FREITAGSPREDIGTEN, 19.06.2020

Halal handeln, Ego (Nafs) und Verwandtschaftsbeziehungen

Die Hutba (Freitagspredigt) wird beim wöchentlichen Freitagsgebet der Muslime gehalten und behandelt sowohl religiöse, als auch gesellschaftliche Themen. IslamiQ liefert jede Woche einen Überblick.

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Freitagspredigt
Symbolbild: Minbar, Freitagspredigt, Hutba

In der Freitagspredigt der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) geht es diese Woche um den Halal-Handel. Zu den guten und schönen Dinge gehöre alles, was halal und tayyib also „rein“ sei. Dazu gehöre auch der Verdienst und die Arbeit. Denn der Lebensunterhalt wirke sich auf die Spiritualität und auf die Ibâdas aus. Deshalb sei eines der ersten Dinge, die der Prophet Muhammad (s) in Medina unternahm, die Errichtung eines Marktes gewesen. In der Sure Mutaffifîn werden jene ausdrücklich gewarnt, die andere beim Handel und Verkauf betrügen. Deshalb solle man äußert behutsam sein, wenn es um Erwerb gehe.

Auch beim Verzehr dürfe nur erlaubtes und reines aufgenommen werden. Die Gelehrten vertreten in Bezug auf die koranischen Begriffe halal und tayyib die Meinung, dass als halal alles gelte, was dem Äußeren nach rein sei. Tayyib hingegen sei das eigene Gewissen in Bezug auf halal. Die wichtigste Voraussetzung für einen Halal-Lebensunterhalt sei die Aufrichtigkeit. Statt Habgier solle Baraka im Vordergrund stehen.

Das Ego (Nafs)

Die Freitagspredigt der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) thematisiert das Ego (nafs). Der Mensch als wertvollstes Geschöpf werde mit Angst, Hunger, Existenz und Kindern geprüft. Auch werde er mit Vermögen, Ämtern und Positionen geprüft. Eine der größten Prüfungen sei aber auch der Kampf des Menschen mit seinem Ego (nafs). Das Ego sei Quelle für negative Gefühle und unzulässige Wünsche. Ebenso für schlechten Charakter und böse Handlungen. Dennoch hätte der Mensch einen starken Willen und ein großzügiges Herz. Zur Unterscheidung des Richtigen vom Falschen schenkte Allah dem Menschen den Koran und Vorbilder.

Errettung finden die, die sich für das Richtige entscheiden. Verloren seien Menschen, die vor ihrem Ego niederknien und ihre Begierden nicht unter Kontrolle hätten. Einer der Söhne Adams, Kain, folgte seinem Zorn und Neid und tötete seinen Bruder Abel. Die Söhne Jakobs warfen ihren Bruder Yusuf aufgrund ihres Neides in den Brunnen. Die Pharaonen folgten stets ihren Egos und erlebten Erniedrigung und Strafe. Für den Gläubigen sei Wichtig, nicht den Ego zu verfluchen. Vielmehr sollen Gläubige ihr Ego erziehen und mit guten Charaktereigenschaften schmücken.

Die Pflege der Verwandtschaftsbeziehungen

Die Freitagspredigt des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) handelt von der Pflege der Verwandtschaftsbeziehungen (Sila-i Rahîm).  Der Islam messe dem gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen einen sehr hohen Stellenwert bei. Sie sollen miteinander kommunizieren und damit die Gemeinschaft stärken. Grundlage für ein funktionierendes Zusammenleben seien Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, gegenseitige Hilfe, Respekt und Herzenswärme.

Verwandte aufsuchen und sie besuchen, nach ihrem Befinden fragen, an ihrer Freude und an ihren Problemen und an ihrem Leid teilhaben, den Verwandten aushelfen sei wesentlicher Bestandteil der Ahlâk und Tugend eines Muslims.

Jeden Freitag blickt die IslamiQ-Redaktion auf die Freitagspredigten der muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland und gibt einen Überblick.