Antimuslimischer Rassismus

Krankenschwester wegen ihres Kopftuches gekündigt

Nach der Entscheidung ein Kopftuch zu tragen, ist einer muslimischen Krankenschwester gekündigt worden. Ein Gericht hat die Kündigung bestätigt.

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2020
Krankenschwester
Symbolbild - Gerichtsverfahren © Shutterstock, bearbeitet by iQ

In Gelsenkirchen kündigte die Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen (EVK) einer muslimischen Krankenschwester wegen ihres Kopftuchs, trotz langjähriger Beschäftigung. Der Grund: Das Kopftuch verstoße gegen christliche Werte. Das geht aus einem Bericht von „Focus“ am Samstag hervor.

Die 42-jährige Muslimin arbeitete demnach seit über 25 Jahren für die EVK in Nordrhein-Westfalen. In dieser Zeit hatte sie noch kein Kopftuch getragen. Als nach einer schweren Krankheit ihr Sohn wieder genesen wird, entscheidet sich die Muslimin ein Kopftuch zu tragen. Daraufhin habe ihr der Arbeitgeber gekündigt, obwohl man mit der Leistung der Krankenschwester stets zufrieden war.

„Ich legte das Kopftuch aus überzeugtem Glauben an“, sagte sie in dem Prozess um ihre Kündigung. Es sei für Christen wie auch für Muslime bedeutend, in schwierigen Lebenssituationen zu beten und sich auf den Glauben zu berufen.

Kompromissvorschläge der Krankenschwester abgelehnt

Die EVK bewertet das Tragen eines Kopftuchs als Verstoß gegen christliche Werte und stellte die Loyalitätsrichtlinien heraus. Demnach sei das Kopftuch Symbol des islamischen Glaubens. Wenn sie das Kopftuch ablege, könne die Krankenschwester, die man fachlich schätze, sofort weiterarbeiten, erklärte der Personalmanager in dem Prozess. Den Vorschlag der Frau, im Labor oder in einem anderen, weniger publikumsintensiven Bereich zu arbeiten, hatte die Geschäftsführung demnach abgelehnt.

Die Frau hatte zwei Abmahnungen wegen des Kopftuchs bekommen und war dann im Februar 2020 gekündigt worden. Dagegen hatte sie geklagt, dies wurde nun abgelehnt. Gegen das Urteil hat sie Berufung eingelegt.

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Das ist eine inakzeptable Diskriminierung und ein eklatanter Verstoß gegen die Religionsfreiheit.
08.08.20
13:51
Vera von Praunheim sagt:
Das ist kein "Antimuslimischer Rassismus". Das ist eher Selbstschutz. Die Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen sind auch ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen und haben sich mit Sicherheit diese Entscheidung - juristisch, theologisch und universitär - nicht einfach gemacht. Islamische Kopftücher sind als Symbole des islamischen Glaubens in christlichen Einrichtungen eher provokativ als friedensstiftend und daher leider nicht hinzunehmen. Wieso legt diese beratungsresistente Krankenschwester während der Tätigkeit bei ihrem evangelischen Arbeitgeber nicht das islamische Kopftuch-Symbol ab? Wo bitte dürfen in islamischen Einrichtungen christliche Glaubenssymbole ständig auffällig gezeigt oder demonstrativ vorgeführt werden? Darf übrigens eine McDonalds-Mitarbeiterin bei ihrer Arbeit auch eine Burger-King-Schürze tragen, wenn sie das möchte? Sollen denn die vehement verfochtenen islamischen Kopftuch-Interessen der Beschäftigten über die Interessen des evangelischen Arbeitgebers gestellt werden? Wo bleiben die Toleranz und erwiesene Wertschätzung der Krankenschwester? Was ist mit ihrer Loyalität? Das Gericht gab der islamischen Klägerin nicht nach. Es gab dem christlichen Krankenhaus recht.
08.08.20
15:06
Frau Maier sagt:
Es widerspricht jeden Gesetzen der Bibel und der Religion. Zudem gibt es schon Gerichtsurteile dazu. Was Arbeitsrecht angeht, duerfte das auch wackeln. Per Anwalt dran bleiben, Abfindung kassieren und damit auf Gesamtdeutschland anwenden können. Ich kann die Dankbarkeit der Frau verstehen und den Wunsch jedem diese zu zeigen. Allah ist größer als dein EX Arbeitgeber. Du wirst was neues mit besseren Arbeitsbedingungen finden. Ist nicht jeder Christ, der sich so nennt. 🙏🏼
08.08.20
18:48
ktokogo sagt:
„ Das ist eine inakzeptable Diskriminierung und ein eklatanter Verstoß gegen die Religionsfreiheit.“ Nicht alles wird durch die Bekenntnisfreiheit (so der richtige Name) gedeckt. Auch die Meinungsfreiheit würde nicht zulassen, dass ich in den Räumen meines Arbeitgebers permanent im Kundenkontakt mit einem Werbe- oder deutlich sichtbaren Markenzeichen der Konkurrenz herumlaufe. Das Urteil ist angemessen.
09.08.20
9:05
Irene sagt:
Das ist unmöglich! Wie kann ein Gericht eine solche diskriminierende Entscheidung durchgehen lassen, wenn die Frau angeblich durch unser Grundgesetz geschützt sein sollte? Und gegen welche Werte verstößt das Kopftuch eigentlich?!
09.08.20
9:52
Johannes Disch sagt:
Die Überschrift "Antimuslimischer Rassismus" ist irreführend. Nicht jedes Kopftuchverbot am Arbeitsplatz ist rassistisch. Es handelt sich um ein konfessionsgebundenes Krankenhaus. Da ist das Verbot eines Kopftuchs durchaus möglich, was ein Gericht in diesem Fall ja auch bereits bestätigt hat. Warten wir einfach mal ab, wie die Berufung ausgeht.
09.08.20
21:30
Johannes Disch sagt:
Nicht jedes Kopftuchverbot am Arbeitsplatz ist rassistisch, wie die irreführende Überschrift "Antimuslimischer Rassismus" suggeriert. Diese Überschrift ist voreingenommen und ideologisch. Ein konfessionsgebundenes Krankenhaus-- und um ein solches handelt es sich hier-- kann ein Kopftruch verbieten. Hier hat die Loyalitätspflicht der Angestellten gegenüber dem Arbeitgeber -- der sich nach außen bewusst als christliche Einrichtung definiert--Vorrang vor der Religionsfreiheit. So entsprechende Urteile deutscher Arbneitsgerichte in der Vergangenheit (Arbeitsgericht Bochum 2017, bestätigt vom LAG Hamm 2019). An diesem Urteil hat sich das Gericht auch beim aktuellen Fall orientiert. Die Klägerin dürfte in der Berufung schlechte Karten haben.
10.08.20
8:08
Johannes Disch sagt:
@Dilaver (08.08.2020 13:51) Kein Grundrecht-- außer Art. 1 GG-- ist grenzenlos. Auch nicht das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Es gibt in Deutschland ein kirchliches Sonderarebitsrecht, das es es den beiden Kirchen erlaubt, bei der Einstellung von Mitarbeitern darauf zu achten, dass die Wertvorstellungen zusammenpassen. Ein evangelischer Arbeitgeber kann darauf bestehen, dass seine Mitasbeiter auch der evangelischen Kirche angehören. Das ist bei der Muslimin nun wohl eindeutig nicht der Fall. Trotzdem wurde sie eingestellt und arbeitete 25 Jahre in der Einrichtiung. Die ganze Zeit über gingt es ohne Kopftuch. Nun muss es plötzlich ein Kopftuch sein. Einem konfessionsgebundenen Krankenhaus wird vom Grundgesetz her zugesichert, dass er darauf achten darf, ob die Wertvorstellungen beider SDeiten zusammenpassen. Er ist hier vom Diskriminierungsverbot ausgenommen. Er darf das Kopftuch verbieten. Es liegen keine Diskriminierung und schon gar kein Rassismus vor. Es sieht eher danach aus, dass auf Seiten der Beschäftigten ein Wandel zu einer fundamentalistischen Haltung stattgefunden hat, da sie jeden Kompromiss und jedes Entgegenkommen des Arbeitgebers ablehnt. Wie gesagt, in der Vergangenheit haben deutsche Arbeitsgerichte die Haltung der kirchlichen Arbeitgeber bestätigt. So auch in diesem Fall. Würde mich sehr wundern, wenn es in der Berufung anders wäre. Die Betroffene hätte sich vorher über die deutsche Rechtslage informieren sollen, anstatt gleich "Rassismus" zu rufen und vor Gericht zu ziehen.
10.08.20
8:31
HijabNursesMatter sagt:
Das ist nicht in Ordnung, die Frau hat ihren Job gut gemacht. Als ich im Krankenhaus war, war eine Schwester mit Kopftuch die einzige, die meine Bettnachbarin gewaschen hat. Wenn solchen Menschen gekündigt wird leiden auch die Patienten. Die Begründung mit christlichen Werten ist alles andere als christlich!
10.08.20
15:46
Ute Fabel sagt:
Wieder ein Fall, wo verbohrter Bekleidungsdogmatismus die Berufslaufbahn zerstört. Wenn ein Krankenpfleger eines Tages den Marxismus für sich entdeckt und plötzlich tagein tagaus im Dienst ein Che-Guevara-Shirt anzieht, wird er sich wohl kaum glaubhaft auf weltanschauliche Diskriminierung und politische Verfolgung berufen können, wenn das in seinem Arbeitsumfeld keine Begeisterungsstürme auslöst.
11.08.20
18:30
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