Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag von Hanau haben Familie, Freunde und Unterstützer des getöteten Hamza Kurtović bei einem Iftar an ihn erinnert. Bei der Gedenkfeier wurde auch Kritik an der Aufarbeitung der Tat laut.

Mit Gebeten und einem Iftar haben Verwandte und Freunde des vor sechs Jahren bei dem rassistischen Anschlag in Hanau getöteten Hamza Kurtović gedacht. Unter den Gästen war auch Alt-Bundespräsident Christian Wulff. Er rief bei seiner Eröffnungsrede im Zentrum der Bosnisch-Islamischen Kulturgemeinschaft Hanau zum entschlossenen Eintreten für Vielfalt und Toleranz auf.
„Ich denke, dass wir die Aufgabe haben, hinauszugehen und mutig für unser Land als ein Land der Vielfalt zu streiten, für die bunte Republik verschiedener Menschen, verschiedener Herkünfte, verschiedenen Aussehens, verschiedener sexueller Neigung, verschiedener Religionen“, sagte Wulff am Donnerstagabend. Zuvor hatte er gemeinsam mit Armin Kurtović, dem Vater von Hamza Kurtović, das Grab des Ermordeten besucht.
Wulff, der seit Jahren mit der Familie Kurtović befreundet ist, kritisierte, dass in Deutschland manchmal bei Diskriminierungen weggeschaut werde. „Da können wir, glaube ich, alle noch ein Stück besser werden – und das sollten wir gemeinsam tun.“
An der Feier nahmen unter anderem auch die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und Oliver Dainow, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Hanau, teil.
In Hanau hatte am 19. Februar 2020 ein 43-jähriger Deutscher zehn Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst. Am sechsten Jahrestag des Anschlags hatten Vertreter des Landes Hessen, der Stadt Hanau und des Bundes in einem stillen Gedenken an die Opfer erinnert. Armin Kurtović war der offiziellen Veranstaltung ferngeblieben.
Die Familie kritisiert die Arbeit der Ermittlungsbehörden und die juristische Aufarbeitung der Morde. Dabei geht es unter anderem um die Verantwortung für einen verschlossenen Notausgang am zweiten Tatort, einer Bar im Stadtteil Kesselstadt. Dort war Hamza Kurtović erschossen worden.
Armin Kurtović und seine Frau Dijana riefen im vergangenen November wegen des Todes ihres Sohnes das Bundesverfassungsgericht an. Sie werfen den Ermittlungsbehörden vor, die Hintergründe der Tat nicht ausreichend untersucht zu haben. Zuvor waren sie mit ihrem Versuch gescheitert, neue Ermittlungen über eine sogenannte Klageerzwingung durchzusetzen. Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte die Anträge der Eltern als unzulässig verworfen. (dpa, iQ)