Opferfest

Können muslimische Schüler vom Unterricht befreit werden?

Am Dienstag begehen Muslime weltweit das Opferfest. Manche Schülerinnen und Schüler möchten das Fest feiern und sich vom Unterricht befreien. Doch in welchem Bundesland ist dies möglich? IslamiQ gibt einen Überblick.

16
08
2018
Unterricht,Schule
Symbolbild: Unterricht, Schule © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Eine flächendeckende einheitliche Lösung zur Befreiung vom Schulunterricht für muslimische Schüler an islamischen Feiertagen ist in Deutschland nicht in Sicht. Die Gestaltung religiöser Feiertage liegt in der Verantwortung der Länder. Deshalb unterscheiden sich Feiertagsregelungen von Bundesland zu Bundesland. 

Im Allgemeinen haben Eltern aus bestimmten religiösen Gruppen das Recht, an bestimmten religiösen Feiertagen einen Antrag auf Freistellung zum Schulbesuch für ihre Kinder zu stellen. Jedoch gilt die Beurlaubung nur für den ersten Tag des jeweiligen Fests. Der Antrag muss schriftlich beim Klassenlehrer oder beim Schulpersonal eingereicht werden.

In zehn von 16 Bundesländern ist es möglich, einen Antrag auf Freistellung vom Unterricht zum Opfer- und Ramadanfest von der Teilnahme am Unterricht zu befreien. Diese sind:

  • Schleswig-Holstein
  • Niedersachsen
  • Brandenburg
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Baden-Württemberg
  • Bayern

Dies bedeutet: in diesen Bundesländern können muslimische Eltern ihre Kinder für den ersten Tag des Opferfestes, also für Dienstag den 21. August, von der Teilnahme am Unterricht und sonstigen schulischen Veranstaltung befreien.

Bremen, Hamburg und Berlin

In Bremen, Hamburg und Berlin sind die islamischen Feiertage den christlichen Feiertagen gleichgesetzt. Muslimische Schülerinnen und Schüler aller Schularten und Bildungsgänge in Berlin und Bremen am ersten Tag des jeweiligen Feiertags unterrichtsfrei, eine schriftliche Beurlaubung ist nicht erforderlich. In Hamburg genügt es, dass Schülerinnen und Schüler das Lehrpersonal darüber informieren, dass sie am ersten Tag des Opferfests nicht am Unterricht teilnehmen werden.

In Hessen sind die Regelungen ähnlich wie in den anderen Bundesländern. Ein Antrag auf Schulbefreiung am Opfer- und Ramadanfest muss rechtzeitig durch die Eltern bei der Schulleitung gestellt werden. Jedoch sind Schülerinnen und Schüler, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, auf ihren Antrag vom Unterricht freizustellen.

Keine gesetzliche Regelungen vorhanden

In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine gesetzlichen Regelungen. Aus diesem Grund können Schulen im Einzelfall selber entscheiden, ob sie ihre Schülerinnen und Schülern zu ihren religiösen Feiertagen beurlauben.

Am Dienstag, den 21. August feiern Muslime aus aller Welt das diesjährige Opferfest (arab: Id al-Adha, türk.: Kurban Bayramı). Das Opferfest dauert insgesamt vier Tage. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin befinden sich die Schülerinnen und Schüler noch in den Sommerferien, so dass ein Antrag auf Beurlaubung nicht notwendig ist.

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
„Allgemeinen haben Eltern aus bestimmten religiösen Gruppen das Recht, an bestimmten religiösen Feiertagen einen Antrag auf Freistellung zum Schulbesuch für ihre Kinder zu stellen.“ Das sollte dringend geändert werden, da es klar dem europäischen Gleichbehandlungsrecht widerspricht. Eltern sollten unabhängig von ihrem Glauben oder Unglauben und ihren religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen ein gesetzliches Anrecht auf die gleiche Zahl an Tagen zuerkannt bekommen, an denen sie ihre Kinder aus ihnen wichtig erscheinenden Gründen vom Unterricht befreien lassen können. Ich würde allen - auch muslimischen - Eltern empfehlen aus dem überkommenen Scheuklappendenken alter Traditionen auszubrechen und sich besser für den 8. Mai zu entscheiden, um dem Ende des 2. Weltkriegs zu gedenken. Das ist ein Anlass zur Freude für alle Menschen! Dass Abraham, der im Übrigen eine rein mythologische Figur ist und nie real gelebt hat, aus blindem Befehlsgehorsam sogar bereit gewesen wäre seinen Sohn zu töten, ist für mich hingegen wahrlich kein Grund zu feiern. Gerade solch blinde Autoritätshörigkeit hat große Katastrophen wie den Faschismus und den 2.Weltkrieg erst ermöglicht. Darin liegt nichts Heldenhaftes, das Bewunderung verdient.
16.08.18
18:11
Dilaver Çelik sagt:
@Ute Fabel Dass Sie selbst muslimischen Schülern und Schülerinnen nicht einmal zugestehen wollen, sich anlässlich islamischer Feste für einen Tag (insgesamt zwei Tage im Jahr) aus dem Unterricht befreien zu lassen, obwohl das schon seit Jahren gängige und weitgehend akzeptierte Praxis ist und der verpasste Schulstoff schnell nachgeholt wird, zeigt einmal mehr Ihre zutiefst religionsfeindliche Einstellung, welche entschieden zu verurteilen und nicht zu tolerieren ist.
19.08.18
15:50
Johannes Disch sagt:
@Dilaver Da haben Sie völlig recht. Das ist Religionsfeindlichkeit pur, die man hier lesen kann. Und dafür wird auch noch das Gleichbehandlungsprinzip verbogen und instrumentalisiert. Gleichbehandlung bedeutet nicht Gleichmacherei. Religionsfreiheit ist in der EU-Charta als Menschenrecht garantiert. Man kann also mit europäischem Recht auch ganz einfach für die Freistellung argumentieren. Meine Güte, es handelt sich um 2 Tage. Seit Jahren wird die Freistellung bei uns in so ziemlich allen Bundesländern praktiziert. Man sollte das nicht zum Problem pushen.
20.08.18
11:25
Ute Fabel sagt:
@ Dilaver Celik: Muslimische Kinder gibt es genauso wenig wie AfD-Kinder. Es gibt nur Kinder muslimischer Eltern und Kinder von Eltern, die die AfD wählen. Lesen Sie mein erstes Posting nochmals genau! Ich befürworte, dass alle Eltern das gleiche Anrecht auf schulfreie Tage für ihre Kinder zuerkannt bekommen - ganz gleich welche religiöse oder nichtreligiöse Weltanschauung sie haben.
20.08.18
20:27
Dani Brutten sagt:
Wer schreibt, dass gewissen Meinungen nicht zu tolerieren sind hat ein Problem mit Toleranz. Sie könnten auch mit Argumenten dagegen vorgehen. In der, als rassistisch verschrienen, Schweiz sieht vielerorts die Lösung so aus, dass alle Schüler an 2 selbgewählten Tagen ohne Angabe der Gründe schulfrei machen dürfen. Nur Prüfungen darf nicht ausgewichen werden.
21.08.18
14:35