Bosnien-Genozid

Opferverbände warnen vor Verlegung von Ratko Mladić nach Serbien

Opferverbände des Bosnien-Genozids lehnen eine mögliche Verlegung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić nach Serbien entschieden ab.

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04
2026
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Der ehemalige serbische General Ratko Mladić © Anadolu Images, bearbeitet by iQ.
Der ehemalige serbische General Ratko Mladić © Anadolu Images, bearbeitet by iQ.

Verbände von Überlebenden und Angehörigen des Bosnien-Genozids haben sich entschieden gegen eine mögliche Verlegung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić nach Serbien ausgesprochen. In einem am Samstag veröffentlichten Schreiben an die Präsidentin des Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), Graciela Gatti Santana, erklärten fünf Opferverbände, eine solche Entscheidung wäre für die Familien der Opfer eine „schwere Ungerechtigkeit“.

Mladić war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilte den ehemaligen Armeechef der bosnischen Serben wegen Genozids in Srebrenica, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und weiterer Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft.

Mladić wird in Serbien bis heute glorifiziert

Trotz der rechtskräftigen Verurteilung wird Mladić in Teilen Serbiens bis heute glorifiziert. Seine Verteidigung versuchte in den vergangenen Jahren mehrfach, eine vorzeitige Entlassung aus gesundheitlichen Gründen zu erreichen.

Nach Angaben seiner Familie erlitt der 84-Jährige vor zwei Wochen einen Schlaganfall und befinde sich in einem „dramatisch schlechten“ Gesundheitszustand. Sein Anwalt beantragte am Freitag, Mladić vorläufig aus der Haft zu entlassen, damit er in Serbien medizinisch behandelt werden könne.

Die Opferverbände warnten, eine Zustimmung zu dem Antrag würde die Überlebenden erneut demütigen und das Vertrauen in die internationale Justiz erschüttern. Mladić habe sich jahrelang mit Unterstützung genau jenes Staates der Strafverfolgung entzogen, in den er nun verlegt werden solle.

Beim Genozid von Srebrenica im Juli 1995 ermordeten bosnisch-serbische Einheiten mehr als 8.372 bosniakische Männer und Jungen, Frauen und Kinder. Internationale Gerichte stuften die Verbrechen als Genozid ein.