Frankreich

Papst gegen ein Kopftuchverbot

Papst Franziskus hat sich gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen und vor einer „übertriebenen Laizität“ in Frankreich gewarnt. Zugleich betonte er, dass Europa nicht nur christliche Wurzeln habe und andere Kulturen und Religionen berücksichtigt werden müssen, damit Europa vorankommen kann.

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01
2017
Papst Franziskus © http://salbei-und-seide.de/cm/wp-content/uploads/2015/06/Papst-Franziskus.jpg

Im Interview mit der französischen Zeitung „La Croix“ hat sich Papst Franziskus gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen, wie „ORF.at“ berichtet. „Wenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, muss sie das tun können, ebenso wie ein Katholik, der ein Kreuz tragen will“, sagte er der Zeitung. Jeder, egal ob muslimisch, katholisch oder jüdisch, müsse die Freiheit haben, seinen Glauben zum Ausdruck bringen zu können, sagte der Papst mit Blick auf das Kopftuchverbot in Frankreich. Auch kritisierte er das Land wegen einer „übertriebenen Laizität“. Dadurch würden Religionen wie „eine Subkultur“ betrachtet und nicht wie eine „echte und eigene Kultur“, so der Papst, der Frankreich sonst sehr schätze.

Europa hat nicht nur christliche Wurzeln

Zugleich sei es wichtig zu betonen, dass Europa nicht nur christliche Wurzel habe. Das katholische Oberhaupt ist außerdem der Meinung, dass der Ton, „triumphalistisch oder rachsüchtig“ sein könne, wenn von einem Europa mit rein christlichen Wurzeln die Rede ist. Zwar habe Europa zweifellos christliche Wurzeln, dennoch dürfe man es nicht in „kolonialistischer Manier“ nur für das Christentum einnehmen.

Ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen sei möglich. Positive Beispiele hierfür seien, unter anderem sein Heimatland Argentinien, die Zentralafrikanische Republik und der Libanon, so der Papst. 

Auf die Frage, ob die Furcht vor dem Islam in Europa aus seiner Sicht gerechtfertigt sei, forderte er eine differenzierte Sicht auf den Islam und dessen Verhältnis zur Gewalt, denn auch in der Geschichte des Christentums habe es gewalttätige Ausschreitungen  gegeben, die bis zur Zeit Jesu zu beobachten seien. 

Terror als Folge militärische Interventionen

Den „islamistischen Terror“ stellte Franziskus in einem Zusammenhang mit den westlichen Militärinterventionen im Irak und in Libyen. Angesichts des Terrors in Europa, solle der Westen eher die Art und Weise hinterfragen, wie er sein Modell von Demokratie in diese Länder exportiert habe, so der Papst. „Wir können hier nicht vorankommen, wenn wir die Kulturen nicht berücksichtigen.“

 

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Die eine Hand wäscht die andere. Der Papst weiß, dass die staatlichen Privilegien der Katholiken (Konkordate, Einhebung der Kirchensteuer durch den Staat, konfessioneller Religionsunterricht, Kruzifixe in öffentlichen Schulklassen und staatlichen Gerichten etc) für dann am besten abgesichert scheinen, wenn man anderer Religionsgemeinschaften mit ins Privilegienboot nehmen. Katholiken können in ihrer Freizeit selbstverständlich eine Kreuzkette tragen, Muslimminnen ein Kopftuch, Atheisten "Gottlos Glücklich"-Buttons. Im Berufsleben, gerade im öffentlichen Dienst ist es unprofessionell und unangebracht allen Leuten den eigenen Glauben oder Unglauben optisch ostentativ unter die Nase zu binden.
08.01.17
14:52
Johannes Disch sagt:
Prima Einstellung von Papst Franziskus und ne sehr sachliche und kundige Haltung zur Laizität.
11.01.17
13:05
Ute Fabel sagt:
Alle Religionsgemeinschaften sollten unter dasselbe Vereinsrecht fallen wie nicht religiösen Weltanschauungsgemeinschaften auch. Es gibt keine sachlilche Rechtfertigung für die privillegierte Stellung von ausgewählten Religionsgemeinschaften als Körperschaft öffentlichen Rechts. Politische Partein sind auch nur Vereine, aber leben wir deshalb in einem parteienfeindlichen Staat? Nein, mitnichten! Ich denke es ist weitgehender Konsens, dass es unangebracht wäre, wenn Richter, Polizisten oder Lehrer im Dienst Parteiabzeichen tragen würden. Leben wir deshalb in einer parteienfeindlichen Gesellschaft oder in einem Staat, der sich nicht ausreichend um die politischen Freiheitsrechte seiner Bürger kümmert? Nein! Deshalb kann man auch nicht von einer "übertriebenden Laiizität" sprechen, wenn man von Religionsangehörigen desselbe - nicht mehr und nicht weniger - verlangt als von Anhängern nicht religiöser Weltanschauungen.
12.01.17
9:27