"Import-Imam" Debatte

DITIB weist Vorwürfe um „Import-Imame“ zurück

Die Debatte über die ausländische Finanzierung islamischer Religionsgemeinschaften in Deutschland hält an. Diverse Politiker forderten ein schnelles Ende der sogenannten „Import-Imame“ und griffen vor allem die DITIB an. Die hat nun die Vorwürfe zurückgewiesen und bekam Unterstützung vom ZMD und dem Islamrat.

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04
2016
Imam
Symbolbild: Imame sind wichtig für die Moscheegemeinden © by Luigi Torreggiani auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Der Streit um den Einfluss der Türkei auf den Islam in Deutschland geht weiter: Die Türkisch-Islamische Union (DITIB) hat in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung Stellung zu der aktuellen Debatte genommen und weist die Vorwürfe zurück. Angefacht wurde der Konflikt durch die Forderung des CSU-Politikers Andreas Scheuer nach einem deutschen Islamgesetz und der Beendigung der Finanzierung von Moscheen oder islamischen Kindergärten aus dem Ausland: „Die Nähe von Ditib zu Erdogan ist bekannt und mehr als bedenklich, denn die Erdogan-Türkei entfernt sich immer weiter von den Grundwerten des aufgeklärten Europas.“

Die Debatte gipfelte in einem „Welt am Sonntag“ Artikel, der ebenfalls die DITIB als Zielscheibe unterschiedlichster Vorwürfe hatte. DITIB nannte den Artikel „ein Sammelsurium aus Unterstellungen, kruden Kausalzusammenhängen und Versatzstücken von Einzelfällen, die in einen unheilvollen Zusammenhang gebracht werden“, die bewusst die „jahrzehntelang hervorragende Arbeit der Ditib, instrumentalisieren und opfern“.

Zwar gebe es sowohl Politiker als auch Journalisten, die den Beitrag der DITIB zum sozialen Frieden in der Gesellschaft betonen, doch vorhanden seien „ebenfalls Akteure, die aus ideologischer Verblendung“ heraus, die DITIB und ihre Imame angegriffen und falsche Behauptungen aufgestellt haben.

Außerdem sei die Kritik an den sogenannten „Import-Imamen“ laut DITIB haltlos, denn die, „die ein falsches, gefährliches Islamverständnis predigen“, seien oftmals, „deutscher Herkunft“. Dies zeige laut DITIB deutlich, dass nicht die verwendete Sprache, sondern das jeweilige Islamverständnis und „die Vermittlung dessen entscheidend“ ist. Weiter betont die DITIB, dass die momentan kritisierten Imame „den gesellschaftlichen Frieden, die Geschwisterlichkeit, gegenseitige Achtung und Respekt vor anderen Menschen und Religionen und die Aufrichtigkeit“ über Jahrzehnte gelehrt und vermittelt haben. Deshalb sei ein Angriff auf die DITIB und ihre Imame, „so gesehen langfristig ein Angriff gegen den gesellschaftlichen Frieden.“

Auch Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) weist die Forderung zurück, den sogenannten „Import“ von Imamen aus der Türkei zu stoppen. Der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag), diese Forderung sei „verfassungswidrig, von Doppelmoral durchzogen und nicht zielführend, weil sie Fanatiker stärkt“.

„Die Ditib-Imame sind verfassungstreu, predigen einen gemäßigten Islam“, widersprach Mazyek der oft geäußerten Kritik. Sie trügen so wesentlich zum „Bollwerk gegen Fanatiker und Radikale“ bei. Würde man diese Imame jetzt alternativlos absetzen, würde das die Extremisten stärken, so der Zentralratsvorsitzende.

Der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Burhan Kesici, findet die Angriffe auf die Imame und die DITIB ebenfalls für „ungerechtfertigt“. IslamiQ teilte er mit, dass die Imame „in Deutschland sehr gute Arbeit leisten“, auch in Bezug auf die Integration der Muslime. In dem Punkt, dass die Predigt in den jeweiligen Sprachen gehalten werden, sehe Kesici „keine Probleme“. Die Imame können die gute Arbeit „in ihrer Muttersprache gewährleisten, die keineswegs eine Integration verhindert.“ Viele kämen in ihrer Muttersprache besser zurecht und das sei in Anbetracht der Tatsache, dass auch andere nicht-muslimische Religionsgemeinschaften in Deutschland ebenfalls in anderen Sprachen predigen, nicht verwerflich, so Kesici.

In den letzten Tagen hatte unter anderem der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kritisiert, die Ditib sei „nichts anderes als der verlängerte Arm des türkischen Staates“. Die türkische Regierung mache DITIB immer mehr zu einer politischen Vorfeldorganisation der Regierungspartei AKP in Deutschland.

Dagegen hatte das Bundesinnenministerium DITIB gelobt und betont, der Verband arbeite „kontinuierlich und konstruktiv in der Deutschen Islamkonferenz mit“. (KNA, iQ)

 

 

Leserkommentare

Manuel sagt:
DITIB untersteht der türkischen Religionsbehörde Diyanet und die untersteht wiederum dem türkischen Ministerpräsident und der untersteht wiederum Erdogan und Erdogan ist ein Akteur des politischen Islams. Klar, dass es DITIB nicht passt, wenn da künftig ein Riegel vorgschoben wird, würde doch Erdogan seinen Einfluß verlieren, der ja schon bis in die deutsche Justiz reicht.
27.04.16
20:57
Andreas sagt:
Die aufgestellten Forderungen, "Import-Imame" zu verbieten bzw. ein Deutsches Islamgesetz zu erlassen, sind ein deutlicher Verstoß gegen das Grundgesetz, da sie einen ziemlichen Eingriff in die Religionsfreiheit darstellen und das Recht auf Selbstbestimmung der muslimischen Gemeinden stark einschränken. Die hinzugezogenen Argumente sind größtenteils lediglich Diffamierungen, die jeder Grundlage entbehren. Von Einzelfällen einmal abgesehen.
28.04.16
10:59
Manuel sagt:
@Andreas:Genau und Erdogan ist ein aufrechter Demokrat, der die Meinungsfreiheit aufrecht erhält, keine islamkritische bzw. regierungskritische Jouranlisten einsperrt, die Türkei nicht islamisiert und der auch keine Minderheiten unterdrückt, stimmts? DITIB ist der verlängerte Arm Erdogan und seines politischen Islams, gefällt Ihnen offenbar, ok. Weiters finden Sie auch offenbar nichts daran, wenn Imame aus dem mittelalterlich anmutenden Nahen Osten importiert werden und damit den islamischen Parallelgesellschaft Vorschub leisten, EIN Neu-Kölln ist Ihnen offenbar zu wenig.
29.04.16
13:24
Charley sagt:
@Andreas: Sie schreiben "Die hinzugezogenen Argumente sind größtenteils lediglich Diffamierungen, die jeder Grundlage entbehren. Von Einzelfällen einmal abgesehen." Da haben Sie leider Pech, denn der Deutschlandfunk hat inzwischen die Satzung des DITIB analysiert, wo das prinzipielle Bestimmungsrecht der türkischen Regierung ("Ministerpräsident") über Diyanet in die DITIB hinein in der Satzung nachgewiesen werden kann. Also "prinzipiell" und nicht "Einzelfälle". Da haben Sie sich zu weit aus dem Fenster gelehnt!
11.01.17
14:47