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Terroranschläge haben wenig mit Religion zu tun

Freiburger Ökonom und Terrorismusforscher Tim Krieger geht davon aus, dass der Terrorismus ein Angriff sozialer Verlierer auf eine elitäre Gesellschaft, dessen Integrationspolitik gescheitert sei, ist. Er habe wenig mit Religion zu tun.

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Symbolfoto: Was bewegt junge Menschen dazu sich extremistischen Gruppen anzuschließen und in den Krieg zu ziehen? © by DVIDSHUB auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Nach Ansicht des Freiburger Ökonomen und Terrorismusforschers Tim Krieger haben die Attentate von Paris wenig mit Religion zu tun. Er sieht eher einen Angriff sozialer Verlierer auf eine elitäre Gesellschaft, deren Integrationspolitik gescheitert sei, sagte Krieger der „Badischen Zeitung“ (Freitag).

Als besonders gefährlich bewertet der Wissenschaftler Parallelwelten in manchen Vororten, über die selbst die Polizei keine Kontrolle habe: „Dort wohnen Tausende, die keine Chance sehen, je in die Gesellschaft integriert zu werden.“ Viele würden kleinkriminell und anfällig für islamistische Ideen.: „Diese Leute glauben, sie hätten nichts zu verlieren. Terrorgruppen wie der IS machen ein scheinbar verlockendes Angebot, vom Verlierer zu jemandem zu werden, über dessen Taten alle Welt spricht.“

In Frankreich und Belgien gelinge es so gut wie gar nicht, den unteren Teil der Gesellschaft am Wohlstand teilhaben zu lassen. Ein Grund dafür, so Krieger, sei eine Diskriminierung von Zuwanderern mit Wurzeln in islamischen Ländern.

Deutschland müsse in Anbetracht der vielen Flüchtlinge die Hürden für den Einstieg in den Arbeitsmarkt niedrig halten oder sogar senken, mahnte der Ökonom: „Wir sollten auch sehr sorgfältig darauf achten, dass mit Hinblick auf den Städtebau keine Ghettoisierung beginnt.“

Leserkommentare

Hatice sagt:
Khaled Alassadi: "Jeder spricht darüber, warum wir Muslime uns in Australien nicht genauso in die übrige Gesellschaft einfügen wie andere Einwanderergruppen. Diese Leute haben keine Ahnung. Wir werden uns nie integrieren. Meine Treue gehört, wie die jeden guten Muslims, in erster Linie dem Islam." Schon mal keine gute Voraussetzung. .....
20.11.15
18:20