Berlin

Ausstellung – Wie Jesus im Koran erscheint

Jesus und Mohammed erscheinen vielen Menschen heute wie Feuer und Wasser. Dass es auch anders ging, zeigt eine neue Berliner Ausstellung von wertvollen Handschriften aus dem Orient.

12
07
2017
Pergamonmuseum © by Christina zur Nedden auf flickr, bearbeitet iQ

Der Titel ist eigentlich falsch gewählt: „Gläubiges Staunen“ heißt eine neue Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel. Zu sehen sind ab Freitag „Biblische Traditionen in der Islamischen Welt“, wie sie in prachtvollen Handschriften ihren Niederschlag gefunden haben. Und der Besucher staunt geradezu ungläubig, wie fantasievoll und friedlich dies offenbar über Jahrhunderte möglich war.

Die Schau hat weit mehr zu bieten als bibliophile Kostbarkeiten, auch wenn sich schon deswegen der Gang ins Pergamonmuseum lohnt. In Zeiten eines immer wieder beschworenen Kampfes der Kulturen zeigt sie, dass Geschichten und Gestalten der jüdisch-christlichen Überlieferung auch im Koran und weiterer Literatur des Islam einen respektablen Platz erhielten – statt aus ideologischer Verbohrtheit verdammt zu werden. In dieser Hinsicht hat die Ausstellung indirekt auch eine politische Botschaft.

Den Beleg liefern zahlreiche wertvolle Beispiele der orientalischen Handschriftenkultur. Sie stammen meist aus den Beständen des Museums für Islamische Kunst und der Staatsbibliothek zu Berlin, von denen die Sonderausstellung konzipiert wurde, und aus der Privatsammlung Vollmer.

Den Besucher erwarten unter anderem armenische Evangeliare, syrische Pergamentbibeln, koptische Papyri und indische Miniaturen. Geschaffen wurden die teils reich illustrierten Werke zwischen der Spätantike und dem 19. Jahrhundert. Sie zeigen die Vielfalt der christlichen Traditionen zwischen Nordafrika und Südasien, die bis heute in vielen orthodoxen und altorientalischen Kirchen zum Ausdruck kommt.

Den eigentlichen Reiz der Schau macht die Rezeption dieser Traditionen im Islam aus. Als letzte der drei monotheistischen Weltreligionen verbreitete er sich in ebendieser Region ab dem siebten Jahrhundert mit großer Geschwindigkeit, ohne Judentum und Christentum dort ganz zu verdrängen. Lange erwiesen die Muslime ihnen gegenüber eine Toleranz, von der die heutigen fundamentalistischen Strömungen weit entfernt sind.

Umso erstaunlicher ist es, wie unbefangen der Koran die biblischen Propheten und Jesus erwähnt und sie als Vorgänger Mohammeds würdigt. Auch von den Illustrationen in den biblischen Handschriften ließen sich muslimische Künstler oft inspirieren, kopierten sie oder interpretierten sie weiter.

In einem Grußwort zur Ausstellung spricht der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer, von einem „erstaunlichen Pluralismus“ im damaligen islamischen Kulturkreis. Dessen schriftliche Zeugnisse gäben Anlass zur Hoffnung „auch auf zukünftige gemeinsame und friedliche Existenz von Menschen unterschiedlichen Glaubens“. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
Eine begrüßenswerte und sinnvolle Ausstellung.
12.07.17
18:33