Bangladesch

Virus-Gefahr in Rohingya-Lagern

Hilfsorganisationen kritisieren die prekären hygienischen Verhältnisse in den Rohingya-Flüchtlingslagern in Bangladesch. Social Distancing sei dort unmöglich.

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06
2020
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Der Bundestag möchte die Rohingya stärker unterstützen. © shutterstock
Symbolbild: Rohingya-Muslime © shutterstock

Der Verband Caritas Internationalis hat angesichts der Corona-Pandemie auf prekäre hygienische Verhältnisse in den Rohingya-Flüchtlingslagern in Bangladesch hingewiesen. Social Distancing sei dort unmöglich, kritisierte die Hilfsorganisation am Freitag. Die Menschen müssten in überfüllten Behelfsunterkünften hausen und Gemeinschaftslatrinen benutzen. Mehr als 740.000 Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit waren 2017 von der Armee Myanmars gewaltsam vertrieben worden. Die meisten leben in Lagern des Distrikts Cox’s Bazar.

„Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus können nicht aufrechterhalten werden“, klagte Inmanuel Chayan Biswas, Sprecher des Rohingya-Hilfsprogramms der Caritas. Bislang seien in den Lagern 45 Covid-19-Fälle registriert worden, vier Infizierte seien gestorben. „Aber wir wissen nicht, wie genau diese Zahlen sind“, räumte Biswas ein. Die Dunkelziffer sei vermutlich deutlich höher. Und die medizinischen Einrichtungen in Bangladesch verfügten nicht über die nötigen Mittel, um Hunderttausende Flüchtlinge adäquat zu versorgen.

„Ihnen steht das Recht zu, in Würde zu leben“

Der Caritas-Experte forderte die internationale Gemeinschaft auf, dringend mehr für die Rohingya zu tun. „Ihnen steht das Recht zu, in Würde zu leben“, betonte Biswas. Es müsse etwas unternommen werden, um zusätzliches Leid für die Betroffenen zu verhindern. Caritas Internationalis ist der Dachverband von 165 nationalen Caritasverbänden; diese sind in rund 200 Ländern in der Not- und Entwicklungshilfe sowie in Sozialdiensten tätig.

Ein 71-jähriger Mann ist der erste Corona-Tote in den Flüchtlingslagern der Rohingya in Bangladesch. Er sei in einer Isolierstation im Lager Kutupalong im Bezirk Cox’s Bazar gestorben, berichtet das Nachrichtenportal „Dhaka Tribune“ (Dienstag). Mit rund 600.000 Rohingya ist Kutupalong das größte der Flüchtlingslager für insgesamt rund eine Million Rohingya.