Neuseeland

Untersuchung zu Anschlägen von Christchurch verzögert sich

Das Schuldbekenntnis sollte den Prozess ohne Verzögerung zu Ende bringen. Nun verzögert sich aber die Untersuchung der Terroranschläge von Christchurch.

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04
2020
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Christchurch
Christchurch-Attentat; Gericht © Facebook, bearbeitet by iQ

Die offizielle Untersuchung der Terroranschläge von Christchurch verzögert sich wegen der Corona-Auflagen in Neuseeland. Ursprünglich sollte der Bericht am 30. April erscheinen, nun ist er für den 31. Juli geplant, wie Innenministerin Tracey Martin am Mittwoch ankündigte. Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen im März 2019 hatte ein 29 Jahre alter Rechtsextremist aus Australien 51 Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Die Untersuchungskommission soll klären, wie es zu der Tat kommen konnte, wie der Mann an die Waffen kam und auch die Arbeit der Sicherheits- und Geheimdienstbehörden unter die Lupe nehmen. Nach Ermittlerangaben arbeitet das Team während des Corona-Ausnahmezustands aus der Ferne weiter, kommt aber derzeit nicht an Informationen heran, die besonders gesichert sind. Während der Pandemie gelten in Neuseeland wie in vielen Ländern der Welt Beschränkungen für Arbeit und Alltag.

Angehörige der Christchurch-Opfer sollten bei Urteilsverkündung dabei sein können

Im Prozess um die Anschläge von Christchurch hatte sich der Attentäter im März per Videoschalte schuldig bekannt. Davor hatte er auf nicht schuldig plädiert. Die Namen der 51 Opfer seien dem Angeklagten vorgelesen worden. Auf die Frage, wie er plädiere, antwortete: „Ja, schuldig“.

Ein weiterer Gerichtstermin steht am 1. Mai an, aber wann das Urteil verkündet wird, ist noch unklar. Der Richter hatte deutlich gemacht, dass er möchte, dass die Angehörigen der Opfer bei der Verkündung dabei sein können. Das ist erst möglich, wenn die Beschränkungen in der Viruskrise weiter gelockert werden – das könnte allerfrühestens am 11. Mai passieren.

Das Attentat vom 15. März 2019 war das blutigste Gewaltverbrechen in der jüngeren Geschichte des Pazifikstaates. Dem Beschuldigten droht lebenslange Haft.

Ein Tag des Trauers

Am 15. März, ein Jahr nach dem Anschlag, trauerte die Welt an das schlimmste Verbrechen der Geschichte Neuseelands. Insgesamt starben 51 Menschen. Alle Muslime. Viele aus Ländern fernab von Neuseeland wie Bangladesch, Syrien oder Pakistan. Manche lebten seit vielen Jahren hier, andere erst seit ein paar Wochen. Der Jüngste war Neuseeländer von Geburt: ein Junge, nur drei Jahre alt. Der Älteste, ein Mann aus Afghanistan, wurde 71. So viele Tote gab es in dem Land auf der anderen Seite der Erdkugel bei einem Verbrechen noch nie. Fast alle sind auf dem Friedhof von Linwood begraben.

Die Bürgermeisterin, Lianne Dalziel, sagte: „Was damals geschah, ist ständig in meinem Kopf. Kein einziger Tag ist vergangen, ohne dass ich mich damit beschäftigen musste.“ Sie erinnerte an den Zusammenhalt und an die unglaubliche Unterstützung aus aller Welt, die sie bekommen hatten. Vor allem Premierministerin Jacinda Ardern bekam international großes Lob. Die Tage danach umarmte sie viel, trug Kopftuch, fand die richtigen Worte. Insbesondere schloss sie Neuseelands Muslime – etwa 40 000 – fest in die Gesellschaft ein: „Neuseeland ist ihre Heimat. Sie sind wir.“ (dpa, iQ)