Pilgerfahrt

Hadsch – die Reise zu Allah

Die Pilgerfahrt (Hadsch) ist die größte spirituelle Reise eines jeden Muslims. Einmal im Leben soll ihn jeder Muslim durchführen. Einen Überblick über die Hadsch-Stationen und deren Bedeutung liefert Muhammed Suiçmez.

18
08
2018
Hadsch - Kaaba © Al Jazeera English auf flickr (CC BY 2.0), bearbeitet by IslamiQ.

Die muslimische Pilgerfahrt (Hadsch) ist der Höhepunkt im Leben eines jeden Muslims. Der Hadsch gehört zu den fünf Säulen im Islam. Jeder volljährige und gesunde Muslim – ob Mann oder Frau –, ist verpflichtet, die Pilgerreise nach Mekka anzutreten, wenn er denn die finanziellen Möglichkeiten dazu hat.

Bei der Hadsch treffen sich Menschen aus aller Welt. Sie haben unterschiedliche Ethnien und Kulturen, aber sie glauben an den einen Gott und daran, dass Muhammad (s) sein Gesandter ist. Die Pilger kommen mit der Intention, Allah zu dienen. Dies stärkt die Geschwisterlichkeit unter den Muslimen und fördert das gegenseitige Kennenlernen.

Die Wichtigkeit des Hadsch wird in zahlreichen Koranversen hervorgehoben. Seine Bestandteile und Stationen werden in der Sure Hadsch erläutert. Die Rechtsgelehrten definieren die Pilgerfahrt wie folgt: „Der Hadsch ist die Wallfahrt nach Mekka, um dort die gebotenen rituellen Handlungen während einer festgelegten Zeit zu vollziehen“. Aus dieser Definition lassen sich die drei Pflichten entnehmen: das Anlegen des Ihrâm-Gewands ist Farz (Pflicht), der Aufenthalt (Wakfa) auf dem Arafat und der Besuchs-Tawâf sind die Grundpfeiler (Rukn) des Hadsch.

Am 8. Tag des islamischen Monats Zulhidscha beginnt der Hadsch mit dem Eintritt in den sogenannten Weihezustand (Ihrâm). Äußerlich geschieht dies durch das Anlegen zweier weißer Tücher. Frauen tragen weiterhin ihre übliche Kleidung, allerdings wird auch für sie die Farbe Weiß empfohlen. Ein Pilger darf sich nach dem Eintritt in den Weihezustand nicht rasieren, keinerlei Haare von seinem Körper entfernen, seine Nägel nicht schneiden und keine Duftstoffe auftragen. Er darf keinen Geschlechtsverkehr haben, sich mit niemandem streiten, niemanden beleidigen oder verletzen. Diese Verbote unterstreichen die besondere spirituelle Bedeutung des Ihrâm-Zustandes. Durch die strikte Beachtung der Ihrâm-Verbote zügelt der Gläubige seine Triebseele und reinigt sich von seinen Sünden.

Arafat-Wakfa

Die Arafat-Wakfa ist einer der drei Pflichtbestandteile des Hadsch. Wakfa bedeutet, an einem bestimmten Ort für einen gewissen Zeitraum stehenzubleiben, und sei er auch nur äußerst kurz. Die Wakfa wird am neunten Tag des Monats Zulhidscha vollzogen, das heißt am Arafa-Tag, dem Vortag des ersten Opferfesttages. Hierzu begibt man sich sofort nach Sonnenuntergang nach Muzdalifa.

Die Arafat-Wakfa, bei der sich Hunderttausende Muslime zur gleichen Zeit auf einer großen Ebene versammeln, soll an den Tag des Jüngsten Gerichts erinnern. In Hitze und Staub, erschöpft von den Strapazen der vergangenen Tage, warten sie auf den Einbruch der Nacht. In keinem anderen Gottesdienst ist dieser Tag so präsent. Dieses große Ereignis so greifbar vor Augen zu haben, erleichtert es, Sünden aufrichtig zu bereuen und Allah aufrichtig um Vergebung zu bitten.

Steinigung des Teufels

Von Muzdalifa aus begeben sich die Pilger nach Mina, um hier eine weitere wichtige Ibâda (Gottesdienst) zu verrichten: die symbolische Steinigung des Teufels. Nachdem sie in Mina ihre Zelte bezogen haben, gehen sie zum „Großen Teufel“. Diese Steinsäule wird nacheinander mit sieben Kieselsteinen, die man zuvor in Muzdalifa gesammelt hat, beworfen.

Die drei Steinsäulen stehen symbolisch sowohl für den Teufel und seine Helfer, aber auch für unsere eigene Triebseele, die uns fortwährend Schlechtes befehlen. Mit der Steinigung der Teufel reißen wir uns von unseren Begierden los.

Die Hadschpilger, die den Teufel gesteinigt, ein Opfertier geschlachtet und schließlich ihre Kopfhaare geschnitten und den Ihrâm-Zustand verlassen haben, gehen, wenn möglich noch am gleichen Tag, zur Kaaba. Dort vervollständigen sie ihren Hadsch, indem sie den Besuchs-Tawâf ausführen und ggf. den Say. Say bedeutet, siebenmal zwischen den Hügeln Safâ und Marwa hin- und herzugehen.

Die Pilger, die diesen Tawâf und den Say ausgeführt haben, kehren wieder nach Mina zurück, und verbringen der Sunna gemäß die Festtage, einschließlich der Nächte dort. Am Nachmittag des zweiten Festtages begeben sich die Pilger zu den Dschamras, um nun auch den Kleinen Teufel sowie den Mittleren Teufel symbolisch zu steinigen. Auch am dritten Festtag begibt man sich noch einmal zu den Dschamras und steinigt die drei Teufel, beginnend mit dem kleinsten. Die Pilger können Mina nun verlassen.

Gleichheit vor Allah

Der Hadsch erinnert die Pilger daran, dass jeder Muslim, egal welcher Herkunft, egal ob reich oder arm, vor Allah gleichgestellt ist. Die Pilgerfahrt ist so gesehen eine Impfung und Erinnerung an die Gleichheit vor Allah.

Dies drückt sich auch in der Kleidung der Pilger aus. Alle Muslime kleiden sich mit dem Ihrâm-Gewand. Damit wird sowohl die Gleichheit betont, aber auch die Abhängigkeit von Geld und Konsumwaren abgemildert. Wer in dieser Kleidung seinen Gottesdienst verrichtet, dem wird vor allem klar, wie gleichgültig er sich zuvor gegenüber Armen und Bedürftigen verhalten hat. Der Hadsch stärkt somit auch die Barmherzigkeit der Muslime und ihre Freiheit. Muslime, die den Hadsch durchführen, fühlen sich sowohl dem Propheten und seinen Gefährten näher, als auch ihrem Schöpfer.

Wer den Hadsch aus voller Überzeugung und tiefem Glauben heraus verrichtet, dem werden einer Überlieferung zufolge die Sünden vergeben – vorausgesetzt er zeigt wirklich Reue und verfällt nicht in alte Fehler.

Leserkommentare

Laho sagt:
Wer es sich leisten kann gesundheitlich und finanziel, muß es einmal im Leben durchführen. Wenn er lieber sein Zeit und Geld fürs andere ausgibt, denn wird er dafür am Tag des Gericht ganz allein verantworten, da hilft nichts mehr oder keiner mehr. Wer es aber nicht kann gesundheitlich und finanziel, kann er es Zuhause durchführen,( pilgern ). in dem die Bedürftigen besucht Almosen gibt und nur gutes tut. also es kommt darauf an ob er es mit ganzem Herzen durchführt oder nur um anzugeben. Sowohl der nach Mekka Pilgert oder zuhause pilgert. Allah ( Gott ) allein nehmt es an oder nicht. . .
20.08.18
12:51
Charley sagt:
@Laho: diese ständige Angst der Muslime, vor Allah "durchs Sieb zu fallen" beschreibt den Charakter des Islam sehr gut: Angst und Ehrgeiz.... fehlt nur die Mitte! Leider! Und genau das ist dann auch in der mitmenschlichen Begegnung das Problem mit Moslems: Sie halten sich für etwas Besseres, weil sie sich ja "für "den wahren" Gott entschieden haben" und schauen herablassend (arrogant), mitleidig auf die "Unwissenden anderen" herab, oder sie werden (aus gekränkter Eitelkeit oder Missionsfanatismus) agressiv wegen der "Uneinsichtigkeit" der Ungläubigen. In der Summe stets das Moslemproblem: sie können sich nicht "von außen" anschauen, wie relativ und sektiererisch "ihre Vorstellung von Wahrheit" (!) ist. Das erste, was von eine göttlichen Welt zu erkennen ist, ist, dass es Gott nicht als "Du" gibt! Das können Sie bei allen Mystikern, gleich welcher Religion nachlesen. Aber das geht den Massenreligionen vermutlich in 1000 Jahren noch nicht ein! „Ich bin die (göttliche) Wahrheit“ (Anā l-ḥaqq أنا الحقّ) Al-Hallādsch.
26.08.18
22:52
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