Würzburg

Tatverdächtiger in Psychiatrie eingewiesen – kein extremistisches Motiv

Der Messer-Angreifer von Würzburg kommt in eine psychiatrische Klinik. Ermittlungen zufolge gibt es keine Hinweise auf ein extremistisches Motiv.

23
07
2021
Symbolbild: Kerzen für die Opfer in Würzburg
Symbolbild: Kerzen für die Opfer in Würzburg © shutterstock, bearbeitet by iQ

Dreieinhalb Wochen nach der tödlichen Messerattacke in Würzburg ist der Beschuldigte am Dienstag einstweilig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden. Wie die Münchner Generalstaatsanwaltschaft und das Bayerische Landeskriminalamt mitteilten, war der Verdächtige zur Tatzeit möglicherweise schuldunfähig.

Das ergebe sich aus der vorläufigen psychiatrischen Begutachtung. Zwei Sachverständige seien beauftragt, ihr abschließendes Gutachten werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Mutmaßungen über ein extremistisches Motiv und einen Zusammenhang mit religiösen Überzeugungen haben sich bisher nach Auskunft der Ermittlungsbehörden nicht bestätigt. In die Analyse des Tatgeschehens seien auch Islamwissenschaftler eingebunden, hieß es. Die Auswertung der beiden Mobiltelefone des Tatverdächtigen aus Somalia habe keine Hinweise auf Propagandamaterial, auf sonstige extremistische Inhalte oder Mitwisser ergeben. Der Mann lebte als Asylbewerber in einer Obdachlosenunterkunft und war vor der Tat mehrfach psychiatrisch behandelt worden.

Am 25. Juni waren in Würzburg drei Frauen mit einem Messer getötet und acht weitere Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Polizisten stoppten den Angreifer mit einem Beinschuss. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Ein psychisch Kranker muss nur auf der Straße tätlich Menschen angreifen und dabei "Allahu akbar" rufen, und schon machen die Medien daraus einen "islamistischen" Terroranschlag. Und die frommen Muslime und ihre VertreterInnen müssen das dann ausbaden. Schon oft passiert. Für die Hinterbliebenen macht es keinen Unterschied, wer ihre Herzallerliebsten aus dem Leben gerissen hat. Ausschließlich denen gilt mein Beileid. Es ist nicht einfach, mit der Tatsache zu leben, dass ein geliebter Mensch nicht mehr am Leben ist, nur weil jemand wieder einmal seine Medikamente abgesetzt hat und deshalb verrückt geworden ist.
23.07.21
15:59
Ethiker sagt:
Die psychische Labilität, Traumatisierungen und eine psychische Störung tritt bei den meisten Attentätern auf. Es ist bemerkenswert, dass dies absichtlich unterschlagen wurde.
23.07.21
18:13
Vera sagt:
Dass bei diesen tödlichen Messerangriffen extremistisches Islam-Gedankengut doch eine große Rolle gespielt haben kann, wird noch immer untersucht. Es gibt Zeugen, die während des Würzburger Angriffs vom Täter zweimal den Ausruf "Allahu Akbar" gehört haben wollen. So berichtete der Bayerische Rundfunk (BR24). Und weiter: Die pro-Al-Qaida Gruppierung "Jaysh Al-Malahim Al-Electronic" fordert in einer Kampfschrift junge Muslime in Europa zu Attentaten auf. Von diesen Jihad-Propagandisten von "Wolves of Manhattan" - ihrem Online-Magazin - wird die Messerattacke von Würzburg hochgelobt. Für sie ist der (mutmaßliche) Messerstecher ein Held. Nach Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) wurde auch nach dem Messerangriff in Würzburg in mehreren islamistischen Social-Media-Kanälen gezielt zur Nachahmung von Gewalttaten aufgerufen. Wie gefährlich der extremistische Islam generell ist, das zeigte sich auch gestern bei der Urteilsverkündung bem Oberlandesgericht München wegen der aufsehenerregenden Waldkraiburger Anschlagsserie. Über den Täter Muharrem D., der kurdische Wurzeln hat und seit 2019 eine schizophrene Erkrankung, sagte der Vorsitzende Richter: "Ohne die Schizophrenie sind die vom Angeklagten verübten Anschläge in Waldkraiburg nicht denkbar." Sie seien aber "ebenso wenig denkbar ohne die islamistisch-dschihadistische Ideologie." Diese sei "das Fundament, auf dem die Schizophrenie aufgesattelt hat." Der 27-jährige Angeklagte wurde zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt - u.a. wegen versuchten Mordes in 26 Fällen, schwerer Brandstiftung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Zudem verhängte das Gericht die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Der Richter ging auch näher ein auf den islamistisch geprägten Instagram-Account des Verurteilten mit geposteten Hinrichtungs-Videos, auf seine regelmäßigen Geldzahlungen an die Familie eines IS-Kämpfers in der Türkei und seine wiederholten Kontakte zu einschlägig bekannten Münchner Salafisten. Die Festnahme verhinderte wohl weitere und schlimmere Anschläge des sich selber als Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bezeichnenden Waldkraiburgers, der "kriegsähnliche Zustände" herbeiführen wollte. Keine extremistischen Motive? Leider nein.
24.07.21
3:00
Vera sagt:
In der niederbayerischen Kreisstadt Regen im Naturpark Bayerischer Wald wurde neuerdings ein anderer Tatverdächtiger von der Polizei festgenommen und auch in ein Bezirkskrankenhaus - eine psychiatrische Klinik - eingeliefert. 'Bild' berichtete gestern: "Bestialische Bluttat in einem Obdachlosenheim in Regen im Bayerischen Wald! Nach BILD-Informationen soll ein psychisch kranker Mann (21) einen Mitbewohner (52) mit einem Messer enthauptet haben! Bereits am Montagmorgen wurde das fürchterliche Verbrechen verübt." Der tatverdächtige Afrikaner soll nach einem Streit seinen Mitbewohner Alex K. mit einem Messer in der Unterkunft ermordet, ihm sogar den Kopf abgetrennt haben. Wegen Körperverletzungs- und Eigentumsdelikten war der junge Afrikaner schon polizeibekannt. Eine politische Motivation für die Bluttat wird aktuell ausgeschlossen. Ein solches Geschehen lässt sich nicht beschönigen oder kleinreden. Vielleicht sind auch manche Menschen aus völlig anderen Kulturkreisen mit einem Leben in einem europäischen Land überfordert. Und dann entwickeln sich womöglich psychiatrische Auffälligkeiten und Erkrankungen aufgrund dieser Überforderung und basierend auf einem extremistischen Religions-Weltbild, das ihnen von Kindheit an so eingetrichtert wurde. Solche möglichen Entwicklungsprozesse müssen natürlich klar thematisiert und im Auge behalten werden. Auch traumatisierende Fluchterfahrungen können sich sehr verhängnisvoll auswirken. Eine wirklich große Problematik, die nach Lösungen verlangt.
25.07.21
2:17
Erhiker sagt:
Man tut sich keinen Gefallen den tradierten Islamhass und Rassismus mit neuer Islamfeindlichkeit zu vermengen. Wenn man wirklich interessiert ist den Frieden zu stiften, dann unterlässt man den Hass und gibt reaktionäre und pseudoislamische Gruppen weder Argumente, Materialien oder gar eine Legitimität als das Islamische. All dies ist bereits bekannt und leicht zu beheben.
26.07.21
1:23
Johannes Disch sagt:
@Vera Exakt! Islamistische Ideologen und Websites rufen zu genau solchen Taten auf. Der Artikel soll mal wieder den Islam entlasten, der -- wir ahnen es bereits-- wie immer nichts mit dem islamistischen Terror gemein hat.
26.07.21
12:40
grege sagt:
Auch dieser Beitrag sowie die anschließenden Kommentare zeigen wieder einmal mehr die Doppelmoral vom Autor sowie der Islamprotagonisten. Verweise auf psychische Labilität rechtsradikaler Attentäter wie z.B. im Hanau wurden als verharmlosend und relativierend empört zurückgewiesen. Im Falle islamisch motivierter Attentate klammert man sich plötzlich an solche Erklärungsansätze. Wer wie unsere Islamprotagonisten Attentate nur nach der Relgionszügehörigkeit von Opfern und Tätern bewertet, verhält sich rassistisch.
29.07.21
19:37