Elf Jugendliche gestalten auf der Heilbronner Theresienwiese ein Gedenkmural für die zehn NSU-Opfer.

Auf der Heilbronner Theresienwiese erinnert ein neues Gedenkmural an die zehn Menschen, die zwischen 2000 und 2007 von der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) ermordet wurden. Elf Jugendliche aus Heilbronn und der Region haben das großflächige Wandbild gemeinsam mit dem Künstler Natalis Lorenz gestaltet. Das Kunstwerk verbindet die Erinnerung an die Opfer mit einem Zeichen für Vielfalt, Solidarität und ein respektvolles Zusammenleben.
Die Theresienwiese ist nicht nur ein zentraler Veranstaltungsort der Stadt, sondern auch Schauplatz eines NSU-Mordes. Am 25. April 2007 erschossen Mitglieder des NSU dort die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter. Ihr Kollege überlebte den Anschlag schwer verletzt. Zuvor hatte die rechtsextreme Terrorgruppe zwischen 2000 und 2006 neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Eine Gedenktafel erinnert bereits an die zehn Todesopfer. Das neue Wandbild erweitert den Erinnerungsort um eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Verbrechen und ihren gesellschaftlichen Folgen.
Dem Mural ging ein Workshop voraus, in dem sich elf Schülerinnen und Schüler intensiv mit den NSU-Morden, den Biografien der Opfer sowie den Themen Rassismus und Ausgrenzung beschäftigten. Unter der Leitung von Natalis Lorenz entwickelten sie anschließend ein gemeinsames Gestaltungskonzept.
Die Nachnamen der zehn Ermordeten bilden die Grundlage des Wandbildes. Ihre Anfangsbuchstaben finden sich in der Gestaltung der Fassade wieder. Auch die Farbwahl trägt eine symbolische Bedeutung: Die zwölf verwendeten Farbtöne orientieren sich an den Hautfarben der elf Jugendlichen und des Künstlers. Sie sollen die Vielfalt der Beteiligten und das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft sichtbar machen.
Innerhalb von vier Tagen verwandelte die Gruppe die zuvor mit Graffiti und Schriftzügen versehene Fassade in einen Gedenkort. Dabei ging es nicht allein um die künstlerische Gestaltung, sondern auch um die Frage, wie Erinnerung im öffentlichen Raum sichtbar bleiben kann.
Bei der offiziellen Einweihung versammelten sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf der Theresienwiese. Auch Landtagspräsident Thomas Strobl, Oberbürgermeister Harry Mergel sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Heilbronner Polizei nahmen an der Veranstaltung teil. Die Polizei gedachte dabei insbesondere ihrer 2007 ermordeten Kollegin Michèle Kiesewetter sowie der weiteren NSU-Opfer.
Das Gedenkmural ist bewusst als veränderbares Kunstwerk konzipiert. Sollten neue Schmierereien hinzukommen, sollen diese erneut übermalt werden. Damit verweist das Konzept auch auf die fortwährende Auseinandersetzung mit Hass, Rassismus und Ausgrenzung.
Entstanden ist das Wandbild im Rahmen des Projekts „Beyond Graffiti – Neue Bilder“, einer gemeinsamen Initiative des Künstlerhauses Heilbronn und der CULTURE MOVE Kulturförderung Heilbronn. Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts sieben großflächige Wandbilder im Stadtgebiet geschaffen.
Auf der Theresienwiese erhält das Projekt eine besondere Bedeutung: An einem Ort, der unmittelbar mit einem Mord des NSU verbunden ist, wird die Erinnerung an die Opfer in den öffentlichen Stadtraum getragen. Zugleich bringt das Mural die Perspektiven junger Menschen in die lokale Erinnerungskultur ein.