Umfrage

Menschen sehen immer mehr Hass gegen Andersgläubige im Netz

Hasserfüllte Inhalte sind im Netz sehr präsent. Immer mehr Menschen sind ihnen laut einer aktuellen Umfrage in NRW schon einmal begegnet. Dabei geht es um Aussehen und Glaube, aber zunehmend auch um Politik.

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Hass, Hasskriminalität
Symbolbild: Hass ist keine Meinung - Plakat auf einer Demo © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Immer mehr Deutsche sehen im Internet immer mehr Hass gegen immer mehr gesellschaftliche Gruppen. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, die am Dienstag in Düsseldorf veröffentlicht wurde. Demnach begegnen 79 Prozent der Befragten im Internet Hassrede. 45 Prozent sehen sie der eigenen Einschätzung nach häufig oder sehr häufig.

Besonders stark angestiegen ist die Wahrnehmung von Hass gegen Menschen mit anderen politischen Überzeugungen oder anderem Glauben. 59 Prozent der Befragten haben schon einmal Hasskommentare gegen Personen mit anderer politischer Einstellung gesehen. Bei der letzten Befragung 2024 waren es noch 49 Prozent. Hass gegenüber Andersgläubigen haben schon 32 Prozent im Netz entdeckt (2024: 23 Prozent). Ebenfalls 32 Prozent sahen diesen Hass explizit gegen Muslime gerichtet, 25 Prozent gegen Juden.

Weiter hoch sind die Zahlen für Hassrede gegen Politiker (57 Prozent), gegen Menschen mit Migrationshintergrund (51 Prozent) und gegen queere Menschen (49 Prozent). Ebenfalls knapp die Hälfte hat schon hasserfüllte Beiträge über Frauen und über Menschen, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, gesehen. Einen leichten Rückgang gibt es bei der Wahrnehmung von Hassrede gegen Klimaaktivisten und Asylsuchende, doch auch hier liegen die Zahlen noch bei etwa 40 Prozent.

Politische Polarisierung führt zu extremen Äußerungen

„Wenn die Ergebnisse dieser Befragung eines deutlich machen, dann, dass unser demokratisches Zusammenleben keine Selbstverständlichkeit ist“, so Tobias Schmid, Chef der Landesmedienanstalt NRW. Die Vermutung liege nahe, dass die zunehmende Polarisierung der politischen Diskussionen extreme Haltungen oder zumindest Äußerungen salonfähig mache.

„Keine Vermutung, sondern ein Faktum ist, dass die sogenannten Sozialen Medien ihrer Verantwortung trotz unzähliger Zusagen nicht gerecht werden“, kritisiert Schmid. Sie seien zwar nicht die Ursache, aber der Brandbeschleuniger bei der Ausbreitung, so Schmid weiter.

74 Prozent sind im Netz auf rechtsextreme Inhalte begegnet

Ähnlich hoch wie die Wahrnehmung von Hassrede ist die Wahrnehmung von extremistischen Inhalten. 78 Prozent der Befragten sind ihnen im Netz schon begegnet. Bei den unter 24-Jährigen liegt der Wert sogar bei 86 Prozent. Dabei geht es vor allem um rechtsextreme Inhalte (74 Prozent), mit Abstand folgen dann antisemitische Inhalte (45 Prozent), linksextreme Inhalte (43 Prozent) und religiös extreme Inhalte (41 Prozent).

Für die Umfrage wurden im Sommer 2026 gut 1.000 Menschen per Online-Fragebogen befragt. Die Ergebnisse beschreiben nur die Wahrnehmung der befragten Menschen, nicht die tatsächliche Menge an Hassrede oder extremistischen Inhalten im Internet. (KNA, iQ)