Tschechien

Vorbild Pegida – Islamkritik auf dem Vormarsch

Was in Deutschland die Pegida ist, das ist in Tschechien der „Block gegen den Islam“. Er hat schon jahrealte Wurzeln. Am Samstag wollen die islamfeindlichen Bewegungen in vielen Städten Europas die Straße mobilisieren. Sie teilen sich dabei die Aufgaben.

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02
2016
Veranstaltungsplakat des "Blocks gegen den Islam" © Blok proti islamu

Der rote Kreis mit dem durchgestrichenen Minarett prangt auf Fahnen, Autoaufklebern und Ansteckbuttons. Es ist das Zeichen des tschechischen „Blocks gegen den Islam“, der von Prag bis Brünn auf dem Vormarsch ist. Mehr als 160 000 Anhänger hatte die Facebook-Seite der islamfeindlichen Gruppierung, als sie von dem Internetkonzern gesperrt wurde. An diesem Samstag wollen die Tschechen mit der fremdenfeindlichen Pegida aus Dresden den Schulterschluss üben – mit koordinierten Demonstrationen in Prag, Dresden und anderen europäischen Städten.

„Wir haben uns geeinigt, dass Pegida die Organisation in Westeuropa übernimmt und wir im ehemaligen Ostblock“, sagt Martin Konvicka. Der Hochschuldozent steht an der Spitze der tschechischen Islamfeinde. Das eigentliche Fachgebiet des 46-Jährigen ist die Schmetterlingskunde. Doch er genießt sichtlich die Aufmerksamkeit, die ihm sein selbstgewählter Kreuzzug einzubringen scheint.

Konvicka bezeichnet sich als „ewigen Rebellen, Provokateur und Amateur-Deislamisator“. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen Volksverhetzung, seit er gepostet hatte: „Als Wahlsieger werden wir euch, liebe Muslime, zu Fleisch- und Knochenmehl zermahlen.“

Da mag es paradox erscheinen, dass Konvicka selbst aus einer Art Flüchtlingsfamilie stammt. Seine Mutter floh als Tochter kommunistischer Partisanen mit der Familie aus Griechenland, sein Vater ist Tscheche, wie er selbst erklärt hat. Das hindert den aggressiven Redner nicht, die Willkommenskultur im Nachbarland scharf zu kritisieren. „Deutschland führt uns in den Abgrund“, erklärt er und warnt vor der Aufnahme von Flüchtlingen.

Rückenwind bekommt Konvicka von ganz oben: Präsident Milos Zeman sorgt immer wieder mit islamkritischen Parolen für Schlagzeilen. Mal warnt er vor der Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, in Tschechien, mal nennt er die islamische Welt eine feindliche „Antizivilisation“. Die Flüchtlingswelle ist für Zeman eine „organisierte Invasion“. Der Präsident rücke immer weiter nach rechts, kritisierte jüngst Ministerpräsident Bohuslav Sobotka.

Wer sich von wem hat inspirieren lassen – Pegida vom tschechischen Anti-Islam-Block oder umgekehrt – ist schwer zu sagen. Konvickas Bewegung „Wir wollen keinen Islam in Tschechien“ entstand 2009, die Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) fünf Jahre später. Beide verzeichneten erst vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise einen größeren Zulauf.

Der tschechische Antiislamismus sei etwas anderer Natur, sagte der Politologe Jiri Pehe der Deutschen Presse-Agentur. „Er ist nicht motiviert durch einen realen Zustrom von Flüchtlingen, sondern von einem einigermaßen theoretischen Hass auf den Islam als solchen“, meint der frühere Berater von Ex-Präsident Vaclav Havel.

Bei der Volkszählung von 2011 bekannten sich nur 1500 Menschen in Tschechien zum Islam. Hinter den Hassgefühlen sieht Pehe daher tieferliegende Probleme der tschechischen Gesellschaft. „Sie ist in sich geschlossen, hat allgemein Angst vor der Welt da draußen und ist sich ihrer eigenen Identität nicht sicher“, meint der Hochschuldozent.

Der Mehrheitsgesellschaft dienten offenbar Feindbilder dazu, sich selbst zu definieren. „Früher waren es die Roma, heute sind es die Muslime.“

Bis zur Gewalt ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. In Prag wurde ein Flüchtlingshelfer, selbst Muslim, von mutmaßlichen Neonazis mit einem Messer angegriffen und verletzt. Der 41-Jährige steht nun unter Polizeischutz. Seine tschechische Freundin, die sich ebenfalls ehrenamtlich engagiert, erhielt Morddrohungen.

Petr Honzejk, Kommentator der Zeitung „Hospodarske noviny“, beklagt, dass es nach dieser Gewalttat keinen Aufschrei gegeben habe. „Es ist, als ob die tschechische Gesellschaft lieber wegschaut“, notiert er und machte Präsident Zeman für die Radikalisierung mitverantwortlich. „Wenn der Präsident die Flüchtlingskrise als organisierte Invasion auslegt, dann kann das manch einer als Ruf zu den Waffen verstehen.“ (dpa)

Leserkommentare

Manuel sagt:
Es muss aber schon auch möglich sein Islamkritik üben zu dürfen ohne sofort ins rechte Eck gestellt zu werden oder gar als Rassist beschimpft zu werden. Auch die Moslems müssen es aushalten, dass ihr Religionsstifter kritisiert wird oder gewisse religiöse Praktiken, wie beispielsweise das Kopftuch, die Scharia oder die erzkonservative Sexualmoral.
07.02.16
11:12