiert und ermordet. Selbst in Europa ist diese Verdorbenheit von Teilen der muslimischen Community kein Einzelfall mehr, wie die Vielzahl von Terroranschlägen eindrucksvoll dokumentieren. Von dieser Verdorbenheit sind insbesondere solche Islamprotagonisten durchdrungen, die auf der Seite gegenüber anderen Weltanschauungen eine moralische Überlegenheit zur Schau stellen, aber einen Aufenthalt in islamisch geprägten Ländern meiden, die auch aufgrund des religiösen Extremismus in der Wissenschaft ein Schlusslicht darstellen. Koopmans hat dank seiner statistischen Fähigkeit dieses Phänomen eindrucksvoll nachgewiesen.
05.12.20
15:32
Johannes Disch sagt:
Aha, man will einen "religionssensiblen Umgang" mit diesem Thema. Warum sagen Muslime nicht gleich, was sie eigentlich wollen? Man nennt das nämlich Zensur. Bischof Huber hat völlig recht. Es gibt hier keinen Widerspruch zwischen Meinungs-und Religionsfreiheit. Die Religionsfreiheit und auch die Meinungsfreiheit sind vielmehr stark eingeschränkt in islamischen Ländern.
05.12.20
19:59
Johannes Disch sagt:
Von wegen "religionssensibler Umgang." Herr Terzi fordert nichts anderes als Zensur. Die Verletzung religiöser Gefühle ist kein Maßstab. Die Meinungs-und Pressefreiheit erlaubt es, auch Religion durch den Kakao zu ziehen. Die Reaktion von Muslimen, die in den Karikaturen eine Verletzung religiöser Gefühle sehen oder gar eine Herabwürdigung ihrer Religion und des Propheten zeigen damit nur, dass sie nicht im geringsten verstanden haben, worauf die Karikaturen wirklich zielen: Auf die islamistischen Terroristen. Und nicht auf den Islam. Und auch nicht auf den Propheten. Das hat "Charlie Hebdo" auch immer wieder betont. Das muss man eigentlich gar nicht betonen, da es auf der Hand liegt, wenn man ein bisschen Sinn für Kontext hat. Aber viele Muslime haben leider keine Distanz zu ihrer Religion und reagieren mit Pawloschen Reflexen.
05.12.20
20:10
Johannes Disch sagt:
Wie empfindlich und absolut humorfrei Muslime bezüglich ihrer Religion sind, das sieht man an folgendem Umstand: Die Schalker Fans singen seit Jahrzehnten: "Mohammed war ein Prophet, der vom Fußball nix versteht." Jetzt lassen wir die grammatikalischen und inhaltlichen Fehler dieser Zeile mal außen vor. Schließlich erwartet man von einem Vereinslied keine literarische Glanzleistung. Ein empfindlicher Muslim-Funktionär klagte vor Jahren. Er forderte, dass die Schalker gerichtlich gezwungen werden, diese Zeile aus ihrem Vereinslied streichen. Wie die Sache ausging?? Na, das Gericht nahm die Klage erst gar nicht an. Der empfindliche Muslim-Funktionär wurde vorgeschlagen als Träger des Fastnacht-Ordens "Wider dem tierischen Ernst." Er hat ihn leider nicht bekommen, obwohl er ein würdiger Preisträger gewesen wäre. Und die Schalker?? Na, die singen im Stadion weiterhin jeden Samstag : "Mohammed war ein Prophet...-- na, und so weiter.... Mensch Muslime, entspannt euch mal...Schau mal "Das Leben des Brian." (Gedreht bereits 1979). Mehr Verballhornung des ollen Jesus geht gar nicht mehr. Und was machen wir Christen?? Wir amüsieren uns köstlich darüber.
05.12.20
20:46
Vera Praunheim sagt:
Es ist bezeichnend und beschämend, wenn in Kommentaren immer wieder nur mit großer Empörung über bestimmte Karikaturen - also lächerliche Zeichnungen - hergezogen und den Zeichnern sogar eine Geisteskrankheit vorgeworfen wird. Ich finde die grauenhaften und barbarischen Mordgemetzel-Taten - aus angeblich religiösen Gründen - wegen dieser lächerlichen Zeichnungen 1000 mal empörender und krankhafter als die gesetzlich erlaubten Propheten-Karikaturen selber. Wo bleiben die Empörung und der Aufschrei der ständigen Islamideologie-Befürworter für die armen Mordopfer im Namen des Islam? Die sind wohl alle schon unter "ferner liefen" abgehakt? Moralische Verkommenheit mache ich in erster Linie an den sich islamisch gebärdenden Mördern fest und nicht an Kunstzeichnern & Karikaturisten bzw. Lehrkräften, die Bilder zeigen und darüber aufklärend reden.
06.12.20
3:19
Ethiker sagt:
Wer Hass reproduziert ist ein Hassprediger. Diese Wissenschaftler sind nichts anderes als Hassprediger.
06.12.20
13:26
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