Vatikan

Erklärung von drei Religionen gegen Euthanasie einmalig

Muslime, Juden und Christen haben das erste Mal gemeinsam ein Dokument gegen Euthanasie unterzeichnet. Initiator war der Rabbiner Avraham Steinberg.

31
10
2019
Dialog Symbolbild: Religion
Symbolbild: Religion © Perspektif, bearbeitet by iQ.

Der Vatikan hat eine Erklärung gegen Euthanasie von Vertretern drei verschiedener Religionen als historisch bezeichnet. Es sei das erste Mal, dass Muslime, Juden und Christen gemeinsam ein solches Dokument unterzeichneten, sagte Erzbischof Vincenzo Paglia, Leiter der Päpstlichen Akademie für das Leben, am Montag in Rom.

Bedeutend sei das am Vormittag im Vatikan unterzeichnete Dokument besonders angesichts von „äußeren Störungen“, etwa aus der Politik, welche eine gemeinsame Sichtweise der verschiedenen Religionen zum Umgang mit sterbenskranken Menschen verhindern wollten, so Paglia bei einer Pressekonferenz am Nachmittag.

„Religionen müssen zusammenarbeiten“

„Historisch ist nicht der Inhalt, der war für uns klar. Dass wir es gemeinsam gesagt haben und wir gemeinsam weiter daran arbeiten wollen, auch mit anderen Religionen, das ist meiner Meinung nach das Neue an der Erklärung“, so Paglia. Er betonte zudem, dass Scheich Abdullah Bin Bayah aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einer der maßgeblichen islamischen Unterzeichner, extra in den Vatikan gereist war. Der Scheich gilt als einer der am meisten respektierten Gelehrten des sunnitischen Islam.

Am Vormittag hatten neben ihm Vertreter des Vatikan, des Großrabbinats von Israel und einer muslimischen Organisation aus Indonesien eine gemeinsame Erklärung zum Umgang mit sterbenskranken Patienten unterzeichnet. Diese spricht sich gegen Euthanasie und assistierten Suizid aus. Das achtseitige Positionspapier wirbt dafür, Palliativmedizin zu stärken, sowie für die Gewissensfreiheit von Ärzten und Pflegern.

„Euthanasie und assistierter Suizid sind von Natur aus und in der Konsequenz aus moralischer wie religiöser Sicht falsch und sollten ausnahmslos verboten werden. Jeglicher Druck auf Todkranke, ihr Leben durch aktives und vorsätzliches Handeln zu beenden, wird kategorisch abgelehnt“, heißt es etwa in dem Dokument.

„Euthanasie muss vermieden werden“

Islamische Werte und Lehren stimmten überein, dass Euthanasie vermieden werden müsse und gemäß der Scharia Lebensschutz bis zum Ende das Ziel sei, sagte Kyai Marsudi Syuhud als Sprecher der indonesischen Nahdlatul Ulama, die 50 Millionen Muslime im Land vertreten.

Initiator der Erklärung war der Co-Präsident des Nationalen israelischen Bioethikrats, Rabbiner Avraham Steinberg. Er sagte, es gebe in vielen westlichen Ländern einen „Trend zur Legalisierung von Euthanasie“, die diese als „guten Tod“ bezeichnete. „Aber es ist Tötung.“ Andere Länder gingen nicht so weit, erlaubten jedoch assistierten Suizid. „Wir wollen nicht, dass Menschen getötet werden, um vermeintlich ihr Leid zu lindern, sondern ihr Leid im Leben lindern“, so Steinberg. Er forderte gute Palliativmedizin.

Von jüdischer Seite wurde die gemeinsame Verlautbarung von einem Vertreter des Oberrabbinats Israels und von muslimischer Seite von einem Vertreter der Ulema Indonesiens ratifiziert. Auch weitere Vertreter der drei Religionen unterzeichneten das Dokument. Für die katholische Kirche waren die Kurienkardinäle Kurt Koch (Ökumene), Miguel Ayuso (interreligiöser Dialog) und Peter Turkson (Entwicklung und Gesundheit) sowie Erzbischof Paglia anwesend. Auch ein Vertreter des russisch-orthodoxen Metropoliten Hilarion nahm an der Zeremonie teil.

Die interreligiöse Erklärung entstand laut Paglia in anderthalbjähriger Arbeit einer interreligiösen Gruppe unter Leitung der Päpstlichen Akademie für das Leben. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
„Euthanasie und assistierter Suizid sind von Natur aus und in der Konsequenz aus moralischer wie religiöser Sicht falsch und sollten ausnahmslos verboten werden." Religionsgemeinschaften sollten sich auf Verhaltensanleitungen für ihre Anhänger beschränken. Leider versuchen Muslime, Juden und Christen gerade bei dieser Thematik die ganze Gesellschaft zu bevormunden und auf die staatliche Gesetzgebung Einfluss zu nehmen. Das ist nicht legitim! In Berlin gehören zwei Drittel der Bevölkerung keiner dieser Religionsgemeinschaften an. Für mich ist es wichtiger Ausdruck der Menschenwürde, dass einem Individuum rechtlich die Freiheit eingeräumt wird, unter strengen Auflagen das Ende des eigenen Lebens selbst veranlassen zu können. Mit Inkrafttreten des Gesetzes 2001 waren die Niederlande das weltweit erste Land, das die aktive Sterbehilfe zulässt. Ähnliche Gesetze traten wenig später mit dem Gesetz über die Sterbehilfe in Belgien und dem Gesetz über Sterbehilfe und assistierten Suizid in Luxemburg in Kraft. Nach fast zwei Jahrzehnten praktischer Erfahrung zeigt sich, dass man möglichem Missbrauch durch rechtliche Bedingungen wirksam verbeugen kann. Diese positiven Beobachtungen in den Benelux-Staaten sollten für den deutschen und österreichischen Gesetzgeber maßgeblicher sein als die Meinung von Religionsvertretern
31.10.19
13:18