Hamburg und Berlin

Tausende demonstrieren für Aufnahme von Flüchtlingen

In Hamburg und Berlin sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten gegen die EU-Flüchtlingspolitik und forderten die Aufnahme von Flüchtlingen.

08
03
2020
Tausende demonstrieren für Aufnahme von Flüchtlingen © Twitter, bearbeitet by iQ.
Tausende demonstrieren für Aufnahme von Flüchtlingen © Twitter, bearbeitet by iQ.

Mehrere Tausend Menschen haben in Hamburg und Berlin für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem griechisch-türkischen Grenzgebiet demonstriert. WWenn das offizielle Europa seine Grenzen schließt und die staatliche Gewalt gegen Zufluchtsuchende eskaliert, dann müssen alle Menschen auf die Straße gehen, die für Solidarität und das Recht auf Asyl einstehenW, sagte ein Organisator der Initiative Seebrücke am Samstag in Hamburg.

Erwartet werde von der EU, von Deutschland und Hamburg, dass die „Menschen im Niemandsland an der griechisch-türkischen Grenze aufgenommen“ und Lager auf den griechischen Inseln evakuiert werden. Nach Angaben der Polizei waren bis zu 3900 Teilnehmer zur Kundgebung auf dem Rathausmarkt und einem anschließenden Demonstrationszug gekommen. Die Veranstalter sprachen von 5000 Teilnehmern.

Nach Beobachtungen eines dpa-Reporters demonstrierten in Berlin rund 1000 Menschen für die Aufnahme schutzbedürftiger Migranten. Der Veranstalter sprach am späten Nachmittag von rund 4000 Menschen, die Polizei gab zunächst keine Teilnehmerzahlen bekannt. Der Protestzug unter dem Motto „Europe, don’t kill! Open the borders – Wir haben Platz“ zog vom Bundesinnenministerium zum Halleschen Ufer. Auf Transparenten wurden Slogans wie „Shame on you, EU“, „Für mehr Liebe“ und „Nazis morden – Grenzen auch. Schluss damit“ gezeigt.

Seitdem die Grenzen zur EU für Migranten als offen erklärt hatte, haben sich Tausende zum Grenzübergang Kastanies begeben. Die griechischen Sicherheitskräfte lassen aber niemanden durch. Mehrere Durchbruchsversuche von Gruppen hatten die Griechen in den vergangenen Tagen mit Härte abgewehrt.

„Humanitärer Verantwortung gerecht werden“

„Europa muss Menschenrechtsverletzungen an der türkisch-griechischen Grenze unverzüglich beenden. Was dort derzeit passiert, ist eine humanitäre Bankrotterklärung“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sei die eskalierende Flüchtlingssituation an der türkisch-griechischen Grenzen.

„Die Bilder, die uns aus der türkisch-griechischen Grenze erreichen, besorgen uns sehr. Die Europäische Union steht in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass an ihren Außengrenzen keine Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Jeder Mensch hat unbeachtet seiner Herkunft und Religion ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, ein Recht auf Leben und ein Recht auf Asyl“, so Altaş weiter. Es gelte der Grundsatz, dass jeder Mensch gleich wertvoll sei. Zugleich appelliere Altaş an die Türkei, den Menschen keine Hoffnungen auf eine ungehinderte Reise nach Europa zu geben. (dpa, iQ)

Leserkommentare

IslamFrei sagt:
Eine BegeisterungsWelle " welcome refugees " die hatten wir bereits. Warten wir mal, bis die ihre Kopftücher, Burkas und Burkinies ausgepackt haben. Und sie uns ihre Liste mit Forderungen präsentieren. IslamFrei
08.03.20
19:37
Ute Fabel sagt:
"Mehrere Tausend Menschen haben in Hamburg und Berlin für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem griechisch-türkischen Grenzgebiet demonstriert." Die Türkei ist kein Kriegsgebiet, schon gar nicht besteht im europäische Teil westlich von Istanbul Gefahr für Leib und Leben. Die Leute, die sich an die griechisch- türkische begeben, sind Migranten, die nach Europa kommen wollen, und keine Flüchtlinge. Der ganz überwiegende Teil von ihnen hat zuvor mehrere Länder illegal durchquert. Sie sollten keinesfalls bevorzugt in Europa aufgenommen werden. Man sollte endlich damit aufhören, ständig unmittelbare Kriegsflucht und darüber hinausgehende Migrationswünsche in die EU zu vermischen, das ist die beste Wahlkampfhilfe für die Rechtspopulisten.
09.03.20
11:06
Ute Fabel sagt:
Obwohl dieses Land geographisch weit entfernt ist, hat Österreich nach dem faschistischen Militärputsch in Chile 1973 viele Flüchtlinge aufgenommen, worauf ich sehr stolz bin. Bevorzugt wurden diejenigen behandelt, die glaubhaft machen konnten, dass sie sich davor in ihrer Heimat für demokratische Werte stark gemacht haben. Die Auswahl der Flüchtlinge erfolgte in den südamerikanischen Nachbarländern, niemand stieg eigenmächtig in Schlepperboote oder versuchte gar gewaltsam in Europa einzudringen. Die dänische Mette Frederiksen hat Recht. Asylanträge sollten in Zukunft nur noch außerhalb der EU gestellt werden können. Nur so kann das Schlepperunwesen ausgemerzt und ein brutales und unfaires Faustrecht unter den Migrationswilligen nachhaltig abgestellt werden. Nicht die Unverfrorenen sollten nach Europa gelassen werden, die den Schlepperbanden am meisten bezahlen und die kräftig genug sind, die EU-Außengrenze wochenlang zu belagern, sondern diejenigen, die es sich verdienen.
09.03.20
12:47
Johannes Disch sagt:
@Ute Fabel (09.03.2020, 11:06) Damit haben Sie völlig recht!
09.03.20
18:20
Johannes Disch sagt:
@Ute Fabel Sie haben völlig recht, dass es sich dabei nicht um Flüchtlinge handelt. Diese Menschen werden von Erdogan instrumentalisiert. Trotzdem können sie nicht auf den griechischen Inseln bleiben, weil dort die Lage katastrophal ist, sondern müssen auf das griechische Festland.
11.03.20
10:31
Ethiker sagt:
Aus ethischen Gründen ist Erdogan im positiven Sinne nicht mit der EU und ihren Beteiligungen an etlichen Kriegen der letzten Jahre zu vergleichen. Erdogan wird für scheinbare Politikkritik instrumentalisiert. In Wahrheit versteckt sich dahinter meist nur Abscheu und oder tief sitzender Rassismus gegenüber Türken.
11.03.20
15:00
grege sagt:
Erdolf hat mit seiner Syrienstrategie so ziemlich ins Klo gegriffen, indem er sich von Wladimir veräppeln ließ. So ist ihm nur kaum möglich, in Nordyrien unliebsame Kurden zu vertreiben und stattdessen gefügige Araber mit sunitischer Glaubensrichtung anzusielden. In seiner Not sucht er jetzt wieder den Schulterschluss mit den Europäern und der Nato, die ihm aus der Patsche helfen sollen und instrumentalisiert die Schwächsten der Schwächsten, nämlich die Flüchtlinge. Mit seinen großmaüligen Parolen agiert Erdolf wie ein Tiger, der mutig vom Bett sprang und als Bettvorleger wieder angekrochen kommt........ Eigentlich müsste die Flüchtlingspolitik der EU darauf hinauslaufen, Flüchtlinge aus der Türkei aufzunehmen, aber nur, wenn im 1 zu 1 Austausch Erdolf Anhänger ihre Aufenthaltsländer in der EU verlassen und ins gelobte Land jenseits des Evros remigrieren.
12.03.20
23:28