Vereinten Nationen

Schuldige für Genozid in Rechenschaft ziehen

Die Vereinten Nationen bezeichnen das Vorgehen gegen die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmar als Genozid. Die Schuldigen müssten zur Verantwortung gezogen werden.

13
03
2018
We are Rohingya
We are Rohingya ©Facebook, bearbeitet by iQ.

UN-Sonderberichterstatterin für die Lage der Menschenrechte in Myanmar, Yanghee Lee, forderte am Montag eine sofortige, gründliche und unparteiische Untersuchung. Diese müsse die Befehlshaber ebenso in den Blick nehmen wie Einzelpersonen, die sich schuldig gemacht hätten. Auch die Regierung, die nicht eingegriffen habe, müsse dafür gerade stehen.

Die Vereinten Nationen bezeichnen das Vorgehen gegen die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmars Teilstaat Rakhine als Genozid. Die Schuldigen müssten zur Verantwortung gezogen werden. Die Ereignisse in Rhakine trügen „die Merkmale eines Genozids“.

Mehr als 700.000 muslimische Rohingya sind seit Beginn der Armee-Gewalt im August 2017 nach Bangladesch geflohen. Myanmars Regierung unter Führung von Staatsrätin Aung San Suu Kyi sowie die Armee weisen die Vorwürfe eines Völkermords als „Falschnachrichten“ zurück.

UN will Menschenrechtsverletzungen überprüfen

Die zwischen Myanmar und Bangladesch im Januar vereinbarte Rückführung der Flüchtlinge war bereits ins Stocken geraten, bevor sie begann. Beobachter gehen davon aus, dass die Rohingya noch Jahre in Lagern in Bangladesch unter schwierigen humanitären Bedingungen leben müssen.

Lee, die seit Ende 2017 der Zugang nach Myanmar verweigert wird, äußerte sich besorgt, dass „repressive Praktiken früherer Militärregierungen in Myanmar wieder zur Norm werden“. Die Lage für die Zivilgesellschaft werde „zunehmend gefährlich“.

Die Sonderberichterstatterin plädierte für die Schaffung einer UN-Einrichtung in Cox’s Bazar in Bangladesch für die Dauer von drei Jahren, um Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen, zu dokumentieren und Beweise zu sammeln. Zudem solle geprüft werden, ob die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft das Vorgehen gegen die Rohingya hätten verhindern können.

Myanmar errichtet Militärbasen auf zerstörten Rohingya-Dörfern

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf Myanmar (Montag) vor, auf dem Gebiet zerstörter Rohingya-Dörfer Militärbasen zu errichten. „Was wir in Rakhine sehen, ist Landraub durch das Militär in dramatischem Ausmaß“, heißt es in einem neuen Amnesty-Bericht. Neue Stützpunkte würden zur Stationierung eben jener Sicherheitskräfte errichtet, die gegen die Rohingya Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hätten.

Laut Augenzeugenberichten und der Analyse von Satellitenbildern seien die Planierung von Rohingya-Dörfern sowie neue Bauaktivitäten seit Jahresbeginn „intensiviert“ worden. „Neue Straßen werden auf dem Land und dem Gelände niedergebrannter Rohingya-Dörfer gebaut. Dadurch wird es noch unwahrscheinlicher, dass die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren können.“ (KNA, iQ)

Leserkommentare

Manuel sagt:
Und wann zieht man endlich Erdogan zur Rechenschaft!
14.03.18
19:07
Dilaver Çelik sagt:
@Manuel Keiner hindert Sie daran, zum Staatsanwalt zu gehen und Strafanzeige zu erstatten. Worauf warten Sie denn? Na los!
16.03.18
15:51
Manuel sagt:
@Dilaver Çelik: Bei uns ist das sogar möglich, in der Türkei wird man dafür sofort verhaftet, wenn man Ihr Idol Erdogan nur annährend kritisiert. Aber warten wir es ab, Diktatoren übernehmen sich meist.
24.03.18
12:43