Gewalt gegen Musliminnen

Initiativen verurteilen Gewalt gegen Musliminnen

Mehrere Musliminnen wurden in Berlin auf offener Straße angegriffen und rassistisch beleidigt. Vertreter von Initiativen sind alarmiert – auch von den Reaktionen auf die Vorfälle.

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03
2019
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Demonstrationsverbot
Symbolbild: Berlin © by Daniel Mennerich auf flickr.com (CC BY 2.0), bearbeitet IslamiQ

Nach mehreren Übergriffen auf Musliminnen in Berlin haben verschiedene Initiativen Alarm geschlagen. „Es kann nicht sein, dass Menschen aufgrund eines religiösen Symbols angegriffen werden“, sagte Ayse Demir vom Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg am Mittwoch.

Die Frauen würden angegriffen, weil sie nicht einer angeblichen deutschen Norm entsprächen. „Da fragen wir uns, wo der gesellschaftliche Aufschrei bleibt“, kritisierte Demir. Die fehlende Empörung führe dazu, dass sich ein großer Teil der muslimischen Gemeinde immer noch nicht als akzeptierter Teil der Gesellschaft fühle.

Die Berliner Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli (SPD), reagierte auf Twitter auf die Übergriffe mit den Worten: „Diese Angriffe gegen Muslime dürfen uns nicht kalt lassen“.

Anstieg antimuslimischer Vorfälle

Nach Angaben des Berliner Registers zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle gab es im vergangenen Jahr einen erneuten Anstieg antimuslimischer Vorfälle. Häufig seien Frauen betroffen, weil sie mit religiösen Symbolen wie einem Hijab sichtbarer seien, sagte die Sprecherin des Registers, Kati Becker.

Die Stelle erfasst seit drei Jahren diskriminierende Vorfälle für ganz Berlin. In der Hauptstadt sei ein immer stärkerer Rechtsruck zu spüren, sagte Demir. „Berlin hat sich viel zu lange auf dem Image einer weltoffenen und vielfältigen Stadt ausgeruht und nicht rechtzeitig gehandelt.“

Erst am Montag hatte ein Mann eine schwangere Frau am S-Bahnhof Neukölln wegen ihres Kopftuches beleidigt und ihr anschließend in den Bauch geboxt. Im Februar hatte die Polizei gewalttätige Angriffe auf drei jugendliche Musliminnen gemeldet. Ein Mädchen war dabei mit einer mutmaßlich mit Blut gefüllten Spritze angegriffen worden.

Auch der Berliner Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Dirk Behrendt (Grüne), beklagte den Anstieg rassistischer Übergriffe. Vor dem Internationalen Tag gegen Rassismus versprach Behrendt, der Berliner Senat wolle sein Engagement weiter auszubauen.

„Solidarität statt Ignoranz“

In der Pressemitteilung kritisiert die Antidiskriminierungsstelle Federation against Injustice and Racism (FAIR International) die rassistischen und islamfeindlichen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche. Auch die „physischen und psychischen Folgen bei den Betroffenen“ seien alarmierend. Dies bestätige zugleich, dass „rassistische Gewalt gegen Kinder immer weiter zunimmt“, berichtet FAIR International.

„Dass gerade auch junge kopftuchtragende Mädchen betroffen sind, ist unter anderem als Folge der andauernden stigmatisierenden Debatten, die auf ihrem Rücken ausgetragen werden, anzusehen“, so FAIR International. (dpa/iQ)