Schweiz

Experte warnt vor Isolation von Muslimen

Der Theologe Hansjörg Schmid warnt davor, friedvolle Muslime zu isolieren und den Dialog nach den Terroranschlägen als gescheitert zu betrachten.

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Was tun gegen Rassismus? © by Pascal auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Nach den Anschlägen von Paris sieht der Theologe Hansjörg Schmid kein Versagen des Dialogs mit Muslimen. Jetzt umso mehr sei es wichtig, einem möglichst breiten Spektrum von muslimischen Gruppen Gesprächsangebote zu machen, sagte Schmid, Co-Leiter des Schweizer Zentrums für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg, am Montag.

„Isolation ist immer gefährlich“, warnte Schmid. So seien Imame in der Regel für den Umgang mit sich radikalisierenden Jugendlichen nicht psychologisch geschult. Muslimische Geistliche brauchten Unterstützung und „von Vertrauen getragene Netzwerke“. Es dürfe nicht geschehen, „dass geschwiegen wird, weil die Betroffenen nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen“.

Jeder Ausschluss islamischer Gruppen produziere neue Abgrenzung und fördere eine „Selbststigmatisierung“, sagte Schmid, der auch katholischer Theologe ist und das Islam-Zentrum gemeinsam mit dem muslimischen Theologen Serdar Kurnaz leitet. Demgegenüber könne ein Dialog mit mit verschiedenen islamischen Gruppen auch eine innere Meinungsvielfalt freilegen und zur Öffnung beitragen.

Nach Vorgängen wie denen in Paris befürchteten Muslime, dass noch weniger zwischen Islam und „Islamismus“ differenziert werde, so Schmid. Dabei führe an einer gewissenhaften Unterscheidung kein Weg vorbei. „Es wäre kontraproduktiv, die gutwilligen Kräfte zu verunglimpfen“, sagte Schmid. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Marita sagt:
Sicher ist es wichtig, zwischen Islamismus und Islam zu unterscheiden. Dabei müssen aber die Muslime helfen. Insbesondere dadurch, dass sie sich klar von den Terroristen abgrenzen und mit den Opfern solidarisch erklären. So ist es z.B. kein Zeichen von Solidarität mit den Opfern, wenn muslimische Jugendliche in der Schule nach den Anschlägen auch Charlie Hebdo die Schweigeminute verweigern oder Muslime starrköpfig sagen "Je ne suis pas Charlie". Als ginge es bei "Je suis Charlie" darum, den Inhalt dieses Magazins gut zu finden. Es ging lediglich um eine Solidarisierung mit den Opfern. Ebenso ist es nicht glaubwürdig, wenn beim IIS e.V, in Frankfurt eine Predigt gehalten wird, bei der ausdrücklich gesagt wird, dass der Prediger nicht einsieht, einen Bruder an die Polizei zu verraten, weil er vielleicht auf dem falschen Weg ist. Wenn Nicht-Muslime Islamismus und Islam unterscheiden sollen, müssen Muslime in Wort und Tat sich vom Islamismus distanzieren.
18.11.15
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