Kassel

Stadt schafft neue Grabfelder für Muslime

Die Nachfrage nach muslimischen Bestattungen steigt deutlich. Nun reagiert die Stadt Kassel und erweitert erstmals seit Jahren ihre Kapazitäten.

09
04
2026
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Islamische Bestattungen
Symbolbild: Muslimisches Grabfeld

Die Stadt Kassel reagiert auf eine wachsende Nachfrage: Künftig sollen muslimische Bestattungen nicht mehr nur auf dem Westfriedhof möglich sein, sondern auch auf dem Hauptfriedhof in der Nordstadt. Damit trägt die Friedhofsverwaltung einer Entwicklung Rechnung, die sich seit Jahren abzeichnet.

Bislang war der Westfriedhof Kassel der zentrale Ort für muslimische Erdbestattungen. Seit 1986 werden dort Gläubige beigesetzt, seit 2014 sind auch sarglose Bestattungen aus religiösen Gründen erlaubt. Das bestehende Gräberfeld, dessen Ausrichtung nach Mekka von einem Geistlichen vorgenommen wurde, stößt jedoch zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen.

Neues Grabfeld ab Juni

Nach Angaben der Friedhofsverwaltung sind inzwischen rund 570 Muslime dort bestattet. Pro Jahr kämen derzeit mindestens 69 weitere Beisetzungen hinzu, sagt der Leiter der städtischen Friedhöfe, Eckehart Göritz. Deshalb sollen ab Juni neue Flächen auf dem Hauptfriedhof Kassel genutzt werden. Auch dort sei eine Ausrichtung der Gräber nach Mekka möglich.

Ein erstes Treffen mit 17 muslimischen Vereinen aus Kassel sei „sehr angenehm“ verlaufen, berichtet Göritz. Zwar fehle auf dem Hauptfriedhof bislang ein Raum für die rituelle Waschung der Verstorbenen, doch könne diese in nahegelegenen Moscheen erfolgen.

Muslime lassen sich in Deutschland bestatten

In der muslimischen Gemeinschaft wird die Entscheidung begrüßt. Der Kasseler Bestatter Ibrahim Taşdemir spricht von einem wichtigen Schritt. Während viele Angehörige der ersten Gastarbeitergeneration noch eine Bestattung im Herkunftsland bevorzugt hätten, entscheide sich die jüngere Generation zunehmend für ein Grab in Deutschland. „Ich bin hier geboren und möchte auch hier beigesetzt werden“, sagt der 35-Jährige. Nach seinen Angaben finden inzwischen rund 80 Prozent der von ihm begleiteten Bestattungen in Kassel und der Region statt.